• 3 ... 2 ... 1 ... Subito

    Federnhut: Es ist Freitag der 13. und ich spiele Lotto. Am Stammtisch sitzen drei karierte Hemden und ein Vollbart. In der Ecke noch zwei mal zwei RentnerInnen.

    Dort, wo sonst das Körbchen mit Aromat und Maggi steht, steht ein Plastikdings mit verschiedenen Zetteln, zwei Kugelschreibern und einer Lesebrille. Die zwei Bildschirme an der rustikalen Holztäferwand preisen Subito, das Fünf-Minuten-Lotto, an. Gewinne bis zu 250'000 Franken alle fünf Minuten.

    Karierte und Bart reden über digitale Bildbearbeitung. Für ein Investitionsvolumen von zwei Franken bekomme ich von einer der zwei mutmasslichen Schwestern hinter dem Tresen eine Quittung mit Zahlen drauf. 3... 2... 1.... Subito.

    Karierte und Bart reden über Bärlauch. Der Subito-Live-Lotto-Ticker beschert mir vier Richtige. Oha. Die eine der mutmasslichen Schwestern zahlt mir acht Franken aus. Das ging flott. Befeuert vom durchschlagenden Erfolg fülle ich noch einen Subito-Zettel aus.

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  • Brenner und der böse Wolf

    Filmverführung

    «Jetzt ist schon wieder was passiert …» So beginnen die bisherigen drei Filme um den abgehalfterten Ex-Polizisten Brenner auf der Reise ins Herz der Finsternis. Die Vorlagen dazu liefert der österreichische Autor Wolf Haas mit seinen Brenner-­Romanen. Und die spielen in einer ganz eigenen Liga, angefüllt mit zynischem Wortwitz, skurillen Charakteren und mit diesem ganz speziellen, leicht depressiven, österreichischen Flair.

    Hinter den Filmen steht das famose Dreigestirn aus Autor Haas, Regisseur Wolfgang Murnberger und Hauptdarsteller Josef Hader, der Brenner verkörpert, als wäre das seine Berufung.

    Verhältnismässig harmlos beginnt die Reihe mit «Komm, süsser Tod» (2000), einer tiefschwarzen Farce um den Konkurrenzkampf zweier Wiener Rettungssanitäter-Gesellschaften. Schnell nimmt der bitterböse Humor groteske Züge an und wir lernen, was es mit Friedhofsblond und Spenderleber auf sich hat. Mord und Totschlag lassen nicht lange auf sich warten...

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  • Die Après-Ski-Nation

    Am Besuch eines Skirennens kommt man in der Schweiz einfach nicht vorbei, hat sich der «Lappi» gesagt und sich anfangs Jahr frühmorgens auf den Weg nach Adelboden gemacht.

    Es gibt Dinge, die muss man einfach mal gemacht haben, wenn man zwischen Bodensee und Lago di Lugano wohnt. Dazu gehören etwa der Besuch eines Schwingfests und eines Heidi-Musicals sowie das Posieren mit einer Schönheitskönigin am Genfer Autosalon. Aber auch ein richtiges Weltcuprennen sollte nicht fehlen, immerhin sind wir eine Skination. Doch das Mühsal fängt bereits beim Aufstehen an. Kurz nach fünf Uhr in der Früh torkelt die Lappi-Delegation schlaftrunken auf den Zug, vorbei an den letzten Aufrechten der vergangenen Partynacht, die noch immer nicht nach Hause gehen wollen.

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  • Ein «richtiger» Wurstsalat

    Ab und zu muss er einfach auf den Teller: Der Wurstsalat. Ist man zu faul, um ihn selbst anzurichten, so stellt sich die Frage: Wohin? Wurst ist schliesslich nicht Wurst. In der Kammgarn-Beiz ist der Wurstsalat beliebt und bekannt für seine vielfältige Auswahl an Wurstsorten, aber es könnte ja auch mal was anderes sein, oder eben: einfach und währschaft. Mit «währschaft» als Motto und «Wirtschaft» im Sinn bietet sich das Restaurant zum Gennersbrunnerhof an.

