Kurzmeldungen

  • Kriegserklärung an die Kammgarn 18.11.2016

    Die Schaffhauser Jungfreisinnigen wollen die Kultur in der Stadt an die Wand fahren. Grossstadtratskandidat Alain Illi will die Kultursubventionen an die Kammgarn am liebsten komplett streichen. Er sagt heute in den «Schaffhauser Nachrichten»: «Die Kammgarn sollte privat finanziert sein». Illi...

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  • Knatsch zwischen SVP und Naturpark 03.11.2016

    Politiker aus SVP, EDU und Jungfreisinnigen haben ein Flugblatt «Nein zum Regionalen Naturpark» verschickt. Der Naturpark nimmt Stellung und vergleicht die Absender mit einer Sekte. Im Flugblatt erheben die SVP-Politiker Walter Hotz, Mariano Fioretti und Samuel Erb sowie Andreas Schnetzler (EDU)...

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  • Lappi schlägt Kantonsrat vor Gericht 31.10.2016

    Protokolle von Kommissionen des Schaffhauser Kantonsrats dürfen bereits vor allfälligen Volksabstimmungen von jeder Person eingesehen werden. Das hat das Schaffhauser Obergericht entschieden. Der Lappi und Claudio Kuster hatten vor den Abstimmungen über das Kantonsspital und die Strukturreform im Februar 2016...

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  • Neuhausen: AL will ins Parlament 12.10.2016

    Die Alternative Liste Schaffhausen (AL) tritt erstmals zu den Wahlen ins Neuhauser Gemeindeparlament an. Wie die Gemeinde mitteilt, wollen insgesamt sieben Parteien in den Einwohnerrat. Neben der AL sind das SVP, SP, FDP, ÖBS, CVP und EDU. Die Grünliberalen treten nicht an. Stärkste Partei im...

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  • Kantonsratswahl: AL verliert Fraktionsstärke 26.09.2016

    Mit Abstand stärkste Partei im Kanton Schaffhausen bleibt die SVP. Sie holt mit allen Listen zusammen 21 Sitze im Schaffhauser Kantonsrat, einen mehr als bisher. Dahinter bleibt die SP mit unverändert 14 Sitzen zweitstärkste Partei. Die FDP verliert wegen ihrer Jungpartei einen Sitz und schickt ab...

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aktuell

Entscheidender Zählfehler

Die Stimmenzähler im Schaffhauser Kantonsrat haben erneut einen Fehler gemacht. Dieses Mal war er entscheidend: Ohne den Fehler wäre der Rat auf die Vorlage zum Verordnungsveto eingetreten. Eine elektronische Abstimmungsanlage ist wichtiger denn je.

Seit Beginn des Jahres filmt Hinterzimmerpolitik.ch alle Sitzungen des Schaffhauser Kantonsrats. Unser Ziel: Wir wollen wissen, wer wie abstimmt, und transparenz schaffen. Zu unserer eigenen Überraschung häuften sich sofort die Zählfehler. Wenn die Kantonsratsmitglieder aufstehen und die Stimmenzähler zählen, passieren Fehler (siehe: «Erneut Zählfehler im Kantonsrat» und «Wir schaffen Transparenz»). Diese Fehler waren nicht entscheidend, weil sie nicht bei knappen Abstimmungen passierten – bis jetzt.

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Der gläserne Politiker

Foto: Peter Pfister

Wir bekämpfen Hinterzimmerpolitik und Geheimniskrämerei im Schaffhauser Kantonsrat mit einer Volksmotion

ESH4-Debatte im Kantonsrat am 11. Januar 2016: Drei Kantonsräte enthalten sich bei 5 von 22 Abstimmungen der Stimme. Sind es wankelmütige Mittepolitiker oder zweifelnde Freisinnige, die bei fünf Sparmassnahmen weder Ja noch nein sagen? Nein, es sind drei Linke: die SP-Kantonsräte Matthias Freivogel und Peter Neukomm sowie Urs Capaul (ÖBS).

Wir wissen das, weil wir die Abstimmungen im Schaffhauser Kantonsrat gefilmt und ausgewertet haben. Ausser uns weiss das keiner. Und das ist ein Fehler.

