• «Wir sind für Medienvielfalt»

    Norbert Neininger, der Verleger der «Schaffhauser Nachrichten», sieht sich mit Tele Blocher in einer Vorreiterrolle und hält die «Weltwoche» für eine gute Alternative «zur leider oft grassierenden Einheitsberichterstattung». Das gescheiterte Lappi-Streitgespräch mit Neininger und Bernhard Ott, dem Verleger der «schaffhauser az».


    Betreff: Fragen für den «Lappi»

    Von: Lappi tue d’Augen uf <>
    Datum: 14.08.2011 12:29
    An: Norbert Neininger <>

    Sehr geehrter Herr Neininger

    Wir bedauern sehr, dass Sie uns nun schon zum zweiten Mal über Ihre Sekretärin kurzfristig ausrichten liessen, dass Sie den Interview-Termin für das Streitgespräch, den wir mit az-Verleger Bernhard Ott und Ihnen lange vorher vereinbart hatten, nicht wahrnehmen konnten.
    Wir schicken Ihnen nun einige der Fragen zu und bitten Sie, uns diese bis (...)

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  • Der Eskimo im Sommerloch

    Ausgabe 7: Susi Stühlinger über sinnvolle Debatten und herbeifantasierte Ereignisse.

    Erst war der Sommer kalt, dann war er heiss, und langweilig war er immer. Im Sommerloch machten wir uns Gedanken über die Leitmedien, die wir fleissig konsumierten und die Leitmedien machten sich Gedanken über das Übliche: Messerstecherinnen, Flugzeugabstürze, Erich Schlatter.

    Trotz unserem sehr gelungenen Migrations-Lappi vom Mai blieb die Schweiz so fremdenfeindlich wie zuvor. Nur dank den zwei Plakatanstreichern vom Staatsdienst hegen wir noch ein Fünklein Hoffnung auf bessere Zeiten. Die Helden der Stunde waren dann auch gut in Redaktions- und Leserbriefspalten vertreten, die Debatte war ins Rollen gebracht. Ob wir Ähnliches mit dieser Lappi-Ausgabe schaffen, sei dahingestellt – zu bereden gäbe es einiges, auch in Bezug auf die Schaffhauser Medienlandschaft. Ach, und dann war da noch das mit dem Eskimo.

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  • Die Informationsverwalter

    Thomas Leuzinger über ein Monopol, das nicht nur wirtschaftlich, sondern auch inhaltlich wenig Platz für Experimente lässt. Statt kreativen Journalismus zu fördern, wird – auch hier in Schaffhausen – lediglich der Informationsfluss verwaltet. 

    Wir befinden uns im Jahre 2011 n. Chr. Ganz Helvetien ist von mächtigen Medienhäusern besetzt... Ganz Helvetien? Nein! Ein von unbeugsamen Zwiebelfressern bevölkertes Dorf hört nicht auf, den Eindringlingen Widerstand zu leisten. Und das Leben ist nicht leicht für die medialen Legionäre, die als Besatzung in den befestigten Lagern Tamedia, Ringier, NZZ und AZ-Medien liegen...

    Schaffhausen hat unabhängige Pressehäuser und vordergründig eine erstaunliche Pressevielfalt, um die wir in manchem Kanton beneidet werden. Zehn Publikationen kämpften bis vor kurzem noch um die Gunst der LeserInnen. «Konkurrenz» ist in unserm Kanton allerdings trotzdem eine Floskel, der sich Medienunternehmer nur bedienen, wenn sie von ihrer Monopolstellung ablenken möchten. Selbst der einzige ernsthafte Konkurrenzkampf in den vergangenen zehn Jahren - nämlich derjenige ums Klettgau zwischen der «Klettgauer Zeitung» der Druckerei Hallau AG und der «Schaffhauser Landzeitung» von der Stamm und Co. Druckerei - hat mit der Übernahme des «Klettgauer» durch die «Schaffhauser Nachrichten» ein Ende gefunden. Gerüchteweise soll der «Klettgauer» in einem Jahr bereits in die «SN» integriert werden. Nun heisst es verwalten und erhalten – das ist der einzige Punkt, in dem sich die Schaffhauser Presselandschaft deutlich von anderen Regionen abhebt.

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  • Die Web-Wüste

    Die Schaffhauser Online-Angebote taugen nichts. Sie sind entweder nur für Abonnenten, wenig umfassend oder schlicht inexistent.

