• Angst vor der Angstmacherei

    Experten sprechen von einer neuen Angsterkrankung: Die Timorcampagna-Phobie betrifft immer mehr Menschen, die sich wegen zahlreicher Angstkampagnen kaum mehr aus dem Haus trauen.

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  • Say no more!

    Filmverführung

    Zurück zum Stummfilm

    Inspiriert durch ein am Beizentresen aufgeschnapptes Gespräch habe ich kürzlich einmal die Suchmaschine bemüht, um herauszufinden, ob denn der gute alte Schwarz-Weiss-Film wirklich so unmodern und unzugänglich sei. Zu meinem Erstaunen spuckte der Rechner eine recht umfangreiche Liste aus – teils Low-Budget-Produktionen, aber auch bekanntere, grössere Filme, allesamt nach 1970 entstanden. Man erinnere sich z.B. an «Schindlers Liste», an «Nebraska», «Frankenstein Junior», «Ed Wood».

    Bekannte Regisseure wie Tim Burton, Lars von Trier, Jim Jarmusch, Luc Besson, oder Shinya Tsukamoto haben bereits mehrfach «farblos» gedreht. Doch dieses Feld abzuhandeln stellt ein grösseres Unterfangen dar als anfänglich vermutet. Also erneut gesucht: was ist in Zeiten von 3D, Dolby Atmos, Imax und 11.1-Sound NOCH unmoderner? Natürlich der Stummfilm!

    Hier also drei sehenswerte Produktionen der jüngeren Vergangenheit, deren Entstehen anfänglich belächelt wurde, die sich aber im Nachhinein als wunderbare Fenster in eine vergangene Ära der Filmproduktion und Rezeption offenbart haben.

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  • Vom Tod eines Autors

    Auslese

    Hermann Burger – Tractatus Logico-Suicidalis. Über die Selbsttötung.

    Man könnte sich den Freitod als literarischen Ort vorstellen, als Ort, dessen Eingang wohl durch ein Kellerloch führt, worauf alsbald durch neblige Weiten auf dunklen Flüssen trunkene Fährmänner ziehen, metallischen Geschmack meint man auf der Zunge zu spüren, ein Ort, an dem durch Stürme entblätterte Rosen wachsen und kleine Astern die Ufer zieren. Vielleicht irrlichtert so manche Schar junger Leidender umher.

    Die der Selbsttötung gewidmete Schrift des Literaten Hermann Burger verwebt in einer Manier der Verweisstruktur auf literarische Topoi und philosophische Diskurse das Denken über den Freitod zu einem archivarisch anmutenden Ganzen – in 1046 Aphorismen nämlich, die in der Weise eines arbiträren und doch auf gewisse Art konsekutiven Strömen des Bewusstseins aneinandergeheftet sind.

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  • Neben Wiesmanns Spuren

    Der Schaffhauser Mundart-Troubadour Christoph Bürgin veröffentlicht sein erstes Solo-Album. Für ihn ist Dieter Wiesmann «dä Scheff».

    Trotz seiner gemütlichen Zurückhaltung: Christoph Bürgin ist ein kerniger Typ, fast zu freundlich für diese Welt, aber kernig. Er mag: urchige Schaffhauser Mundart, Folkmusik, Country, eine Prise Jazz und Blues; Anekdoten, von uralt bis nur alt, und neue Geschichten. Und er liebt es, diese Stories selbst zu erzählen – in selbigem Dialekt und umrahmt von selbiger Musik.

    58 Jahre alt musste Bürgin werden, um das zu tun. Nun veröffentlicht der Musiker sein erstes Soloalbum, «Chömmer so lo» heisst es, elf Mundartlieder sind drauf, und um es gleich vorweg zu nehmen: Die Scheibe, «miini Chischte», nennt Bürgin sie, kann durchaus so belassen werden, wie sie ist.

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  • «Die ewigen Varianten vom eigentlich fast Gleichen»

    Pedro Lenz bringt die Provinz und ihre Leute literarisch zum Glänzen. Bei einem Kaffee fand der Lappi heraus, wie er das macht und warum er davon fasziniert ist. Schaffhausen kennt er noch aus Kindertagen.

    Pedro Lenz ist Dichter, Autor, kann eine statisch korrekte mauer aufziehen und hat eine Ahnung von spanischer Literatur. Seit 2001 begeistert er mit seinen Geschichten über den Alltag und wie man sich als relativ normaler Mensch damit arrangiert.