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Verraten und verkauft

Foto: Peter Pfister

Die Schaffhauser Regierung will das Kantonsspital verkaufen, weil sie das Geld für einen Neubau verprasst hat – für Steuersenkungen. Ein Drama in fünf Akten.

Es ist eine Kapitulation. Der Schaffhauser Regierungsrat sieht den Kanton nicht in der Lage, selber einen Neubau des Kantonsspitals zu finanzieren. Rund 200 Millionen Franken wären dafür nötig. Geld, das der Kanton nicht hat – zumindest laut Regierung. Darum will sie das marode Spital auf dem Geissberg an die öffentlich-rechtliche Anstalt «Spitäler Schaffhausen» abgeben. Die Führung der Spitäler Schaffhausen, der fünfköpfige Spitalrat, würde damit die Kompetenz erhalten, den 200 Millionen Franken teuren Neubau selbst in die Hand zu nehmen und könnte auch zukünftige bauliche Entscheide selbst treffen. Am 28. Februar wird das Schaffhauser Volk darüber abstimmen.

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Auch die Schaffhauser Jugend träumte 1968 von der Revolution. Eine Collage aus Erlebnissen einiger 68er ergeben ein Bild der Zeit durch die Augen von Franz, fiktiver Sohn einer Arbeiter­familie, Dylan-Fan und Schülerzeitungs-Redaktor.

Nun hatte Schaffhausen, was nach Woodstock längst Legende geworden ist: ein eigenes musikfestival, organisiert von der Schülerorganisation der Kantons­schule (Eintritt: sechs Franken). Rund 1500 Fans lockte die Veranstaltung am 27. Juni 1971 auf den Griesbach. Hier im Bild: die Krautrockband Guru Guru. Bilder 1 und 2 © Benno Wermelinger / Stadtarchiv

Schaffhausen ging es blendend. Fast 30 Jahre ununterbrochener Wirtschaftsboom, die «trente glorieuse». Die Fabriken der Georg Fischer im Mühlental und im Ebnat, wo 7000 Menschen, ein Fünftel der Stadtschaffhauser, ihr Geld verdienten, platzten aus allen Nähten. Es war die Zeit des Wirtschaftswunders, zwischen 1945 und 1973, und man glaubte an grenzenloses Wachstum. Alles schien möglich, alles planbar, sogar der Lauf der Welt.


Franz ist eine fiktive person. Seine Geschichte basiert auf realen Erlebnissen mehrerer Schaffhauser 68er. Die aufgeführten Ereignisse, Zitate und Namen entsprechen der historischen Realität.

Nur Franz ging es nicht besonders gut. Das lag freilich nicht an seinen materiellen Möglichkeiten, und auch sonst stand ihm so ziemlich jede Tür offen: Als Erster in der Familie würde er die Matura machen und studieren gehen. Ging alles nach Plan, würde er sie im Sommer 1970 in der Tasche haben. Gut, mittlerweile betrug die Quote der Schweizer Maturanden knapp zehn Prozent (1950: ca. vier Prozent), und dennoch war die Reifeprüfung für ihn, einen Sohn aus der unteren Mittelschicht, ungewöhnlich. Ingenieur könnte er werden. Oder Arzt. Was «Gescheites» halt. Dies machte Franz gelegentlich stolz, einerseits, und gleichzeitig liess das auch irgendwie ein Unbehagen in ihm aufkommen.

Er wollte später nicht in einem Schmelzofen schuften wie sein Vater, 45 Jahre lang, tagein, tagaus. Keinesfalls wollte sich Franz später ins kleinkarierte Schaffhauser Schema einfügen, das seit 30 Jahren vom Patriarchen Walther Bringolf gestaltet wurde. Franz fühlte sich seltsam unbequem. Er wollte die Welt erkunden, mit dem Velo oder sogar mit einer Vespa, nach Paris vielleicht, nach Berlin oder sonst wohin.

