• Anstossen mit Gott

    Bei der Freikirche ICF kann man die ganze Freizeit verbringen – auch Silvester. Der Lappi war dabei.

    Das ICF wirbt mit klaren Worten für die Silvester-Celebration: «Gemeinsam ins neue Jahr worshippen, einen Input von Leo Bigger zum Jahreswechsel geniessen und sich mit Drinks und Food von der Bar verwöhnen lassen.»

    Der Segen fürs neue Jahr ist nicht ganz gratis, doch 15 Franken Eintritt und fünf Franken pro Bier ist für Zürcher Verhältnisse eher billig. Schnell ist klar, dass allein damit die Celebration in der Maag Music Hall an der Hardbrücke nicht finanziert wird.

    Nach einer halben Stunde verlegenen Herumstehens im Barbereich wird die eigentliche Celebration Hall mit Theaterbestuhlung und Bühne geöffnet und die TeilnehmerInnen strömen zügig und geübt in Richtung Worship und Input. Die Türen schliessen sich wieder. Während des Hauptteils gibt es keinen Zugang zur Bar. Die rockig-poppige Band vom ICF-eigenen Musiklabel spielt ein erstes Set und die Texte werden zum Mitsingen auf drei gigantischen Leinwänden und diversen Flachbildschirmen mehrsprachig eingeblendet. Hunderte sind gekommen, die Tribüne ist voll und auch die Tanzfläche direkt vor der Bühne ist gut besetzt. Alle Generationen sind vertreten, die Meisten sind jedoch unter zwanzig. Um halb zwölf folgt die Message, jedoch nicht von Senior Pastor und ICF-Papst Leo Bigger, sondern von einem jungen Prediger in weissem Anzug ohne Kravatte, dafür mit Turnschuhen – ebenfalls in weiss.

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  • Die Sonne scheint an uns vorbei

    Die Solartechnik verzeichnet ein enormes Wachstum. Die Schweiz verliert den Anschluss: Der Absatzmarkt für Solarmodule ist zu schwach.

    Im Gespräch mit Experten wird schnell klar, dass die Schweiz im zukunftsträchtigen Feld der Solarenergie den Anschluss zu verlieren droht. Pro Kopf ist die produzierte Menge Solarstrom in Deutschland seit 2000 über zwanzigmal mehr gewachsen als in der Schweiz.

    In den 90er Jahren lag unser Land sowohl in der Forschung als auch in der Nutzung von Solarmodulen auf den vordersten Rängen, heute zeigt sich ein anderes Bild. Nur in der Forschung bewegen wir uns noch an der Spitze, doch wichtige Produktionsfirmen gibt es in der Schweiz nur wenige. Diese produzieren zu etwa 90 Prozent für den Export.

    Das Hauptproblem ist der schwache Schweizer Absatzmarkt. Hierzulande sind die Anreize, auf Solarenergie zu setzen, kleiner als in anderen europäischen Ländern.

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  • Düster für die Sonnenenergie

    Mattias Greuter und Till Aders über das Potenzial der Erneuerbare Energien und die Energie­debatte, die sich dennoch fast nur um Endlager und einen AKW-Neubau dreht.

    Unsere Zukunft sieht düster aus: Die Schweiz hat bald keine andere Wahl mehr, als meue Atomkraftwerke zu bauen. Schuld daran sind die verantwortlichen PolitikerInnen, die sich seit Jahren dagegen sperren, griffige Gegenmassnahmen in die Wege zu leiten. Im Vergleich mit Deutschland hinkt die Schweiz deutlich hinterher, was die Förderung alternativer Energien betrifft.

    Wenn sich das nicht ändert, ist es eine Illusion, zu glauben, dass wir unseren Energiebedarf mit erneuerbaren Energien decken können, bevor 2045 mit Leibstadt das letzte Kernkraftwerk vom Netz geht.

    Der grössere Teil der Medien nimmt zwar eine atomkritische Haltung ein, beschränkt sich aber zu oft darauf, die Atomenergie anhand von neuen Forschungsergebnissen und Skandalen anzugreifen oder sie aufgrund der ungelösten Entsorgungsfrage zu verunglimpfen. Das ist zwar wichtig und richtig, doch es fehlt das Interesse an den Alternativen zur veralteten Technologie. Die Schweizer Energiepolitik ist gefangen in der Debatte über neue AKW und Endlagerstandorte.

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  • Lohnband 3 unter null

    Outsourcing heisst das neue Credo der kantonalen Verwaltung. Das bedeutet unterschiedliche Löhne für die gleiche Arbeit.