    Der erste Blick auf die «SN»-Onlineausgabe ist eher abschreckend. Sie ist langweilig und lieblos gestaltet. Ein interessierter Besucher des Webauftritts kann sich kein Bild über den Inhalt der «SN» machen, weil nur ein einziger Artikel frei zu lesen ist, aber alle anderen Beiträge für «Unbefugte» gesperrt sind. Nur die AbonnentInnen können sich einloggen – und erwarten dann eigentlich mehr, als sie in der Printausgabe schon gelesen haben. Aber Fehlanzeige.

    Nicht einmal die rudimentärsten Regeln eines Onlineauftritts werden eingehalten, es gibt keine Links zu weiterführenden Informationen, keine Bildstrecke oder Dossiers, weder Videos noch Infografiken, nicht einmal eine Kommentarfunktion für die LeserInnen.

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  • Nach den Piraten kam Rasa

    Turbulent verliefen die ersten Wochen von Radio Rasa. Dank dem Engagement von vielen Freiwilligen gibt es den einzigen unabhängigen Schaffhauser Radiosender heute noch.

    Wenn die Polizei kam, spielten sie ein Liebespaar. Oder sie fanden den Schlüssel für den Kofferraum nicht. Darin verstaut war die kleine Sendeanlage, mit der sie ihren Privatsender betrieben. Vom Schaaren oder vom Reiat aus sendeten sie über jene Frequenzen, die dazumal vom Militär benutzt wurden. Die Polizei war deswegen darauf erpicht, den illegalen Piratensendern die Antennen zu stutzen. Das war in den 70er und 80er Jahren.

    Erst Anfang der 90er Jahre wurden diese Frequenzen für private Radiosender frei. In Schaffhausen interessierten sich mehrere Gruppen für die einzige freiwerdende Frequenz. Darunter vier Leute, die den Beginn von Radio Rasa einläuteten, dem unabhängigen Radiosender im Kanton Schaffhausen.

    Jaqueline Brauchli, Nik Brauchli, Manuela Bührer und Manfred Müller gründeten den Verein zur Förderung eines freien Radios (FRAS) und organisierten im November 1993 einen einmonatigen Sendungsbetrieb auf Probe. Die Bewilligung für den Probebetrieb erhielten sie, nachdem sie auf der Strasse Unterschriften dafür gesammelt hatten. Die Antenne wurde damals auf dem Schwesternhaus an der Spital­strasse in­stalliert, wo sie noch heute steht. Das Studio befand sich im Jugendhaus an der Webergasse (siehe Bild mit Manuela Bührer).

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  • Vereinzelt drehen sie durch

    Schaffhausen. Ein kleines Paradies des Sterbens.

    Es hätte ein Sommer der Liebe werden können in der schönen Haamet. Die Vögelein tirilierend, die Rehlein über die saftigen Buntwiesen galoppierend, die Kinderlein mit den Forellen um die Wette schwimmend – Schaffhausen, un rève d'été, eine Ode ans Leben.

    Doch dann kamen der Regen und die schlechten Nachrichten: «OBERHALLAU SH - Konrad S. donnerte gestern mit seinem Kleinflugzeug wohl gezielt in sein Elternhaus in Oberhallau SH» («Blick», 17. Juli); «In Schaffhausen fielen am Samstagnachmittag in einem Haus mehrere Schüsse» («20min», 23. Juli); «Ein Familiendrama hat im schaffhausischen Beringen einen Toten gefordert: die 21-jährige A. S.* erstach ihren Vater» («Tagesanzeiger», 26. Juli). Statt Rheintouristen kamen Journalisten, denn spätestens nach dem Massaker von Utöya roch es endgültig nach Tod und Zerstörung.

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  • Wurst und Bier, Original Braun

    Was passiert, wenn urbane junge Leute am 1. August das Volkstümliche suchen? – Eine Nachlese, drei Steinwürfe später.

    Für die aufgeklärte Schweizerin und den aufgeklärten Schweizer, die mit dem Willhelm-Tell-Mythos, dem ganzen Pathos um den Rütlischwur und dem immergleichen Floskelgedresche übereifriger Politiker nichts anfangen können, stellt der 1. August Jahr für Jahr ein kleines Problemchen dar. Was tun am Nationalfeiertag?