Zum Sozialisten bekehrt

Kam dieses Gefühl vom Ausland? Vielleicht. Denn Franz bewunderte die Protestbewegungen in den USA, in Paris, in Berlin, den radikalen «Wiener Aktionismus», die Rolling Stones, Dylan natürlich, und hatte einiges von Marx, Lenin und Trotzki gehört. Irgendwie fühlt er sich als Teil einer grossen, sich im Aufbruch befindenden Gemeinschaft. An der Kantonsschule hatte er schnell einige Gleichgesinnte getroffen, mit denen er eine Schülerorganisation aufbauen wollte. Auch eine Schülerzeitung war bereits in Planung.

Das verlangte schliesslich danach, neue GenossInnen zu rekrutieren, auch wenn das in Schaffhausen nicht ganz einfach war. Umso überraschender für Franz war, dass er eines Tages von Peter, einem Sohn aus mehr als gutbürgerlichem Haus, brav gescheitelt, auf dem Nachhauseweg angesprochen wurde. Er wolle da auch mitmachen, meinte Peter, bei ihrem Sozialismus und so.

Seine Bitte wurde nicht abgelehnt, und Franz stellte Peter seinen KollegInnen von der Schülerorganisation vor. Mit der Zeit fügte sich Peter auch ganz gut ein, fand Franz, bei all seiner Zurückhaltung: Er hörte coole Musik, liess sich die Haare wachsen, redete ab und an über Trotzki, Guevara und kam ganz im Allgemeinen nicht mehr gar so geschniegelt daher. Franz und seine Freunde freuten sich: Ein Junge aus reichem, bürgerlichem Haus, von ihnen eigenhändig bekehrt, das war schon eine Leistung. Was musste das für ein Schock für Peters Eltern sein!

Ein Spitzel im Dienst des Fichenstaates

Noch einmal würde Franz derart überrascht werden wie damals, als er von Peter angesprochen wurde. Das war 20 Jahre später, Ende der 80er-Jahre, nach dem Platzen des Fichenskandals (siehe Seite 36). Als er die über ihn angelegte Fiche bei der Kantonspolizei abholte, stiess er auf allerlei kuriose Einträge über ihn und seine spätere Kommune. Und dann blieb ihm plötzlich die Spucke weg. Unter diesen Daten befanden sich Informationen, Dialogmitschnitte, Fotos, die nur von einer Person stammen konnten: Peter.

Wie sich herausstellte, wurde der vermeintlich bekehrte Mitschüler von der Polizei angestellt, um Franz und seine KollegInnen von der Kantonsschule zu bespitzeln. Kein Wunder, dachte Franz, verschwand der nach der Kanti schnurstracks.

am 1. mai 1977: Den jungen Mann links konnten wir nicht identifizieren. In der zweiten Reihe Eric Stauber, vorne Manfred Bolli, Markus Waldvogel und Alfred Leutert. Unbekannter Fotograf, aus «Info» Juni 1977

Am 28. Juni 1968 ging Franz erstmals auf die Strasse, an eine Demo auf dem Schaffhauser Kirchhofplatz, um mit 400 weiteren Personen auf die Not der Bevölkerung im nigerianischen Teilstaat Biafra aufmerksam zu machen. Die Aktion verlief ganz gesittet, 17'000 Franken wurden gesammelt, so dass sie sogar von den bürgerlichen «SN» goutiert wurde («Auf den Spruchbändern fand man keine tendenziösen Slogans, sondern die einfache Wahrheit: Hunger und Tod in Biafra – wir müssen helfen.»).

Franz setzte sich am Abend noch mit den Organisatoren, zwei Studenten, zusammen, und diskutierte angeregt über die aktuellen Ereignisse in der Welt. Vornehmlich über den Vietnamkrieg, worüber sonst, über «Agent Orange», Entlaubungsmittel, die Napalm-Angriffe. Über die schrecklichen Bilder von hilflosen Kindern, die erstmals durchs Massenmedium Fernsehen um die Welt gingen.
Den Globuskravall verpennt

Am 29. Juni 1968 forderten jugendliche ­DemonstrantInnen in ­Zürich die Einrichtung eines autonomen Jugendzentrums. Die daraus entstandene Auseinandersetzung mit der Polizei ging als Globuskravall in die Geschichte ein.

