• 100 Stutz für 100 Stümpen

    Seit Oktober kommen erwischte KifferInnen mit einer Ordnungsbusse davon – das begrüssen auch Fachleute.

    Bild: Yann Aders

    Vage erinnert sich H.* zurück. Geschätzte acht Jahre ist es her. Unzählige Stunden verbrachte er damals auf der Munotwiese, am Lindli oder beim Windegghüsli. Mit dabei hatte er immer ein Säckchen Gras. Zusammen mit Kumpels wurde kräftig gequalmt. Aus Spass, aus Genuss, aus Langeweile. Ein wenig auch, um still gegen das System zu rebellieren. Die Polizei war selten ein Problem.

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  • Gesprüht, geputzt und gepflanzt

    Graffiti als politische Werbung sind offenbar tabu. Doch es gibt kreative Alternativen, mit denen man Polizei und Behörden überraschen und eine ­Debatte ­anstossen könnte.

    Auf den ersten Blick sehen sie geheimnisvoll aus, die Zahlen in den Schaffhauser Gassen. In regelmässigen Abständen ist der Boden nummeriert, dicke, weisse Ziffern auf dem kalten Pflasterstein. Kein grosses Geheimnis allerdings, dass sie die Positionen der Verkaufsstände regeln, die am «Chlausmärt» weihnachtliche Ware anbieten. Wenn der Sami­chlaus seine Runden und die VerkäuferInnen ihr Geld gemacht haben, nähert sich auch das Leben der Zahlen einem Ende: Sie sind aus- und abwaschbar.

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  • Gestreift, aber nicht kleinkariert

    Historique

    «Das Gefängnis ist ein Pflanzplätz, wo der Glaube an die Menschheit nicht gedeiht!» Von keinem Philosophen, keiner gewitzten Politikerin oder sonst vielbeachteten Gelehrten stammt dieser bauernschlaue Ausspruch, nein, hinter diesem Zitat steht ein verurteilter Krimineller, ein von der Gesellschaft ausgeschlossener Mensch. Gestatten: Franz Häfliger, Sträfling und Kunstverständiger, Mann der Taten, Gegner des Büro­sessels. Vorhang auf.

    Am 1. April 1944, dem Tag, an dem amerikanische Flugzeuge Schaffhausen bombardierten, sollte Häftling Häfliger zum Helden der hiesigen Kunstszene avancieren. Im Trubel der ersten Bombeneinschläge, einige davon in unmittelbarer Nähe zur Schaffhauser Strafanstalt, liessen die Gefängniswärter die Insassen kurzerhand aus ihren Zellen.

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  • Lappi-Evangelium, Kapitel 2

    Ausgabe 15: Thomas Leuzinger und Marlon Rusch über die frohe Kunde von Hannes' Wahl.

    Es begab sich zu jener Zeit, dass ein Gebot von hohem Amte ausging, dass der frisch gewählte Ständeratspräsident gefeiert würde. Diese ­Feier geschah zur Zeit, da Thomasius noch für die ÖBS Statthalter in Schaffhausen war. Und der frisch gewählte Ständeratspräsident Hannes ging, dass er sich feiern liess, in seine Stadt.

    Und die höchsten Räte des Bundes fuhren mit dem Extrazug zu ihm, und die Klarheit und die Roben der Weibel leuchteten um sie; und die Schaffhauser BürgerInnen fürchteten sich sehr. Und die Weibel sprachen zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Sehet, wir verkündigen euch grosse Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Ständeratspräsident geboren, welcher ist Hannes der Herr, in der Stadt Bern.

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  • Separatismus im «de la Gare»

    Der Lappi machte sich auf die Suche nach rebellischen JurassierInnen. Zu behaupten, wir hätten sie gefunden, wäre übertrieben.

    SeparatistInnen sind super. In unseren wohlbehüteten Stuben freuen wir uns, wenn sich die Republik Kosova von der serbischen Besetzung lossagt, wir sind geneigt, mit aufbegehrenden BaskInnen zu sympathisieren und für uns ist völlig klar, dass Taiwan nicht zu China gehört. Eine Minderheit, die sich mit kreativen bis guerillaesken Methoden gegen eine übermächtige Staatsmacht auflehnt, hat immer einen Sympathiebonus, der uns sogar radikale, terroristische Mittel beinahe verzeihen lässt.

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  • Spione überall

    doppelt geköppelt

    Jo Sternäsiech … da gehst du einmal in die Ferien und suchst einen passenden Ersatz-Kolumnist und dann kommt das. Die plumpe Absage einer Vorzimmerdame. Ehrlich, nichts gegen Vorzimmerdamen, aber von einer Anfrage von Roger an Roger hätte ich mehr erwartet.