    Das Fenster oberhalb des Restaurants «Flügelrad» in Olten, gleich hinter den Bahngeleisen, geht auf, und Pedro ruft runter, dass die Beiz grad zu sei. Wir müssten uns was anderes für den Kaffeeklatsch suchen. Im Gleis 13, keine 50 Meter entfernt, finden wir Platz. Pedro muss später nach Adelboden für einen Auftritt, und mit einer seiner Kolumnen ist er auch im Verzug, aber der Espresso muss jetzt sein. Neben den Lesungen sei er gerade mit dem Film «Mitten ins Land» auf Kinotour, erzählt er. «Die zwei Filmemacher wollten einen kleinen Dokumentarfilm über Olten drehen, hier ist die Stunde Null des Bahnverkehrs, der Mittelpunkt des Landes. Daraus ist dann ein Porträt über die Stadt und einige Bewohner entstanden.»

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  • «Bitte nicht weinen!»

    Ein Blick in die historischen Quellen zeigt: Schon lange bevor es «Schaffhauserland Tourismus» gab, strömten Fremde in unsere Region. Chef-Standortförderer war seit dem Mittelalter der Rheinfall.

    Der Heilige Konrad von Konstanz beobachtet zwei Vögel, die ruhelos über dem Rheinfall kreisen – und erkennt in ihnen sündige Seelen, die so für ihre Vergehen büssen müssen. Diese Legende ist die früheste schriftliche Quelle, die den Rheinfall erwähnt, obschon er darin eher eine Nebenrolle spielt – schliesslich geht es um die Vögel. Sichere Belege für Rheinfallbesuche um des Rheinfalls willen gibt es ab dem 15. Jahrhundert; ohne Zweifel waren die Menschen aber auch schon vorher von den tosenden Wassermassen fasziniert. Wie wir im letzten Sommer erfahren durften, gab es aber auch andere Gründe, die Stadt zu besuchen, nämlich um den Ritterspielen beizuwohnen – so berichteten bereits zwei Spanier, die während ihrer Teilnahme am Basler Konzil einen Abstecher nach Schaffhausen machten, ausführlich von diesem Schauspiel.

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  • Viel Platz für wenig Leute

    Beim Erfolgstest mittels Balken und Kurven rasselt das Schaffhauser ­Standortmarketing durch.

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  • Beschwingt, herrlich und wunderbar

    Die Schaffhauser Medien versuchen krampfhaft, jede Hundsverlochete als kulturellen Höhenflug zu verkaufen. Unsere Diagnose: akutes Lövaas-Syndrom.

    «Im Altersheim Wiesli wurde uns dieser Tage ein seltener Genuss zuteil», heisst es in den «Schaffhauser Nachrichten». «Die bekannte Sängerin Kari Lövaas mit ihrer wunderbaren Stimme war, in Begleitung der Pianistin Elisabeth Ulmer, zu Gast und sang ein Repertoire von Liedern, mit welchem ihre Stimme (auch akustisch) voll Klang zu hören war.» Das «Wiesli» habe in einen Begeisterungssturm eingestimmt.

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  • Verbessern statt vermarkten

    Echtes Standortmarketing wäre ganz einfach. Der Lappi hat ein paar Vorschläge, die Schaffhausen deutlich attraktiver machen würden.

    Das «kleine Paradies» ist Geschichte. Die Kampagne der Wirtschaftsförderung wurde nach sechs Jahren im Zuge des Sparpaketes ESH4 endgültig beerdigt. Das Prestigeprojekt der Generis AG, am Boden. Gut so, finden wir. Mit Hochglanzbeilagen und Sprüchen wie «In Schaffhausen haben Väter mehr Freizeit» in Zürcher Trams lockt man sowieso keine Steuerzahler an.

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  • «Wir sind der Benchmark»

    Die Wirtschaftsförderer Marcus Cajacob und Patrick Schenk erklären, mit welchen Argumenten sie internationale Konzerne nach Schaffhausen bringen und wie sie auch ohne «Paradies»-Kampagne ZuzügerInnen anlocken wollen.

    marcus cajacob begann seine Karriere bei der Cilag, ist diplomierter Ingenieur und als Projektleiter der Wirtschaftsförderung für die Ansiedlung von Firmen verantwortlich. patrick schenk hat nach der Matura an der Universität St. Gallen Ökonomie studiert und ist bei der Generis AG mit der Leitung von Regional- und Standortentwicklungsprojekten betraut.

    Marcus Cajacob und Patrick Schenk, Sie beide sind Familienväter. Ist Schaffhausen attraktiv genug für Familien?

    Schenk: Ja, denn Schaffhausen ist eine Stadt mit vielen Angeboten und von einer attraktiven Landschaft umgeben. Eine grosse Stärke ist der bezahlbare Wohnraum. Die Schulen sind gut, obwohl es sicher Optimierungspotenzial gibt.