Es wurde spät, und Franz hatte zwei, drei Gläser Absinth zu viel intus, als er Richtung Kommune in der Krummgasse mäanderte, in der einige Freunde wohnten. Einen Schlüssel, immerhin, brauchte er nicht mühevoll ins Schloss zu manövrieren – die Wohnung war sowieso nie abgeschlossen. Das führte zum einen dazu, dass allerhand obskure Gestalten den Weg in die Kommune fanden, andererseits musste Franz nun nicht auf den Emmersberg zu seinem Elternhaus laufen. Etwas schwummrig im Kopf, aber doch zufrieden, schlief er wenig später auf einer herrenlosen Matratze ein.

Die Sonne stand schon hoch, als Franz aufwachte. Es war Samstag, der 29. Juni 1968, und vor dem Globusprovisorium in Zürich wurden gerade die ersten Flaschen und Steine gegen die Polizisten geworfen. Die wiederum antworteten mit Knüppelhieben, erbarmungslos, wie man es in der Schweiz kaum je gesehen hat. Und auf dem WG-eigenen Plattenspieler lief gerade Dylans Song «With God on our Side».

«Rülpser von der Kanti»

Zusammen mit einigen anderen gründete Franz anfangs 1969 die Schülerzeitung «Gilb». Die eigenständige Zeitung, eigentlich eher eine Flugschrift, war selber beschrieben und kopiert, auf farbiges A4-Papier. Klar, die Mittel waren beschränkt, layouterisch wie redaktionell, aber das kümmerte Franz und seine MitschülerInnen herzlich wenig. Im Gegenteil, die Einleitung des ersten Heftes, fand er, war doch ziemlich gelungen. In kleinen Lettern stellte sich der «Gilb» selbst vor: «ich warne euch: ich bin unberechenbar, kritisch, tendiere nach rechts mit einem leichten linksextremen einschlag und befinde mich meistens in der mitte.»

Der «Gilb» stiess umgehend auf negative Resonanz, insbesondere in den «Schaffhauser Nachrichten». Ein gewisser Herr Dutli, Redaktor, wollte sich nun beim besten Willen nicht für das «infantile« und «absolut ungepflegte» Organ erwärmen. Als «Rülpser von der Kantonsschule» bezeichnete er den «Gilb» gar und bemängelte die falsche Verwendung der Passivkonstruktion. Ebenso die Orthographie: «mangelhaft», «nicht angemessen». Seine Kritik schliesst Dutli mit folgenden Worten: «Dies ist kein Verriss, sondern ein durchaus wohlwollendes Echo auf einen Versuch, dem ich, hätte es mir zum Lehrer gereicht, die Note 3–4 erteilen würde.»

Umgehend verfassten Franz und seine SchreiberkollegInnen eine Antwort an Redaktor Dutli, die am am darauffolgenden Tag in den «SN» publiziert wurde, ungekürzt überdies. «Hiermit üben die ‹jungen Aktivisten› Selbstkritik», heisst es darin, «indem sie allen Lesern unseres ‹Kantirülpsers› folgendes versprechen:

1. Wir werden unsere ungepflegte Aufmachung ab sofort verbessern. Die Verantwortlichen haben ihre Schuld vor der versammelten Gilb-Redaktion eingestanden und um Verzeihung gefleht. Wir haben ihnen Absolution erteilt.
2. Wir schwören hoch und heilig, nie wieder falsche Passivkonstruktionen durchgehen zu lassen. Um unseren guten Willen zu zeigen, haben wir diesen Brief von vier Deutschlehrern korrigieren lassen. [...] Nehmen Sie bitte unseren Dank für Ihr wohlwollendes Echo entgegen. Sie hätten wirklich nicht betonen müssen, dass Ihr Artikel kein Verriss sei, denn auf diese Idee wären wir nun wirklich nicht gekommen.»

Der «Gilb», inklusive der Schülerorganisation, hatte es jedoch schwer mit seinem Vorhaben, aktiv Schulpolitik zu betreiben. Die Beteiligung der anderen KantischülerInnen bei schulpolitischen Fragen blieb relativ gering. So wurde die Zeitung Ende 1970 eingestellt. An seine Stelle trat der «Contitl», ein gemeinsames Projekt von Schülern und Lehrern, doch weder Franz noch seine Mitschreibenden waren von diesem Kompromiss begeistert. Nach nur einer Ausgabe wurde auch der «Contitl» ad acta gelegt. Etwas später wurde wieder eine eigene Zeitung gegründet, der «Bumerang», der erfolgreich über drei Jahre publiziert wurde (bis 1972), bei der Franz mit Hingabe mitschrieb, redigierte, vertrieb.