    Zugegeben, wir hätten uns früher melden können … Aber komm schon, das war sozusagen eine Bitte unter Brüdern. Brüder, die sich vielleicht nicht mögen, aber immerhin noch Brüder. Zählt denn heute gar nichts mehr? Gut, ich hab verstanden, es wird kühler zwischen uns. Aber dennoch, ich würde kurzfristig einspringen, wenn er mal schnell weg muss. Das Editorial der «Weltwoche» zu schreiben, kann ja so schwer nicht sein.

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  • Zurück nach Kosova?

    Die politische Landschaft Kosovas ist im Umbruch. Meinungen und Standpunkte von Schaffhauser KosovarInnen.

    Zehn Prozent der KosovarInnen leben in der Schweiz. Die Zahl nimmt noch immer zu, während die Lage in der Heimat zunehmend stabiler wird. Bei den Regionalwahlen in diesem Jahr wurden so wenige Betrugsfälle verzeichnet wie seit Kriegsende nicht mehr. Der Kosovakrieg ist seit 15 Jahren vorbei, einige sehen eine Perspektive in einer Rückkehr.

    Der Lappi hat mit drei gebürtigen KosovarInnen gesprochen, die bereits seit Langem in Schaffhausen wohnen. Mit drei Generationen, die jeweils eine andere Sicht auf ihre ehemalige Heimat haben.

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  • Ein gefundenes Fressen

    Eine hungrige und waghalsige Redaktion begibt sich auf einen nächtlichen Beutezug.

    «Dumpster Diving» nennt sich das Durchstöbern von Müllcontainern – eine Disziplin, die vornehmlich bei Nacht und Nebel in den Hinterhöfen von Supermärkten ausgeübt wird. Was immer mehr Leute neben existenziellen auch aus ideologischen Beweggründen tun, hat der Lappi aus Neugier ausprobiert: Kann man sich auch aus den Containern der Schaffhauser Detaillisten ausgewogen ernähren?

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  • Wo der Hund begraben liegt

    Zahlreiche, einst offene Abfall­deponien sind längst zugeschüttet und in Vergessenheit geraten.

    Die Deponie im siblinger birchbühl beinhaltet nur inerte Stoffe. Sie liegt unweit der Pflumm, wo Schlacke aus der KBA Hard entsorgt wird.

    Sie sind noch im kollektiven Gedächtnis vorhanden, der jüngeren Generation aber höchstens als Abenteuerspielplatz ein Begriff: Offene Abfalldeponien, wie sie über Jahrzehnte an zahlreichen Standorten im ganzen Kanton genutzt wurden.

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  • Gewinnbringend entsorgt

    Auch typische Schaffhauser Produkte werden irgendwann zu Abfall. Die einen sehr schnell, die anderen erst nach vielen Jahren. Drei Beispiele.

    Ins Ausland statt in den Mülleimer

    140 Jahre lang, von 1860 bis 2000, produzierte die SIG in Neuhausen Waffen. Dabei belieferte die SIG auch die Schweizer Armee, erst mit dem Sturmgewehr 57 und nach 1980 mit dem leichteren Sturmgewehr 90.

    Was wohl mit all den Waffen geschehen ist? Die GSoA geht davon aus, dass in den Schweizer Haushalten 2.3 Millionen Schusswaffen herumliegen, die meisten lagern wohl unter einer dicken Staubschicht in irgendwelchen Kellern von ehemaligen Soldaten. Wahrscheinlich nicht mehr allzeit einsatzbereit. Ist ja auch nicht nötig, der Russe verhält sich zurzeit sehr ruhig. Ein paar Scharmützel mit Greenpeace-Aktivisten, das war’s.

    Wer eine Waffe findet, sollte sie auf jeden Fall nach Rücksprache mit der Fachstelle Waffen der Polizei übergeben. Bei der Schaffhauser Polizei wurden in diesem Jahr (Stand 5. 12. 2013) 81 Feuerwaffen und Imitate abgegeben, die danach bei der Arnold Schmid Recycling AG zerstört wurden.

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  • Deponiert oder rezykliert

    In Schaffhausen wird mehr wieder­verwertet als noch in den Achtziger­jahren. Gleichzeitig gibt es grosse ­Alt­lasten – wir sind die erste Generation, die den Müll nicht mehr einfach verbuddelt.

     

    Abfallanlieferungen KBA Hard im Jahresverlauf

    Die abgelieferten Mengen an Sperrgut und Schwarzabfall sind über das Jahr relativ konstant. Beim Grünabfall ist hingegen ein jahreszeitlicher Unterschied deutlich sichtbar. Gesamthaft sind die Kehrichtlieferungen an die KBA Hard leicht rückläufig, was unter anderem auf die bessere Trennung der Wertstoffe zurückgeführt werden kann.