    Die Festlichkeiten einfach ignorieren? Schon zwei Wochen im Voraus beim Chinesen um die Ecke reservieren, Nudelsuppe schlürfen und Go spielen, bis der Zeiger die 12 passiert hat? Oder sich halt trotzdem unters Volk mischen? Wurst und Bier schmecken auch am 1. August. Man muss ja nicht zuhören.

    Der Lappi ging in die Offensive und hat sich den Nationalfeiertag zum Anlass genommen, einmal der «modernen Folklore» auf den Grund zu gehen.

    Gibt es das Folkloristische überhaupt noch, wie wir es von den Geschichten von Heidi und dem Geissenpeter her kannten, oder hat tatsächlich eine Francine Jordi die Deutungshoheit über das Thema erlangt? Gibt es noch Orte, an denen sich die Menschen der Zukunft verweigern und leben wollen wie ihre Urväter? Und was geschieht an diesen Orten mit iPhone-schwingenden Städtern, die kaum mit den örtlichen Bräuchen vertraut sind? Werden sie freudig aufgenommen, oder ernten sie bloss böse Blicke, Hohn und Spott? Das Lappi-Team machte sich auf, Richtung Albis-Passhöhe, dem Ort, an dem heuer der vierzigste und zugleich letzte Albisschwinget stattfand.

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  • Zwei Seelen in einer Brust

    AL-Kantonsrat Matthias Frick über die Streitereien unter den Freisinnigen.

    «Als Kantonsrat – oder besser als allgemein am Polittheater beteiligter und interessierter Zeitgenosse – bekommt man derzeit einiges an Programm geboten. Mit der Keule werden die jungfreisinnigen Krokodile von den Kasperlis der Altgeneration geschlagen (bildlich gesprochen) wenn sie in ihrem Übermut mal wieder nicht nur nach der Linken, sondern auch nach Leuten aus den eigenen Reihen schnappen.

    So geschehen in der letzten Kantonsratssitzung: In dieser Sitzung wollten die Jungsinnfreien die überholte staatliche Institution namens Pädagogische Hochschule (PHSH) abschaffen, weil diese mehr kostet als sie Einnahmen generiert.

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  • «Mainstream ist in Meier-Besitz»

    «az»-Verleger Bernhard Ott spricht mit dem Lappi über die Monopolstellung des Meier-Verlags und die Zukunftsaussichten seiner Zeitung.

    Bernhard Ott, die grossen Verlagshäuser der Schweiz haben ihre Gebiete konsolidiert und ihre Monopole gestärkt. Besteht jetzt die Gefahr, dass die Schaffhauser Medien die nächsten Opfer der Konsolidierung werden?

    Bernhard Ott: Das hängt von der Zukunft der Region ab und ob Schaffhausen als eigenständiger Kanton bestehen kann. Wenn grössere Gebilde, wie beispielsweise ein Kanton Nordostschweiz, entstünde oder unser Kanton als Bezirk in den Kanton Zürich «eingemeindet» würde, gäbe es weniger Geld für Inserate, nicht zuletzt für amtliche Anzeigen, die für uns sehr wichtig sind. Dann würde es sehr schwierig werden, aber nicht nur für uns, sondern auch für die «Schaffhauser Nachrichten».

    Wieso konnten sich so viele Schaffhauser Titel bis heute behaupten?

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  • «The Psychopath Test»

    Auslese

    In seinem ersten Buch «Radikal» (Rezension in Lappi 2/2010) war Jon Ronson auf der Spur der grossen Verschwörung. Doch diese Spur führte ihn vor allem zu Leuten, die glauben, die grosse Verschwörung enttarnt zu haben. In seinem neusten Werk ist Ronson nicht einer organisierten, sondern einer biologischen Verschwörung auf der Spur.

    Er geht der These nach, dass sich unter Führungspersonen ein überdurchschnittlicher Anteil an Psychopathen befindet. Allerdings ist der Aufhänger wie in «Radikal» ein Versprechen, das nur am Rande eingelöst wird. Im grössten Teil des Buches geht es darum, wie sich die Diagnose und Behandlung psychischer Störungen verändert hat und wie Bruchstücke der psychologischen Forschung, wie der titelgebende Psychopathen-Test, zu Werkzeugen der Strafverfolgung wurden.

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