Kapitalismus ankurbeln im Hotel Bahnhof

Wie viele Lehrlinge und KantonsschülerInnen sass auch Franz mangels eines Jugendhauses oft und lange im «Isebähnli» in der Löwengasse, einem günstigen Selbstbedienungsrestaurant. Oder gleich daneben, auf der Treppe zum Bahnhof hinauf. Und zwar stundenlang vor ein und derselben Cola, um Hausaufgaben zu machen, was doch hie und da vorkam, um zu rauchen, laut Musik zu hören und ab und an einen besonders spiessig aussehenden Passanten blöd anzumachen. Eines Tages aber, am 17. Juni 1971, hatte der grummelige Herr Graf, der Wirt, die Nase voll von diesem revolutionären Trubel und warf Franz und Konsorten aus dem Café – zum Teil mit brachialer Gewalt.

Danach setzten sich Franz und 20 weitere Nasen kurzerhand auf die Terrasse des Hotels «Bahnhof», das auch dem «Isebähnli»-Besitzer gehörte. Sie wollten sich etwas zum Trinken bestellen, den Kapitalismus ankurbeln, doch anstatt der Bedienung erschien prompt die Polizei. Franz, den man als einer der Rädelsführer ausmachte, wurde nach einem kleinen Gerangel auf den Posten gebracht, dicht gefolgt von einer johlenden, langhaarigen Menge.

Sechs Lehrlinge brachten im Juni 1971 diese und weitere Sprayereien in der Stadt an und wurden auf frischer tat ertappt. Das 68er-Magazin «Bumerang» verurteilte die Tat. Bilder © Polizei / Stadtarchiv

«Polizei – Schlägertruppe der Kapitalisten»

Drei Tage nach dem Klamauk im «Isebähnli» und im Hotel «Bahnhof» kam der latent schwelende Generationenkonflikt mit einem Knall ans Mondlicht. In der Nacht auf Sonntag geschah nämlich, was am Montag unter dem Titel «Sechs junge Schmierfinken probten in Schaffhausen den Aufstand» in den «SN» publik gemacht wurde.

Die «Schmierfinken», sechs Lehrlinge im Alter von 17 bis 20 Jahren, hatten in einer Nacht-und-Nebel-Aktion unzählige Gebäude in der Altstadt mit Schlagworten und Slogans vollgesprayt. «Nieder mit der Scheindemokratie (Scheisse)» stand da etwa. Oder «CH=Polizei=Macht=Presse». Dazu klebten die Lehrlinge (erst gegen drei Uhr morgens auf frischer Tat ertappt) zahlreiche Flugblätter an die Mauern der Innenstadt, auf denen der Titel «Polizei – Schlägertruppe der Kapitalisten» und daneben eine Zeichnung von drei Langhaarigen prangte. Weiter stand da: «Wir rentieren nicht» und «Wer lange Haare hat, soll ein Hascher sein».

Wie auch andere KantischülerInnen begegnete Franz der Aktion mit intellektueller Herablassung, gar Verachtung. Die illegale Tat passte Franz überhaupt nicht, er wurde richtiggehend wütend, denn mit jener Kampagne sah er seine Ideale so gut wie durch den Dreck gezogen. Das sahen seine Freunde vom «Bumerang» ähnlich. Der «minimale Bildungsstand» der Verantwortlichen, schrieben Angelo Gnädinger (Präsident der Schülerorganisation) und Kurt Schaad am 27. Juni, verurteile die «Stifte» dazu, nichts als «Sand im Getriebe» zu sein. Franz und seine MitschülerInnen waren nicht bereit, sich komplett und in aller Antiautorität gegen das Establishment zu stemmen. Vielmehr hatten sie sich mit der Gründung der demokratisch gewählten Schülerorganisation als offiziellem Gesprächspartner von Schulleitung und Lehrerschaft bereits ins System eingegliedert.

