Hintergrund

Ein Blick in die historischen Quellen zeigt: Schon lange bevor es «Schaffhauserland Tourismus» gab, strömten Fremde in unsere Region. Chef-Standortförderer war seit dem Mittelalter der Rheinfall.

Der Heilige Konrad von Konstanz beobachtet zwei Vögel, die ruhelos über dem Rheinfall kreisen – und erkennt in ihnen sündige Seelen, die so für ihre Vergehen büssen müssen. Diese Legende ist die früheste schriftliche Quelle, die den Rheinfall erwähnt, obschon er darin eher eine Nebenrolle spielt – schliesslich geht es um die Vögel. Sichere Belege für Rheinfallbesuche um des Rheinfalls willen gibt es ab dem 15. Jahrhundert; ohne Zweifel waren die Menschen aber auch schon vorher von den tosenden Wassermassen fasziniert. Wie wir im letzten Sommer erfahren durften, gab es aber auch andere Gründe, die Stadt zu besuchen, nämlich um den Ritterspielen beizuwohnen – so berichteten bereits zwei Spanier, die während ihrer Teilnahme am Basler Konzil einen Abstecher nach Schaffhausen machten, ausführlich von diesem Schauspiel.

Beim Erfolgstest mittels Balken und Kurven rasselt das Schaffhauser ­Standortmarketing durch.

Die Schaffhauser Medien versuchen krampfhaft, jede Hundsverlochete als kulturellen Höhenflug zu verkaufen. Unsere Diagnose: akutes Lövaas-Syndrom.

«Im Altersheim Wiesli wurde uns dieser Tage ein seltener Genuss zuteil», heisst es in den «Schaffhauser Nachrichten». «Die bekannte Sängerin Kari Lövaas mit ihrer wunderbaren Stimme war, in Begleitung der Pianistin Elisabeth Ulmer, zu Gast und sang ein Repertoire von Liedern, mit welchem ihre Stimme (auch akustisch) voll Klang zu hören war.» Das «Wiesli» habe in einen Begeisterungssturm eingestimmt.

Echtes Standortmarketing wäre ganz einfach. Der Lappi hat ein paar Vorschläge, die Schaffhausen deutlich attraktiver machen würden.

Das «kleine Paradies» ist Geschichte. Die Kampagne der Wirtschaftsförderung wurde nach sechs Jahren im Zuge des Sparpaketes ESH4 endgültig beerdigt. Das Prestigeprojekt der Generis AG, am Boden. Gut so, finden wir. Mit Hochglanzbeilagen und Sprüchen wie «In Schaffhausen haben Väter mehr Freizeit» in Zürcher Trams lockt man sowieso keine Steuerzahler an.

Die Wirtschaftsförderer Marcus Cajacob und Patrick Schenk erklären, mit welchen Argumenten sie internationale Konzerne nach Schaffhausen bringen und wie sie auch ohne «Paradies»-Kampagne ZuzügerInnen anlocken wollen.

marcus cajacob begann seine Karriere bei der Cilag, ist diplomierter Ingenieur und als Projektleiter der Wirtschaftsförderung für die Ansiedlung von Firmen verantwortlich. patrick schenk hat nach der Matura an der Universität St. Gallen Ökonomie studiert und ist bei der Generis AG mit der Leitung von Regional- und Standortentwicklungsprojekten betraut.

Marcus Cajacob und Patrick Schenk, Sie beide sind Familienväter. Ist Schaffhausen attraktiv genug für Familien?

Schenk: Ja, denn Schaffhausen ist eine Stadt mit vielen Angeboten und von einer attraktiven Landschaft umgeben. Eine grosse Stärke ist der bezahlbare Wohnraum. Die Schulen sind gut, obwohl es sicher Optimierungspotenzial gibt.

Vier offene Briefe zum Budgetreferendum.

Wo gehobelt wird, da fallen Späne. Und wenn nun - wie beim Sparpaket ESH4 - viel gehobelt wird, bilden die Späne bald einmal einen Berg. Man kann vieles richtig machen, aber man kann auch total danebenschiessen. Wie das beim Budgetreferendum herauskommen wird, ist noch nicht klar. Wir haben dennoch einige Handlungsanweisungen formuliert, um den Span-Ausschuss in Grenzen zu halten.