• Alles gute kommt von oben

    Historique

    Als ich heute Morgen das Büro betrat, waren die ersten Worte meiner Arbeitskollegin: «Was für ein beschissener Tag!» In solchen Momenten hilft es, Historiker zu sein, denn innerhalb unseres Berufsstandes weiss man: Wirklich beschissene Tage gibt es nicht. Das hat nicht unbedingt mit dem arbeitsangebotbedingten Zweckoptimismus eines Historikers zu tun. Nein, oft hilft ein Blick in die Vergangenheit, und schon sieht die Gegenwart viel besser aus.

    Um das noch etwas genauer auszuführen, nehmen wir doch einmal den Begriff des «beschissenen Tages» etwas genauer unter die Lupe. Dazu reisen wir etwa 600 Jahre in die Vergangenheit und betrachten Schaffhausen um 1400 nach Christus. Zu dieser Zeit war unsere Stadt nicht unbedingt ein einladendes Plätzchen. Überall auf den Strassen lag Unrat herum, und es stank förmlich zum Himmel. Das ist auch kein Wunder, denn Abfallbeseitigung oder Kanalisation waren dazumal noch niemandem ein Begriff. So erstaunt es auch nicht, dass die StadtbewohnerInnen in der Regel den Inhalt ihrer Nachttöpfe ganz unbeschwert aus dem Fenster auf die Strasse gossen. «Spielt ja auch keine grosse Rolle mehr.»

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  • Eine religiöse Rampensau

    Ein Spaziergang in die Schaffhauser Vergangenheit von Abdel Azziz Qaasim Illi, Pressesprecher des Islamischen Zentralrates der Schweiz.

    Abdel Azziz Qaasim Illi gibt immer alles. Er besass mit vierzehn ein Elektrogeschäft, das nicht nur mit Elektrogegenständen handelte. Er organisierte mit sechzehn eine Technoparty, deren Kollateralschaden eine halbe Million Franken betrug. Er war Auns-Mitglied, verbrannte Amerika-Fahnen, er gründete die Pro-PLO-Schweiz, die öfters wegen Rassendiskriminierung verklagt wurde, und heute sitzt er im Vorstand des Islamischen Zentralrates der Schweiz.

    Der 29-Jährige steht hinter einem Stehaschenbecher und einer Buschgarnitur auf dem Perron eins und blickt den vorbeieilenden Fussgängern zu, den Rücken zur Wand der Ticketeria. Er ist für keinen prophetischen Zweck angereist. Nur sein Bart schafft eine Verbindung zur Blick-Schlagzeile «Wie extrem sind Schweizer Islamisten?». Mit dem schwarzen Sakko und dem weissen Hemd fällt er am Bahnhof Schaffhausen nicht auf.

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  • Politik für die Jugend

    Die Schaffhauser Regierung will Neuzuzüger in den Kanton locken, um den Kanton zu verjüngen. Doch sie macht wenig dafür, dass Schaffhausen für Junge überhaupt attraktiv ist.

    Schaffhausen will wachsen. Dreitausend Leute – vorwiegend Junge, insbesondere junge Familien – sollen in die Region ziehen. Die Wirtschaftsförderer haben ein Immobilienportal aufgebaut und eine Werbekampagne im Raum Zürich gestartet, um Neuzuzüger anzulocken.

    Die Politiker haben Steuern gesenkt und freuen sich über die schmucken Wohnungen, die jetzt hinter dem Bahnhof entstehen, weil damit Gutverdiener geangelt werden könnten, die wiederum viel Steuern bezahlen, womit man die Steuern senken könnte, sodass das Spiel wieder von vorne beginnt. Nur, dass es dann kein freies Land zum Überbauen mehr gibt. Die Werbekampagne für die Jungen, die bereits in Schaffhausen wohnen, manifestiert sich in etwas kryptischen Plakaten, die in der Altstadt «Respekt» fordern und vor allem «Ruhe» meinen.

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  • The fastest working band

    Musikverhör

    Am 16. Juni tauften «Die Zorros» ihr zweites Album «Future» im Berner Café Kairo. Gisela Feuz vom Kulturblog des «Bunds» war dabei und verlieh dem Gig das «Gütesiegel Extraschlecht». «Die Zorros» haben es sich verdient. Wie ihr Namensgeber, der geheimnisvolle Rächer in Schwarz, verstehen es Patrick Abt, Beat-Man und Olifr M. Guz nämlich durchaus, eine feine Klinge zu führen, doch sie bearbeiten die Feinde des schlechten Geschmacks lieber mit dem Knüppel.

    Wenn Beat-Man auf das Schlagzeug eindrischt, Guz dem Keyboard kosmische Sounds entlockt, Abt dazu Gitarre spielt – und alle, alle singen –, gibt es kein Erbarmen. Das gilt auf der Bühne wie im Studio. Wie wir uns die Arbeit an den siebzehn Stücken für «Future» im Schaffhauser Star Track-Studiokombinat vorstellen müssen, beschreiben «Die Zorros» auf ihrer Homepage, in bestem Swinglish:

    Going straight into the studio with only skelets of ideas in the heads of songs or cover versions, then push the recording bottom... that means... 10 minutes working quick at the structure of the song idea and then record it (Olifr.M.Guz recorded everything, running from the organ to the recording desk and Back)... if the song at the end is 2 minutes, they worked 12 minutes on writing and recording... with one word DIE ZORROS ARE THE FASTEST WORKING BAND IN THE WHOLE GALAXIE.

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