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  • Steter Tropfen Holenstein

    «Entschuldigung, ich muss kurz austreten», sprach Thomas Holenstein in überschäumender Inkompetinenz, und mit goldigen Prognosen markierte er den Standort als Schaffhauser Natursektland. Dieses war sein letzter Seich.

    Das Fazit nach 15 Jahren Wirtschaftsförderung und Standortmarketing unter Thomas Holenstein fällt ernüchternd aus: Die Stadt Schaffhausen ist im Städteranking der «Bilanz» auf den 53. Rang von 143 Städten zurückgefallen. Für die 15.-grösste Stadt müsste der 15. Rang das Ziel sein – solange wir von Städten wie Wallisellen, Volketswil und Olten (ohne Seich!) geschlagen werden, gibt es bestimmt noch Verbesserungspotenzial.

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  • Ein Mythos im Umbau

    Vor siebenhundert Jahren kam es zur ersten Schlacht zwischen den Eidgenossen und den Habsburgern. Morgarten hatte lange Zeit, um zum Gründungsmythos zu reifen.

    Dieses Jahr feiert Helvetia einiges. 1815 wurden die Grenzen neu gezogen, 1515 blutete die Eidgenossenschaft in Marignano, 1415 eroberte man den Aargau, und 1315 – vor 700 Jahren – fielen zwölf tapfere Schwyzer und Zuger in der Morgartenschlacht. Eine Handvoll Bauern, so die Legende, raffte 2000 Reiter aus dem Hause Habsburg dahin.

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  • Auf alten Schreibmaschinen lernt man sparen

    Historique

    Wir leben in einer Zeit, in der man im besten Falle belächelt wird, wenn man dem Brockenhaus eine funktionierende elektrische High-End-Schreibmaschine mit Display und Textspeicher anbietet. Längst hat der Kompiuter die unserer Ansicht nach vorsintflutlichen Bureauhelfer verdrängt. Doch tatsächlich hat sich in der Zeit seit der Sintflut einiges getan – auch wenn sich namhafte Akteure wie der Schaffhauser Regierungsrat aus Spargründen zwischenzeitlich gegen Entwicklungen stemmten.

    So dauerte auch der Einzug der Moderne in den Alltag der Schaffhauser Kantonspolizei etwas länger. Zwar waren seit der Jahrhundertwende brauchbare Schreibmaschinen auf dem Markt, welche «die Schreibfeder […] [als] unentbehrliches Werkzeug zur Bewältigung der vielseitigen Schreibarbeiten in staatlichen und bürgerlichen Betrieben» in den Hintergrund stellten. Doch die erste Schreibmaschine – bereits damals «eine ältere Tante» – wurde dem Landjäger-Corps erst im Jahre 1919 zur Verfügung gestellt und «das ganze Landjägerkorps hat auf derselben die Kunst der Schreibmaschinenbedienung gelernt.»

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  • Was zu tun wäre

    Vier offene Briefe zum Budgetreferendum.

    Wo gehobelt wird, da fallen Späne. Und wenn nun - wie beim Sparpaket ESH4 - viel gehobelt wird, bilden die Späne bald einmal einen Berg. Man kann vieles richtig machen, aber man kann auch total danebenschiessen. Wie das beim Budgetreferendum herauskommen wird, ist noch nicht klar. Wir haben dennoch einige Handlungsanweisungen formuliert, um den Span-Ausschuss in Grenzen zu halten.

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  • Qualitätsmanagement, zu viel des Guten

    marcel montanari ist Kantonsrat der Jungfreisinnigen.

    Monti optimiert

    Die steigenden Gesundheitskosten werden gerne mit der höheren Lebenserwartung der Menschen sowie mit dem erweiterten Angebot medizinischer Verfahren begründet. Dies ist aber nur die halbe Wahrheit. Ein wohl ebenso grosser Kostentreiber sind Fehlregulierungen ahnungsloser Politiker und/oder Lobbymarionetten. Unter dem Deckmantel der Qualitätssicherung gibt es zunehmend Vorschriften, die unserem Gesundheitssystem schaden.

    An Beispielen mangelt es jedenfalls nicht: So muss gemäss neuen Richtlinien in Apotheken alles eindeutig beschriftet werden. Auf jedem Abfalleimer muss die Anschrift «Abfall» angebracht werden. Wer eine eigene Hausspezialität anbieten will, muss unzählige Nachweise und Deklarationen erbringen. Mittlerweile trauen wir den Pharmazeuten nicht mal mehr zu, selber eine Salbe abzufüllen oder eine eigene Teemischung zuzubereiten. Die Folge davon ist, dass Apotheken ihre Hausrezepturen nicht mehr anbieten. Ist diese Art von Qualitätsmanagement eine Verbesserung für unser Gesundheitssystem? Ist es besser, weniger Medikamente zu haben? Nein.

