Magazin «Info»

Magazin «Info»

Das Magazin «Info» wurde 1974 von der Arbeitsgruppe Information gegründet. Es entstand im Zusammenhang mit der 68er-Bewegung und folgte der Tradition der Kantizeitungen «Gilb», «Contitl» und «Bumerang», die ab Ende der 60er Jahre erschienen und ebenfalls von den Schaffhauser 68ern ins Leben gerufen wurden.

Das «Info» erschien von 1974 bis 1977 monatlich und verstand sich als Ergänzung der Schaffhauser Presselandschaft. Viele AutorInnen waren Mitglied der SP, die sie aber als verstockt wahrnahmen, oft kritisierten und von innen heraus zu reformieren versuchten. Zunächst war das «Info» vor allem als Plattform für linke Organisationen gedacht, rasch wurden aber aufwändig recherchierte Artikel der RedaktorInnen immer wichtiger.

Zu den Gründern Bernhard Ott, Georg Freivogel und Angelo Gnädinger gesellten sich immer mehr politisch interessierte AutorInnen und Zeichner. Barbara Ackermann begründete etwa das feministische Gefäss «Die Frau und ihr Arbeitsplatz», und «Rollin’» Erwin Künzi präsentierte in seinen «Rockfacts» Neues und Reportagen aus der lokalen, aber auch der internationalen Rock’n’Roll- Szene. Mangels Fotos entstanden zahlreiche Zeichnungen, Karikaturen und Comics, wobei vor allem die von Thomas Haltmeier unter dem Künstlernamen «Stop M Eggs» geschaffenen Beiträge bis heute ihre Schlagkraft behalten haben.

Publizistisch bestand die grösste Leistung des «Info» aber aus den umfangreichen Reportagen, die meist aus mehreren Texten bestanden und ein aktuelles Thema aus verschiedenen Blickwinkeln, aber immer dezidiert linksprogressiv, beleuchteten. Einige dieser Themenschwerpunkte waren der Abriss des besetzten Pantli, der Kampf um den Erhalt des Jugendhauses, die Schaarenautobahn und immer wieder die Schaffhauser Medienlandschaft. Besonders gegen die Hegemonialstellung der «SN» schrieben die NachwuchsjournalistInnen an und versetzten auch den einen oder anderen Nachtritt in erfreulicher Nähe zur Gürtellinie.

Immer wieder wurden die Artikel des «Info» zum Stadtgespräch und mussten von den anderen Platzmedien aufgegriffen werden. Der wohl grösste Coup gelang mit der Ausgabe «Die Dagoberts in Schaffhausen»: Im Januar 1976, kurz nachdem eine Reichensteuer-Initiative gescheitert war, druckte das «Info» Einkommen und Vermögen von acht der reichsten Bürger ab – dies konnte damals bei der Steuerverwaltung für fünf Franken eingesehen werden.

Alle «Info»-Ausgaben sind im Staatarchiv zu finden. Lappi.ch bietet hier einige Highlights aus den Jahren 1975 und 1976, als die Qualität des «Info» auf dem Höhepunkt stand.

 

 

Beiträge zum Magazin «Info»

  • Parkhaus Herrenacker: Kalkulierte Pleite?

    Heute wollen junge Linke die oberirdischen Parkplätze abschaffen, weil sie durch mehrere Parkhäuser mehr als ersetzt sind. 1976 kritisierte das «Info» das erstmals geplante Herrenacker-Parkhaus als «kalkulierte Pleite» – und forderten dennoch die Aufhebung der Parkfelder auf Platz, Kirchofplatz und Herrenacker.

    In detaillierten Plänen zeigten Werner Bächtold, Rolf von Burg und Bernhard Ott Alternativen – und deren geschätzten Kosten – zur Lösung des gerade beginnenden Parkplatzstreites auf: Mehrere Parkdecks an der Peripherie und eine durchgehende Fussgängerzone in der gesamten Altstadt.

