Hintergrund

Auch die Schaffhauser Jugend träumte 1968 von der Revolution. Eine Collage aus Erlebnissen einiger 68er ergeben ein Bild der Zeit durch die Augen von Franz, fiktiver Sohn einer Arbeiter­familie, Dylan-Fan und Schülerzeitungs-Redaktor.

Nun hatte Schaffhausen, was nach Woodstock längst Legende geworden ist: ein eigenes musikfestival, organisiert von der Schülerorganisation der Kantons­schule (Eintritt: sechs Franken). Rund 1500 Fans lockte die Veranstaltung am 27. Juni 1971 auf den Griesbach. Hier im Bild: die Krautrockband Guru Guru. Bilder 1 und 2 © Benno Wermelinger / Stadtarchiv

Schaffhausen ging es blendend. Fast 30 Jahre ununterbrochener Wirtschaftsboom, die «trente glorieuse». Die Fabriken der Georg Fischer im Mühlental und im Ebnat, wo 7000 Menschen, ein Fünftel der Stadtschaffhauser, ihr Geld verdienten, platzten aus allen Nähten. Es war die Zeit des Wirtschaftswunders, zwischen 1945 und 1973, und man glaubte an grenzenloses Wachstum. Alles schien möglich, alles planbar, sogar der Lauf der Welt.

An Kanti und PH arbeiten MusiklehrerInnen, die sich nie bewerben mussten. Jobs für «Lehrbeauftragte» werden an Bekannte oder gar Verwandte vergeben.

An der Pädagogischen Hochschule gibt seit Kurzem der Sohn des Fachbereichsleiters Klavierstunden, obwohl er kein lehr­diplom hat.

Wer an der Kanti und an der Pädagogischen Hochschule Instrumentalunterricht gibt, verdient rund 90 Franken pro Stunde. Damit sind die beiden Institutionen in Schaffhausen die mit Abstand lukrativsten Arbeitgeber für Musiklehrpersonen, die ansonsten trotz langer Ausbildung und guter Qualifikationen oft nur knapp über die Runden kommen.

Im Zuge der 68er-Bewegung merkten junge Schaffhauser ­Frauen bald, dass ihnen nicht nur eine konservative, sondern auch eine patriarchale Haltung den Weg Richtung ­Emanzipierung versperrte.

Nationale demonstration gegen die sexuelle ausbeutung von Frauen am 31. August 1991, hier im Mosergarten. Bilder © Bruno und Eric Bührer / Stadtarchiv

Heute treffen sich Frauen bei einer Freundin zu Hause zu Jeans- oder Tupperparties. Unter der Anleitung einer Vertreterin wird probiert, welche Hose die Kurven am besten kaschiert oder welches Gefäss am besten für die Aufbewahrung schwarzer Oliven geeignet ist.

Die Steuerersenkungen des letzten Jahrzehnts haben sich für den Kanton Schaffhausen nicht gelohnt. Sowohl die ­Entwicklung der Steuereinnahmen als auch die MillionärInnen-­Quote sind im Kantonsvergleich unterdruchschnittlich.

Das Sparpaket ESH4 hat einen ideologischen Graben zwischen links und rechts wieder aufgerissen und ihm zu neuer Aktualität verholfen: Zahlt sich ein tiefer Steuerfuss letztlich aus? Die linken Parteien, und mit ihnen rund 1000 EinwohnerInnen an einer Demo gegen ESH4, sagen Nein: Die Steuersenkungen der letzten Dekade hätten das Finanzloch in der Kantonskasse verursacht. Diese wolle die Regierung nun zu Lasten der Alten, Kranken und Armen sanieren. Die bürgerlichen Parteien und die Regierung halten dagegen, dass attraktive Steuerbedingungen neue EinwohnerInnen und Einnahmen gebracht hätten, und verteidigen die Tiefsteuerpolitik.

Düster, kolossal, dreckig: Das Debüt von MOSA Nature wühlt auf.

«mosa nature ep» ist über ihre Facebookseite erhältlich. Unten findest Du den Track «Mind Games Forever».

Der düstere Groove der Band MOSA Nature nahm mich sofort gefangen. Damals, im Herbst 2012, in ihrem winzigen Übungskeller an der Bachstrasse. Dieser ungemein energiegeladene, manchmal gespenstische, aber immer fein orchestrierte Postrock – das hatte ich noch nie gehört. Schon gar nicht im beschaulichen Schaffhausen.

Heutige, neoliberale Ideale könnten mehr mit den 68ern zu tun haben, als den Linken lieb ist. Christian Koller im Gespräch über Ursachen und Nachwirkungen der Bewegung.

christian koller ist titularprofessor für geschichte der ­neuzeit an der Universität Zürich und Direktor des Schweizerischen Sozialarchivs.

Zwei Weltkriege, der Eiserne Vorhang, die Ermordung von Martin Luther King und der Einsatz von Agent Orange brachten die Leute auf die Strasse. Die Utopie einer sozialistischen Gesellschaft, in welcher das Individuum im Zentrum steht, sollte endlich Realität werden. Das hat ja nicht wirklich geklappt. Christian Koller, wie sehen Sie das?