Das Schicksal der Schaffhauser Jugendbewegung war damit besiegelt, der «Höhepunkt» des unmittelbaren «Widerstands» erreicht. Wegen der verschiedenen Interessen, des Streits um die Form des Protestes und gegenseitigem Misstrauen driftete die Bewegung nach und nach auseinander – wie in den meisten anderen Städten, ob Paris, New York oder Zürich.

Und Franz? Der hatte nun seine Matura im Sack, eine Ehrenrunde hatte es doch noch gegeben. Nun wollte er nach Zürich, Jura studieren. Nicht gerade ein Medizinstudium, hatte sein Vater gesagt, aber doch was «Rechtes». Damit konnte Franz gut leben.

Folgenlos für Schaffhausen blieb «1968» trotzdem nicht, gerade in politischer Hinsicht. Nachdem die «Bumerang»-Redaktoren 1972 nach einem scharfen Artikel gegen die Lehrmethoden eines Physiklehrers von der Schulleitung gezwungen waren, die Zeitung einzustellen, traten sie der SP bei. Später würden sie in der «Gruppe Kommunalpolitik», 1975 von Hans-Jürg Fehr, Angelo Gnädinger, Bernhard Ott, An­dreas Giger u. a. gegründet, noch für Aufsehen sorgen – nicht zuletzt auch dank ihres Monatsblattes «Info» (siehe Seite 33). Damit schufen die jungen SP-Leute ein Gegenstück zur gut organisierten POCH (Progressive Organisationen der Schweiz) Schaffhausen um Daniel Leu, Ulrich Wickli und Silvia Grossenbacher.

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Neuer bauernschlauer Lappi

Der Lappi-Saat ist ausgebracht. Die neue Ausgabe ist in den Kiosken an der Vorstadt, am Löwengässchen und an der Schifflände sowie im Bücherschoch, im Bücherfass, im Lieblings und im Neustadt-Lade erhältlich. Du kannst das Magazin aber auch gleich hier Abonnieren.

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Kommentare

Nein

thomas leuzinger und marlon rusch sagen «Nein».

2016, der Lappi geht ins verflixte siebte Jahr. Trotzdem müssen wir immer wieder feststellen, dass es einige unser Magazin betreffende Missverständnisse gibt, die sich hartnäckig halten. Damit wollen wir hiermit ein für allemal aufräumen:

NEIN, wir sind nicht die AL. Der Lappi startete zwar im Jahr 2009 als Projekt der AL, wird aber seit 2011 von einem eigenständigen, vernünftigen Verein herausgegeben.

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Dum-di-dumm-di-Dumping

Mattias Greuter würde lieber die Regierung dumpen.

Mit der Unternehmenssteuerreform III beugt sich der Bundesrat dem Druck der OECD und macht den Steuerprivilegien für Holding-, Domizil- und gemischte Gesellschaften ein Ende. Die Schweiz darf nicht länger eine Steueroase für sympathische Konzerne wie Glencore (Zug) und Walmart (Schaffhausen) sein. In Schaffhausen zahlen die internationalen Champions der Steueroptimierung nur rund halb so viel wie «normale» Firmen. Und dabei sind andere Steuergeschenke, welche die Wirtschaftsförderung Ansiedlungswilligen auch weiterhin vermitteln wird, noch nicht einmal eingerechnet.

Nach der Unternehmenssteuerreform III wird es in jedem Kanton einen einheitlichen Steuersatz für alle Unternehmensformen geben. Travail Suisse befürchtet, dass sich dadurch der Steuerwettbewerb zwischen den Kantonen noch verschärft. Das ist schon jetzt Tatsache – Jahre, bevor die Reform in Kraft treten soll. Mehrere Kantone kündeten Steuersätze an, die zu den tiefsten Europas gehören. Ganz vorne dabei: Schaffhausen. Sie setzen damit alle anderen Kantone unter Druck, nachzuziehen.

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Satire

Angst vor der Angstmacherei

Experten sprechen von einer neuen Angsterkrankung: Die Timorcampagna-Phobie betrifft immer mehr Menschen, die sich wegen zahlreicher Angstkampagnen kaum mehr aus dem Haus trauen.