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  • Zwilag im Wandschrank

    Auch im Schaffhauser Spital entsteht radioaktiver Abfall. Für diesen braucht es jedoch kein ­Tiefenlager.

    Im Kantonsspital Schaffhausen wird normalerweise täglich eine ampulle mit strahlendem Material hergestellt.

    Die Gänge im ersten Untergeschoss scheinen gewöhnlich und steril, wie es sich für ein Spital gehört. Die gelben Tafeln mit der Strahlen-Warnung an den Türen stechen in der farblosen Umgebung hervor. Wir gehen bis zum Ende des Flurs, in die Radiologie des Kantonsspitals Schaffhausen. Jürg Baumgartner, der Leiter der Radiologie, führt uns zum Raum, in dem das radioaktive Material für die Nuklearmedizin-Abteilung hergerichtet wird. Zum Raum mit dem Technetium-Generator.

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  • Als tote Kühe im Rhein trieben

    Im Mittelalter lohnte es sich nicht, Abfall zu produzieren. Heute werden Millionen ausgegeben, um ihn fachgerecht zu entsorgen.

    Bild: Yann Aders

    Fertigpizza aus dem Plastik, Plastik in den Müll, Marke auf den Müllsack und Müllsack in den Container. Heute macht sich kaum ein Schaffhauser Gedanken, was mit seinem Abfall geschieht, ist er erst einmal produziert. Vor 500 Jahren sah das anders aus.

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  • Die Zivilisation als Müllhalde

    Dossier: Abfall

    Wo der Mensch lebt, hinterlässt er Abfall. Nun gibt es viele Möglichkeiten, wie er damit umgehen kann. Der Mensch hat sie alle ausprobiert: Im Boden verbuddeln, den Fluss abwärtstreiben lassen, abfackeln. Ausgediente Satelliten lässt er auch gerne im Weltall vor sich hin schweben und Elektroschrott entsorgt er in afrikanischen Staaten auf riesigen Müllhalden. Dort klettern wiederum die Ärmsten herum, auf der Suche nach wiederverwertbaren Überresten, um sie gewinnbringend zu verkaufen und damit die Familie durchzubringen.

    Schon seit jeher war das Geschäft mit dem Müll nämlich lukrativ. Kein Wunder, kümmert sich in Italien die Mafia um den Abfall. Den Schaden hat meist zuerst die Natur, und dann der Mensch selber. So merkten die SchaffhauserInnen im Mittelalter erst, dass es unklug ist, Tierkadaver in den Rhein zu werfen, als man selber unter dem Abfall der Steiner und Diessenhofer zu leiden begann (Als tote Kühe im Rhein trieben).

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  • Punks, die sich nicht hauen

    Wenn Unsinn als Musik gilt, sind garantiert Punks daran schuld.

    «Alarmstufe Blau» existieren seit zwei Jahren, haben gerade mal sieben Gigs gegeben und kürzlich den ersten Tonträger «Panda-Pank & Backstagebier» rausgehauen. Die sechs Stücke auf der CD wurden allesamt im Proberaum in Uhwiesen eingespielt, den sich die fünf jungen Punks mit der Ska-Kapelle «The Slobbers» teilen.

    Schlagzeuger Eggi drischt den Ufta-Ufta-Takt, Bassist Knupp malträtiert sein Instrument, Juiee und Flo lassen die Gitarren heulen, darüber skandiert Shouter Pädi einschlägige Parolen. Es gibt Refrains zum Mitgrölen, hie und da eine Tempoverschärfung und mit «Rheinpiraten» den obligaten Versuch am Off-Beat. Musikalisch machen «Alarmstufe Blau» alles richtig – und das heisst im Kontext ihres Genres: schlecht, schlechter, am schlechtesten.

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  • Eine Lo-Fat-Maxi zum Geburtstag

    Leider geil: Chrisi macht auf Katze und ein Kind auf Lead-Sänger. Wer's mag, muss kein Freak sein. Wer's nicht mag, ist selber schuld.

    Ende November feierte das deutsche DIY-Label «Sounds Of Subterrania» im Berliner Columbia Club während zweier Wochenendnächte mit Livemusik seinen 15. Geburtstag mit dem Labelfestival «Bite It!». Mit von der Partie/Party waren unsere Livehelden vom Lo Fat Orchestra – auch sie veröffentlichen bei dem in Hamburg domizilierten Plattenlabel. Speziell fürs Jubiläum sind die Lo Fats ins Studio gegangen: Im Startrack-Tonstudio nahm das Trio mit ­Samuel Hartmann an den Reglern eine 4-Stück-45-rpm-Vinylmaxi auf, die am (und fürs) «Bite It!» herausgekommen ist.