    Mit dem Rad sowie zu Fuss gut und schnell erreichbar, bietet der Weiler Gennersbrunn ein paar Bauernhöfe, ein, zwei Brunnen und eben diese gemütliche Beiz mit Garten. Platz findet sich meistens an einem der urchigen, klobigen Holztische und die Vesperkarte ist rasch zur Hand. Der Wurstsalat ist gut und fair im Preis, bei Sonderwünschen muss man sich allerdings auf Diskussionen einstellen: Besucher: «Hat der Wurst-Käsesalat Emmentaler drin?», Bedienung: «Ou, der ist halt schon fertig gemixt».

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  • Eine Hommage an die Beiz

    Florian Keller begründet,  warum man die ­diversen Stammtische in der ­Schaffhauser Beizenlandschaft ­- seit jeher soziale Treffpunkte - einmal genauer unter die Lupe nehmen sollte.

    Nicht wenige glauben, dass die Familie die gesellschaftliche Urzelle darstellt. Aus ihr müsse alles wachsen, was blühen soll im Staate. Das stimmt so nicht. Es ist die Beiz, die derartiges leistet.

    Was macht eine Beiz aus? Aus dem Gedächtnis und sinngemäss zitiert nach J. R. Möhringer (Tender Bar): Eine subtile Mischung aus Licht, Ausgelassenheit, Zuneigung, Streit, Liebe, Rausch und – vielleicht am wichtigsten – Grosszügigkeit.

    Man geht hin, wenn man durstig ist – und auch, wenn man nicht durstig ist. Man geht hin, wenn man Leute treffen will – und auch, wenn man allein sein will. Man geht hin, wenn man Freude teilen will, wenn man Trost sucht oder Streit anzetteln will. Man geht nach der Arbeit, über Mittag, am Samstag Morgen und am Sonntag Nachmittag. Und man geht natürlich in der Nacht. In die Beiz geht man immer und jederzeit – oder man geht nicht.

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  • Gute Titel sind nicht gratis

    Ausgabe 9: Thomas Leuzinger und Marlon Rusch über den viralen Widerstand und das Bärentöten.

    Schaffhausen, 2012. Ein anonymer Freiheitskämpfer kämpft mittels Facebook und Twitter gegen die komplette Medienkontrolle. Er, der sich als Gegengift zum Verleger der «Schaffhauser Nachrichten» sieht und dem wachsenden Unmut gegenüber dem Titel des Meier-Verlags ein Ventil geben will, ist die neue Maske des Widerstandes: Jarbert Janinger. J wie Jihad, der lokale Bruder von V wie Vendetta.

    Der Widerstand stösst auf Resonanz: Bereits über 100 Facebook-Freunde auf Twitter zählt Jarbert. Auch wenn die Schaffhauser Politiker Ursula Hafner (SP), Christian Heydecker (FDP) und Martin Egger (FDP) die Freundschaft aufgekündigt haben, nachdem die Medien – auch die SN selbst – nachfragten, weshalb sie mit dem ominösen Rädelsführer des viralen Widerstandes befreundet waren.

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  • In Tieren, Pflanzen und im Gelände

    Wie heissen unsere Beizen? Wo entlehnen sie ihre Namen und gibt es eindeutige Tendenzen bei der Namenswahl? Der Lappi hat Statistik gemacht.

    Lassen Sie es mich vorwegnehmen. Im grossen «Lappi»-Beizennamen-Ranking haben die Tiere gewonnen. Allen voran die Adler. Deren gibt es nämlich vier im ganzen Kanton. Gefolgt werden sie von drei Hirschen, drei Schafen, drei Löwen, zwei Ochsen und zwei Fischen. Insgesamt sind es sechs Vögel, zehn Säugetiere und, wie gesagt, zwei Fische. «Zehn Säugetiere?» werden Sie sagen, Sie zählen nur acht. Nun, das hat mit der Methodik zu tun.