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Ein Mythos im Umbau

Vor siebenhundert Jahren kam es zur ersten Schlacht zwischen den Eidgenossen und den Habsburgern. Morgarten hatte lange Zeit, um zum Gründungsmythos zu reifen.

Dieses Jahr feiert Helvetia einiges. 1815 wurden die Grenzen neu gezogen, 1515 blutete die Eidgenossenschaft in Marignano, 1415 eroberte man den Aargau, und 1315 – vor 700 Jahren – fielen zwölf tapfere Schwyzer und Zuger in der Morgartenschlacht. Eine Handvoll Bauern, so die Legende, raffte 2000 Reiter aus dem Hause Habsburg dahin.

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Aufzeichnungen aus dem Kesslerloch

Ein Insider hat dem Lappi einen Mitschnitt der Geheimkonferenz des Komitees gegen die Energiewende zugespielt. Wir haben die Diskussion für dich transkribiert.

Die Elite der bürgerlichen Parteien Schaffhausens hat sich fernab der Öffentlichkeit in die hinterste Ecke des Kesslerlochs verkrochen, denn die Zeiten sind hart. Nichts Geringeres als die Energiewende gilt es zu verhindern. Diese soll am 8. März mit der Abstimmung über erste Massnahmen eingeleitet werden. Dass sie sich in eine kalte Höhle zurückgezogen haben, hat seinen Grund: es soll ein Mahnmal darstellen für die widrigen Lebensumstände, die sie bei der Annahme der Vorlage erwarten würden.

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Under Construction

Diese Website befindet sich noch immer im Aufbau. Es werden stetig neue Artikel und hin und wieder auch neue Funktionen hinzugefügt. Für Vorschläge und Hinweise auf Fehler sind wir dankbar! Bitte senden an .

Musikausgabe Nr. 3 ist da

Musikausgabe 1Die dritte Musikausgabe ist thematisch digital, aber analog zu haben. Wenn Du die Lappi-Ausgaben nicht verpassen willst, löst Du am besten ein Abonnement.

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Lappi-Tweets

Kolumnen

Wenn Vollbananen planen

jürg odermatt ist Musiker, Journalist und Ex-Schaffhauser.

Odi motzt

Wohl kein Zufall: «Verfaulte Geschichten», das Blog zu Schaffhauser Politik, Kultur, Medien und dem ganzen Rest, entstand, während seine Initianten/Betreiber – Chrigi Erne und meinereiner – im Winterthurer Exil lebten. Mit etwas Distanz sieht man die Verstrickungen, Verrenkungen, Verblasenheiten in der «Haamet» immer wäng anders.

Mittlerweile lebe ich seit vier Jahren in Winterthur und komme mir, was Schaffhausen betrifft, langsam vor wie jener Onkel, den man nur an grossen Familienfesten sieht und der dann jeweils findet: Heiei, sind die Kinder aber gewachsen!

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«Fussballbelegschaft» – ist das Euer Ernst?

marcel montanari ist Kantonsrat der Jungfreisinnigen.

Monti optimiert

Geschlechtergerechte Sprache ist ein Anliegen, das sich verschiedene Kreise auf die Fahne geschrieben haben. Auch die SP Schweiz will gemäss ihrem Parteiprogramm (S. 60) für eine geschlechtergerechte Sprache einstehen, welche Frau und Mann gleichermassen erwähnt. Doch warum das Ganze? Das Problem ist hausgemacht! Erst als selbsternannte Feministen-/Innen anfingen, Zweifel zu streuen, wer bei welchen Formulierungen gemeint sei, ging die Verwirrung los.

Vorher war allen klar, dass jede Funktion von weiblichen und/oder männlichen Wesen wahrgenommen werden kann. Dies gilt für alle generischen Begriffe wie Lehrer, Musiker, Künstler etc. Trotzdem konnte das Pseudoproblem heraufstilisiert werden. Sogar die Schweizerische Bundeskanzlei hat nun Angst, dass, wenn nicht permanent Mann und Frau explizit genannt werden, «die Präsenz der Frauen verschleiert» werde. Die Frauen könnten erst sprachlich und schliesslich sozialkognitiv «unsichtbar werden». Deshalb müsse nun die Frau sichtbar gemacht werden.

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