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  • Meinungsmacher an der Vordergasse

    Das Meinungsmonopol der «Schaffhauser Nachrichten» war den AutorInnen des «Info» immer ein Dorn im Auge. Im Juli 1976 veröffentlichten sie deshalb das umfassende Dossier «Meinungsmacher an der Vordergasse. Die «SN» sei seit ihrer Gründung «stramm rechts», «Bock» und «az» könnten den Regionalteil der grossen Tageszeitung nicht konkurrenzieren, und die Autoren der «SN» beinflussten mit ihren Leitartikeln in grossem Mass die politische Meinung und das Abstimmungsverhalten der Schaffhauser Bevölkerung, schrieben Bernhard Ott, Barbara Ackermann und Georg Freivogel.

    «SN»-Chefradaktor Max Rapold durfte in einem Interview zwar zu den Vorwürfen Stellung nehmen, seine Aussagen wurden in einem abschliessenden Kommentar als nur bedingt wahr kritisiert. Die drei AutorInnen äusserten die Ansicht, nur eine starke «az» (damals noch eine Tageszeitung) könnte den «SN» Paroli bieten.

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  • Das Imperium des Herrn Grüninger

    Zwei Monate, nachdem das «Info» mit den «SN» abgerechnete hatte, war der Bock an der Reihe. Georg Freivogel bezeichnete das Gratisblatt als «subversive Wühlmaus» und warf ihm eine Allianz mit der sozialliberalen Partei «Landesring der Unabhängigen» und Scheinunabhängigkeit vor: «So spritzig und verletzend die Angriffe auf Stadt und Kanton, so kriecherisch sind die Lobhudeleien auf die private Wirtschaft». Bernhard Ott kommentierte, der «Bock» mische den Inseratemarkt auf und schreibe mit Vorliebe gegen die SP an.

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  • Die Dagoberts von Schaffhausen

    Im Januar 1976 erhielt das «Info» auf einen Schlag grosse Bekanntheit. Nachdem eine Reichensteuer-Initiative der POCH gescheitert war, beschrieb Georg Freivogel den Einfluss der Schaffhauser Reichen und die schon damals aufklaffende Vermögens- und Einkommensschere. Zum Stadtgespräch wurde das Heft aber aus einem anderen Grund: Die «Info»-MacherInnen hatten bei der Steuerverwaltung Informationen über Vermögen und Einkommen einiger der reichsten Schaffhauser eingeholt (das war damals für einen Fünfliber pro Steuerausweis möglich) und druckten diese ab.

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  • Die Grossväter schlugen zu!

    Als bei der «schaffhauser az» 1975 auf einen Schlag Chefredaktor Hanspeter Gahlinger und zwei Redaktionsmitglieder entlassen wurde, erregte dies schweizweit aufsehen. Die «Info»-Autoren Angelo Gnädinger und Bernhard Ott (heute az-Verlagsleiter, de-facto-Chefredaktor und Verwaltungsratsmitglied) vermissten aber eine Aufarbeitung der Hintergründe der Entlassungen – und lieferten sie gleich selber. Im der Novemberausgabe mit dem Titel «Die Grossväter schlugen zu», schrieben sie, der Verwaltungsrat der Unionstruckerei, welche die Geschicke der Zeitung faktisch in der Hand habe, und vor allem VR-Präsident Ernst Illi hätten die jüngeren, unangenehmen Autorinnen unter dem fadenscheinigen Vorwurf der Inkompetenz fallen lassen.

    Der Artikel ist ergänzt durch zwei Interviews: Eines mit Markus Wüthrich, Mitglied der az-Redaktionskommssion, und eines mit dem entlassenen Chefradaktor Hanspeter Gahlinger. Zum Schluss griffen Ott und Gnädinger noch für je einen Kommentar zur Feder. Die Entscheidungsträger seien alte Herren aus den Reihen der Sozialdemokratie, welche sich vom «Info» – insbesondere vom heutigen az-Chef Bernhard Ott – harsche Kritik gefallen lassen mussten: Er schrieb von einem «Morast von geradezu peinlichen Ausmassen» und bezeichnete UD und az als «Augiasstall». In Karikaturen von Rolf «Floh» Baumann wird die «az» zu Grabe getragen und beerdigt.

    Die «az» wurde später noch mehrmals im «Info» thematisiert (siehe letzte Seite). Im März 1976 äusserte sich Rolf Heller in einem scharfen Kommentar zum Vorwurf, das «Info» konkurrenziere die «az».

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