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  • Jetzt bist Du schon wieder da!

    Roger Köppel, (links, aber rechts im Bild), schreibt schon wieder zum letzten Mal über das journalisitische Schaffen seines Namensvetters.

    doppelt geköppelt

    Eigentlich war ich mir in der letzten Kolumne ja sicher. Sicher und überzeugt, dass der Roger ausgeköppelt hat, dass er und sein scheinheiliges Manipulationsblatt langsam, aber sicher den Bach runtergehen werden. Ja, verspottet habe ich ihn. Als langweiligen Möchtegern-Populisten bezeichnet, mit Füssen getreten und bespuckt habe ich ihn. Aber nein, es musste natürlich anders kommen.

    So anders, dass ich wahrlich der Lüge gestraft werde. Dieser alte Haudegen haut einen raus, als ob es kein Morgen gäbe. Roger Köppel in den Nationalrat! Ach du verdammte Kacke. In den Nationalrat! Was zum Henker soll denn das? Kann dieser Lappi nicht in Würde altern und uns endlich mal in Ruhe lassen? Muss ich denn jetzt wirklich nachziehen und ihm in die Politik folgen? Retten, einer Nemesis gleich, was es noch zu retten gibt? Der Name und die Reputation von uns Köppels soll wenigstens wieder ein bisschen neutralisiert werden.

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  • Mit Schwertern und Kunstblut

    Zwei junge Filmemacher spüren in ihren kurzen Mittelalter- und Fantasy-Streifen Schaffhausens dunkler Seite nach.

    Schaffhausen, anno 1462: Ein Jüngling im dunklen Umhang tritt in eine Mauernische, die Kapuze tief ins Gesicht gezogen. Dort verharrt er, während neben ihm Nebel vom Boden aufsteigt – Choralgesang untermalt die Szenerie. Sodann erscheint ein zweiter junger Mann. Er nimmt eine eiserne Maske entgegen, seine um Tiefe bemühte Stimme hallt in den Gewölben: «Danke mein Sohn. Nun stell dich deinem Schicksal. Ich werde dort sein.»

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  • Wo steht Walter?

    Vor einigen Jahren wollte Walter Hotz Chef eines städtischen Altersheims werden. Heute schimpft der SVP-Parlamentarier wie kein Zweiter gegen den Beamtenstaat. Das Porträt eines Janusköpfigen.

    Als er die Treppe hinabsteigt, zurück ins Wohnzimmer, balanciert er auf seinen Unterarmen einen dicken Stapel Akten. Es ist das Dossier zum Stadion-Referendum. «Dort oben stehen noch viel mehr solcher Papiertürme, man kann die gar nicht mehr zählen», sagt seine Frau Margrit mit einem liebevollen Seufzer.

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  • Weissmaler am Werk

    Mehrere Wandgemälde in den Hallen für neue Kunst wurden weiss übermalt. Darf man das?

    Die Hallen für neue Kunst sind Geschichte: Der Rechtsstreit um die Eigentumsrechte des «Kapitals» trieb die Stiftung in den Konkurs, Urs und Christel Raussmüller haben ihre Sammlung nach Basel abtransportiert, das «Kapital» wurde nach Berlin verkauft und die Stadt lässt ein neues Nutzungskonzept für das Gebäude ausarbeiten. In der langen und teilweise kuriosen Affäre um das Ende der Hallen macht ein Aspekt stutzig, der bisher wenig Beachtung findet: Urs Raussmüller hat diejenigen Kunstwerke, die direkt an den Wänden der «Hallen» angebracht waren, weiss übermalt.

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  • Standortförderer der Herzen

    Die Lappi-Redaktion übt schon mal Performationskunst.

    Im Herblingertal entsteht bald ein monumentaler Kulturraum mit integrierter Industriebrache. Dahinter steht ein kunstaffiner Doyen, der am Vorhaben um der hehren Sache willen festhält, obwohl das Stimmvolk seinen Pioniergeist nicht versteht und ihm die finanzielle Unterstützung verweigert. Aniello Fontana – ein wahrer  Wohltäter.

    Er, der sich bisher als Experte in Immobilienfragen mit Führungserfahrung als Fussballförderer ausgezeichnet hat, wird seiner Vordenkerrolle erneut gerecht. Mit radikalen Neuerungen sprengt der stadtplanerische Visionär den Rahmen konventioneller Gebäudenutzung und macht sich zum Vordenker und Mäzen der Performance- und Investitionskunst.

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