    Netterweise kriegte ich das Teil für den Lappi schon vorab zu hören. Auch auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: Das Lo Fat Orchestra ist eine verdammt geile Kapelle. Und die bandchemisch immer nur knapp stabile Verbindung aus hysterischem Kontrollverlust (Chrisi, Tasten und Gesang), brutalem Stoizismus (Thorsten, Bass) und explosiver Energie (Dani, Schlagzeug) tönt hier vielleicht so gut wie noch nie.

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  • Ohne Weichspüler

    Filmverführung

    In von Männern dominierten Genres realisiert Kathryn Bigelow seit über 30 Jahren starke und erfolgreiche Filme.

    Rosa Porten. Ida Lupino. Alice Guy. Kaum jemand erinnert sich an die Pionierinnen des Films, einzig Leni Riefenstahl ist noch im Gedächtnis, allerdings nicht zwangsweise für ihre Regiearbeiten. Noch immer sind Regisseurinnen in der Filmwelt rar und werden meist mit Kopfkino (Sophia Coppola, Jane Campion und Julie Taymor) und Schmonzetten (Nora Ephron) in Verbindung gebracht.

    Seltener sind Ausflüge in den Horror- und Action-Bereich wie beispielsweise «Friedhof der Kuscheltiere» von Mary Lambert, «Deep Impact» und «Projekt Peacemaker» von Mimi Leder.

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  • Das Geschäft mit der Musik

    Auslese

    Berthold Seliger hat einen Insiderbericht über die finanziellen Mechanismen der Musikbranche vorgelegt.

    Im September 2013 ist Berthold Seligers «Das Geschäft mit der Musik – ein Insiderbericht» erschienen. Die Erstauflage war schnell vergriffen, inzwischen ist die dritte Auflage im Handel. Vom deutschen Feuilleton im Print- und Radiobereich sehr ausführlich und wohlwollend besprochen, ebenso in der einschlägigen Musikpresse wie «Spex», «Musikexpress», «Rolling Stone», obwohl letztere im Kapitel über den Musikjounalismus nicht besonders gut wegkommen – ein chart- und marketingtechnisch gelungener Release.

    Muss man den Berliner Autor kennen, wenn man kein Insider ist? Eher nein. Er schreibt unter anderem für «konkret», «Der Freitag» und die «WOZ».

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  • Satire mit «Niveau»

    Lara Stolls Satiresendung überzeugt – der Sender hat einer zweiten Staffel zugestimmt.

    Die erste Staffel von «Bild mit Ton» wurde im Oktober und November jeweils Montagabends auf SSF ausgestrahlt. Alle Folgen sind auch unter www.bildmitton.tv zu sehen.

    «Es gibt genauso viel Blödsinn wie Wohlüberlegtes», sagt Lara Stoll über ihre Satiresendung «Bild mit Ton». «20 Minuten» schrieb: «Ein Sender, der nichts zu verlieren hat, gibt einer jungen Slam-Poetin einen Freipass.» Im April dieses Jahres hatte das akut kriselnde «Sport Szene Fernsehen» (SSF) noch verkündet, der Sendebetrieb werde eingestellt, kurze Zeit später hiess es, man bleibe auf Sendung und wolle den Bereich «Szene» mit neuen Kulturformaten bereichern. Im Oktober startete «Bild mit Ton».

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  • Polit-Promis im Style-Check

    Vergesst das ewige Hin-und-Her der Politik, die doppelzüngigen Lobpreisungen, die immer gleichen Phrasen! Bei den 100'000-Franken-Feierlichkeiten rund um unseren frisch gewählten Ständeratspräsidenten Hannes Germann ging die Lifestyle-Redaktion des Lappi den wirklich wichtigen Fragen nach: Wer trug was, wer amüsierte sich mit wem, und wer meisterte den holprigen, gepflasterten Catwalk der Schaffhauser Altstadt am stilsichersten?

    Der Check exklusiv und nur im Lappi.

    links Bärtige Grüsse durften nicht fehlen: Neo-Ständeratspräsi hannes germann wird von einem hohen Geistlichen in vertrauter Manier beglückwünscht. Eine wunderbare Männerfreundschaft des 21. Jahrhunderts!
    rechts Gross, markant, etwas einsam: Omnipräsent wie der Rheinfall-Felsen vertrat das fünfte Rad des Regierungsrates, christian amsler, unseren kleinen Kanton. Der gestreifte Schal gibt unserem FDP-Turm dennoch etwas Liebliches.
    stilnote: kolossale 3

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