    Beim Kanton Schaffhausen putzen Putzfrauen zu schlechten und Putzfrauen zu sehr schlechten Löhnen. Jetzt machen die Gewerkschaften mobil. Und in Deutschland fällt das Bundesarbeitsgericht ein bahnbrechendes Urteil. Lohnnachzahlungen in Milliardenhöhe stehen im Raum. Neues von der Tieflohnfront.

    Svetlana L.* reinigt Büros im Schaffhauser Regierungsgebäude. Büros des kantonalen Baudepartements. Lohnklasse 1, Lohnbandminimum: 3261 Franken brutto im Monat, mal 13. Im Jahr 42'393 Franken. Janica S.* reinigt Büros im Verwaltungsgebäude Mühlental. Büros des kantonalen Volkswirtschaftsdepartements. Sie verdient 2580 Franken brutto im Monat, vom 13. Monatslohn erhält Sie nur 75 Prozent. Im Jahr verdient Janica, wenn sie überhaupt 100 Prozent arbeiten kann, 32'895 Franken. 9498 Franken weniger als Svetlana. Das wäre «Lohnband 3 unter Null», wenn es beim Kanton ein solches geben würde.

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  • Nach wenigen Tagen ausgebucht

    Mit der kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV) soll der Photovoltaik-Zubau in der Schweiz gefördert werden. Das System ist noch nicht ausgereift.

    «Der Solarenergie gehört die Zukunft!» klingt nach dem billigen Werbeslogan eines Solarmodul-Produzenten auf Kundenfang. Angesichts der neusten Zahlen des britischen Marktforschungsunternehmens ISM Research, bekommt diese Floskel jetzt aber eine neue Bedeutung: Im vergangenen Jahr wuchs der Photovoltaik-Zubau global um 130 Prozent, was einer Leistung von 17,5 Gigawatt entspricht.

    Laut Prognosen sollen 2011 weitere 20 Gigawatt hinzukommen. Somit entspräche die installierte Gesamtleistung etwa dem, was zehn grosse Atomkraftwerke produzieren. Das sind 58 Gigawatt pro Jahr.

    Eines der führenden Länder in Entwicklung und Nutzung von Photovoltaik ist Deutschland, und das hat seine Gründe: Die Regierung unseres nördlichen Nachbars setzt seit vielen Jahren auf finanzielle Anreize. Das deutsche Stromeinspeisegesetz, das bereits seit 1991 gültig ist, verpflichtet Elektrizitätsversorgungsunternehmen, Strom aus erneuerbaren Energien, der in ihrem Versorgungsgebiet produziert wird, abzunehmen und zu vergüten.

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  • Roter Oktober jagt in der Informationsflut

    Ausgabe 5: Till Aders und Thomas Leuzinger über die Gründung des All-Media-Unternehmens Das Forum und freiwillige Selbstausbeutung.

    Unverbesserlicher Idealismus und ein knappes Dutzend Hobbyjournalisten: chronischer Freizeitmangel. «Ah, das macht Ihr immer noch?» Nicht nur der Rechtsaussen-Scharfmacher und Facebook-Lappi-Freund Michael Dreher rätselte schon nach dem ersten Erscheinen, ob die Zeitung eher nach drei oder schon nach zwei Ausgaben auf der Strecke bleiben werde. Freunde nennen das Blatt liebevoll kleine az oder SignAL-Nachfolger. Noch!

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  • Spagat für den Naturschutz

    Natur- und Umweltschützer geraten sich über die wenigen geeigeneten Standorte für Grosswindkrafwerke in die Haare.

    Im Konzept Windenergie Schweiz des Bundes (BFE, BUWAL und ARE) tritt Schaffhausen nicht als geeigneter Standort für Windkraftanlagen auf. Die nationale Windkarte unterstützt diese Einschätzung und verzeichnet für Schaffhausen durchschnittliche Jahreswindgeschwindigkeiten zwischen 3.5 und 4.5 m/s. Wenige Orte weisen Geschwindigkeiten bis zu 5.5 m/s auf. Generell können Grosswindkraftanlagen erst ab durchschnittlichen Windgeschwindigkeiten von 5 bis 6 m/s wirtschaftlich betrieben werden. Die Verfasser der Windpotentialstudie Kanton Schaffhausen kommen zum Schluss, dass Grosswindanlagen im Kanton wirtschaftlich betrieben werden können. Doch die möglichen Standorte liegen entweder im Wald oder in Gebieten, die im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung (BLN) verzeichnet sind.

    Bei Kleinwindanlagen, wie zum Beispiel bei der in Thayngen (Bild) von Robert Spichiger, ist die Situation weit weniger dramatisch. Diese sind was die Stromproduktion betrifft weniger relevant, dagegen sind die Konflikte mit dem Natur- und Heimatschutz deutlich kleiner. Spichigers Anlage ist in dieser Hinsicht besonders revolutionär: Die Bauweise mit vertikal angeordneten Rotorblättern verursacht praktisch keinen Lärm, produziert schon bei wenig Wind Strom und hat eine verhältnismässig geringe Höhe.