    Wegen der Methodik zählen auch die Beizen Rossberghof und Chuestall zu den Tieren. Es ist schwierig mit der Methodik, das fängt schon bei der Kategorisierung an. Den Rossberghof könnte man auch der Kategorie Alpines (Berge, Steine) oder der Kategorie Ortsbezeichnung zuordnen. Ortsbezeichnungen gibt es in Beizennamen auch wahnsinnig viele. Genaugenommen mehr als Tiere.

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  • Most und Biberli

    Landgasthof «Frieden» in Hemmental. Vor dem Eingang sitzen am Tisch drei Männer und trinken Bier.

    Mann 1: No schö am Fiirobed es Pier go trinke – und scho nes Gool!

    Frau tritt auf.

    Frau: De Herbert heig siebe Harräss devo gsoffe und nume zwei Gool gha.

    Mann 1: Geschter hät er aber nid siebe Harräss trunke. Hejo – es sind nid viel Lüüt mitem verruckt, wenn er mal es Rüüschli hät.

    Junge Frau tritt auf und bringt dem Mann 2 einen sauren Most.

    Mann 2: Do hätts denn no öpper, wo nüüt hät!

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  • Schwere Zeiten für Beizen

    Die Anzahl Beizen nimmt im Kanton Schaffhausen ab. Unter anderem wegen des Nicht­raucherschutzgesetzes. An der Peripherie der Stadt und auf dem Land tun sich BeizerInnen schwer.

    Im Vorfeld der Einführung des Rauchverbots vor zwei Jahren prophezeiten viele WirtInnen ein schweizweites Beizensterben. Dieses ist bisher nicht eingetreten, die Anzahl Gastronomiebetriebe ist insgesamt stabil oder wächst sogar leicht. In Schaffhausen hingegen gibt es jedes Jahr weniger Beizen.  Dieser Trend ist nicht allein dem Nichtraucherschutz-Gesetz zuzuschreiben,  doch es ist eindeutig einer der Faktoren, die das Beizensterben fördern.

    Max Reiner, Präsident des Verbands Gastro Schaffhausen, weiss von mehreren Lokalen, die aufgrund des Rauchverbots schliessen mussten. Eine Umfrage, die er bei Wirten im Kanton durchführte, zeigt: Knapp die Hälfte der Betriebe gab an, das neue Gesetz habe ihren Umsatz negativ beeinflusst, einige davon mussten Personal entlassen. Ein Wirt, der seine Quartierbeiz in ein Nichtraucherlokal umwandeln musste, schrieb in der Beantwortung der Umfrage: «Wenn alle diese Befürworter des neuen Gesetzes bei uns zum Essen kämen, müssten wir Gopferdeckel ohne Feiertage arbeiten!»

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  • So alt wie die Stadt

    Wo die erste Beiz in Schaffhausen eröffnet wurde, lässt sich heute nicht mehr feststellen. Die älteste überlieferte Beiz aber ist bekannt: Es ist das Karst am Platz.

    Die Beizenkultur in Schaffhausen ist so alt wie die Stadt selbst: Bereits im Mittelalter werden mehrere Lokale namentlich erwähnt. Am Rhein, in unmittelbarer Nähe der Schifflände, gab es den ­«Raben» oder «Rappen», eine Hafenkneipe, die in den Rechnungsbüchern der Stadt ­bereits 1411 auftaucht.

    Ebenfalls aus dem Mittelalter belegt sind der «Bock» und das «Schwert» an der Schwertstrasse, der ­«Schlüssel» in der Unterstadt und das «Reff» an der Repfergasse. Der genaue Standort des «Reff» ist unbekannt, wahrscheinlich ­wurde es später zu «Karst» umbenannt.

    Damit ist das «Karst» (Bild, um 1900) möglicherweise die älteste, noch existierende Beiz der Stadt.

    Doch aus dem ersten Güterbeschrieb des Klosters zu Allerheiligen wissen wir, dass es bereits im Jahr 1150 Beizen gab: Das Kloster erhielt Abgaben von neun Bierschenken und zwei Weintavernen.

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  • Spatzengesang und Tarzanschrei

    Zum Glück braucht es keine Zähne im Mund, um ein Bier durch den Schlund zu schleusen. Und nichts anderes wird von einem erwartet, am Samstagnachmittag im Bernerstübli.

    Kurz nach Mittag ist die Stimmung im Traditionslokal am Löwengässchen bereits aufgeräumt bis heiter. Unbekannte Gäste werden warm und herzlich empfangen, mit Umarmung. Schnell werden Stühle freigeräumt im proppenvollen Beizli, wir werden von Stammgästen platziert und in die alkoholschwangere Atmosphäre des Bernerstübli integriert.

    An unserem Tisch strahlen zwei Mittvierziger wie Maikäfer. Sie kommen aus Stammheim und gehen jeweils am Samstagnachmittag «e chli go süffle», ab und zu. Hinter uns am Runden führt uns der inoffizielle Beizenkönig seinen Urwaldschrei vor. Er ist beeindruckend.

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  • Wo König Fussball regiert

    Fussball und Kneipen sind in Deutschland unzertrennlich.  In Schaffhausen gibt es auch Beizen, in denen Fussball gross geschrieben wird: Zum Beispiel das Centro Andaluz und die  Colonia Libera.

    Italien, Weltmeister 2006. Spanien, Europameister 2008, Weltmeister 2010. Brasilien? Argentinien? Nichts da. Die Südeuropäer dominieren das Spiel mit dem runden Leder. Wer sich die Spiele in Schaffhausen in authentischer Atmosphäre anschauen möchte, der sollte das Centro Andaluz oder die Colonia Libera besuchen.

    «Goooaal! Goal, Goal, Goal, Barcelonaaa!» Der Kommentator des spanischen Fernsehens flippt aus, als Dani Alves, der brasilianische Aussenverteidiger der Katalanen, die Kugel nach einem Freistoss von der Seite volley in die entfernte obere Torecke drischt.

    Während die Barcelona-Fans jubeln, haut ein Anhänger von Real Madrid mit der Faust auf den Bartresen. Andere lassen spanische Schimpftiraden los. Der Erzfeind führt zwei zu null. Und das in diesem Match, dem Spiel aller Spiele, FC Barcelona gegen Real Madrid, «el clásico».

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  • «Das Amt gefällt mir nach wie vor»

    Ratlosigkeit bei Stadtrat Urs Hunziker (FDP): Nach der erneuten Ablehnung der Schul­leitungen steht er vor einem Scherbenhaufen – Patentlösungen gibt es keine.

    Herr Hunziker, nach dem kantonalen Nein zu den Schulleitungen stehen wir vor einem Scherbenhaufen. Die Schulleitungen wären für viele Projekte wie integrative Schulformen oder die gegliederte Sekundarstufe I die Voraussetzung gewesen.

    Urs Hunziker: Ich würde es nicht als Scherbenhaufen bezeichnen. Aber es ist schon sehr ärgerlich. Wenn wir die Schulleitungen hätten einführen können, dann gäbe es sehr viel weniger Probleme.

    Erneut sind die Schulleitungen mit einem eher knappen Resultat gescheitert. Bei der letzten Abstimmung – 2008 in der Stadt Schaffhausen – waren es auch Mitglieder aus Ihrer Partei, die sich gegen die Schulleitungen stellten. Konnten Sie die eigenen Mitglieder nicht überzeugen, wie wichtig Schulleitungen sind?

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