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  • Warten bis die Hoffnung stirbt

    Die zukünftigen SchaffhauserInnen warten und warten. Einbürgerungsgesuche liegen bei den Beamten oft Jahre auf dem Tisch, bevor der Pass ausgehändigt wird. Man gelobt Besserung.

    Einen kleinen Posten im Budget 2011 wünschte sich AL-Kantonsrat und Bürgerrat Florian Keller für das Amt für Justiz und Gemeinden, damit die Einbürgerungen speditiver erledigt werden können. Das Budget für die Besoldung solle um 60'000 Franken erhöht werden. «Zurzeit haben wir im Bürgerrat vermehrt Einbürgerungsgesuche, die bereits zweieinhalb oder drei Jahre alt sind und somit verschleppt wurden», ärgerte er sich an der Debatte zum Staatsvoranschlag 2011. Die Gesuche, die von der Gemeinde über den Kanton zum Bund und wieder zurückgereicht werden, würden vor allem auf dem Hinweg zum Bund auf den kantonalen Bürotischen liegenbleiben. «Ausgerechnet beim Kanton, der in dieser Sache über die kleinsten Kompetenzen verfügt.»

    Der zuständige Regierungsrat Erhard Meister wusste zwar von Engpässen im Amt für Justiz und Gemeinden, allerdings in anderen Bereichen. «Auf den von Florian Keller beschriebenen Zustand bin ich bislang von niemandem aufmerksam gemacht worden». Er könne deshalb auch keine Stellung beziehen, aber «wir werden hier über die Bücher gehen müssen und das auch tun». Der Antrag hatte aber keine Chance und wurde mit 36 zu 12 Stimmen abgelehnt.Die Kantonsratsdebatte fand im November statt.

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  • «Noch brauchen wir Atomstrom»

    Regierungsrat und Axpo-Verwaltungsrat Reto Dubach verteidigt die Atomenergie als Übergangsenergie. Es gebe noch zu wenig erneuerbare Energie und die Wirtschaft sei auf den billigen Atomstrom angewiesen.

    Herr Dubach, die Zeit wird knapp. Bald müssen Sie eine Vorlage zum Postulat von SP-Kantonsrat Wetter dem Rat präsentieren. Darin wird der Regierungsrat aufgefordert, Massnahmen zur flächendeckenden Grundversorgung mit Strom aus erneuerbaren Energien bis 2040 zu erarbeiten – auch hier wird die Zeit knapp. Wie sieht der Strommix 2040 Ihrer Meinung nach aus?

    Reto Dubach: Sicher anders als heute. Wir wollen und müssen den Anteil der erneuerbaren Energien erhöhen. Ob es uns gelingen wird, bis 2040 unseren ganzen Strombedarf über erneuerbare Energien zu decken, das werden die Abklärungen zeigen, die der Kanton momentan durchführt.

    War das Postulat der Auslöser, dass diese Abklärungen durchgeführt wurden?

    Das ist so. Wobei: Die Regierung hat sich ja nicht gegen das Postulat ausgesprochen. Wir meinen, dass der Ausstieg aus der Kernenergie in den nächsten Jahren oder Jahrzehnten – wenn möglich – erfolgen soll. Es bestehen aber verschiedene Unsicherheiten, was den Kernenergieausstieg betrifft.

    Die wären?

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  • «Zivilisierte Marktwirtschaft»

    Auslese

    Peter Ulrich erhielt 1987 als erster Professor für Wirtschaftsethik im deutschsprachigen Raum den Auftrag, über den Tellerrand der Ökonomie hinauszublicken. Ulrich ist kein radikaler Systemkritiker, aber er betont die gesellschaftlichen Aspekte des Liberalismus – der dominierenden Denkweise der ökonomischen Zunft.

    Der Liberalismus trägt die Freiheit im Namen. Der ökonomische Mainstream meint damit die Freiheit des Marktes. Die ermögliche aber lediglich die ungestörte Ausübung der Marktmacht der Besitzenden. Das hält Ulrich für undemokratisch. In einer Marktwirtschaft, die auch eine Demokratie ist, müsse die Wirtschaftsfreiheit wie andere Freiheitsrechte so ausgestaltet sein, dass sie allen zugute komme, denn «freie Bürger kommen vor dem freien Markt». Zwar solle die Politik Rahmenbedingungen setzen, in denen ein möglichst effizientes Wirtschaften möglich ist.

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