• Sonntagsverkauf im Bergdorf

    Neudeutscher Jargon, Alpenluft und Bergdorfcharisma. Das Alpenrhein­village ruft modehungrige Smart­shopper – und die  Gewerkschaften auf den Plan.

    Der neudeutsche Jargon fliegt einem schon am Bahnhof entgegen. Das «Alpenrhein Village Outlet Shopping», so würde dieses Konglomerat aus Beton und alter Mode gerne genannt, ist gut ausgeschildert und direkt durch die Bahnhofsunterführung erreichbar. Doch zuerst schweift der Blick des Betrachters über die Tourismusregion Landquart.

    Landquart ist den meisten bekannt als Umsteigeort auf dem Weg ins Schneevergnügen. Doch die Inhaber des «Village», die gerne auch am Sonntag kaufkräftigen Kunden Kaffeemaschinen und Klamotten anbieten wollten, suchten nach einer Möglichkeit, sich eine wirtschaftliche Nische zu ergattern – und fanden eine Gesetzeslücke, mit der sie das Arbeitsgesetz umgehen können.

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  • Waffennarren will die Schweiz

    Ausgabe 2: Thomas Leuzinger über die Engpässe im Zivildienst und die darausfolgenden Engpässe bei der Armee.

    Die Schweizer sind einfach zu friedlich. Zu viele Wehrpflichtige laufen von der Armee in den Zivildienst über: Das bringt den Zivildienst zum Überlaufen. Die Zahl der eingereichten Gesuche stieg in einem Jahr von 1900 auf 7200. Nun weiss man noch nicht so ganz, ob man die Leute denn alle brauchen kann. Der Armee hingegen fehlen diese. Einfach wieder umverteilen?

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  • Wirte in Fesseln

    Ab erstem Mai ist das Rauchen in Schweizer Restaurants verboten – mit Ausnahmen. Manche Wirte sehen sich in ihrer Freiheit massiv eingeschränkt, andere sehen darin eine Chance.

    Tomislav Babic, Geschäftsführer des Restaurants Falken und der Brasserie, rechnet wegen des Rauchverbots mit einem enormen Umsatzverlust und ist sicher, dass er einen Stellenabbau vornehmen muss. Seine Kunden seien etwa zu 40 Prozent Raucher. Doch der Konsum der Raucher gegenüber den Nichtrauchern sei unverhältnismässig höher. Deshalb werde der Umsatz stark einbrechen. Um diesen Effekt und seine negativen Konsequenzen abzudämpfen, baut er sowohl in der Brasserie als auch im Falken ein Fumoir – und geht beträchtliche finanzielle Risiken ein.

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  • Der Rocky aus Winterthur

    Setting

    Sommer 2009. Ich treffe den Regisseur von «Being Azem» zum Gespräch in seiner Wohnung an der Stauffacherstrasse auf dem Schaffhauser Emmersberg. Ecksofa, 52-Zoll-Flatscreen, Holzregalkombination mit einer Sammlung von mehreren hundert DVDʼs und ein gerahmtes Plakat von Rocky neben der Balkontür: «His whole life was a million-to-one-shot». Hier lebt und arbeitet ein animal cinématographique. Ein Autodidakt. Der Kroato-Schweizer Tomislav Meštrović hat nie eine Filmschule besucht und drehte dennoch einen Dokumentarfilm ab, der vom Schweizer Fernsehen koproduziert worden ist.

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  • «Abenteuer mit Extremisten»

    Auslese

    Islamisten, die mit Coca Cola-Spendendosen Geld für den Jihad sammeln. Ku-Klux-Klan Anführer, die sich das N-Wort verbieten. Jon Ronson trifft Extremistenführer der westlichen Welt.

    In jeder Extremistengruppe stösst Ronson auf die Überzeugung, dass eine kleine Elite das Weltgeschehen lenkt. Er macht sich auf die Suche nach der Kommandozentrale dieser Elite. Dabei schleicht er sich mit Verschwörungstheoretiker Alex Jones in eine Ferienresidenz für Gutbetuchte, wo er ein okkultes Eulenritual beobachtet und wird von Sicherheitsleuten verfolgt, als er sich in Spanien zu nahe an den vor der Öffentlichkeit verborgenen Austragungsort einer Bilderberg-Konferenz heranwagt.

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  • Andi Kunz im Grossen Stadtrat

    Andi Kunz wird der Nachfolger von Christoph Lenz im Grossen Stadtrat. Er löst Lenz nach sechs Jahren im Amt ab.

    Andi Kunz wird der Nachfolger Christoph Lenz im Grossen Stadtrat. «Lenz» wie er von seinen Freunden genannt wird und wie er sich selber auch nennt, hat während sechs Jahren die Alternative Liste im Städtischen Parlament vertreten. Zuletzt war er für die SP/AL-Fraktion Vertreter in der Geschäftsprüfungskommission (GPK).

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  • Keine ernsthaften Pläne

    Die Bandräume in der Stadt sind knapp. Politiker forderten schon mehrfach grösseres Engagement von der Stadt, doch die Chancen stehen nicht gut.

    Das Gitter vor dem Eingang in der Karstgasse steht offen. Die Elektroheizungen im Bandraum sind kalt. Martin Wanner sitzt auf dem Sessel, Christoph Wanner auf dem Sofa daneben und hat die Winterjacke an. Er ist der Drummer und eines der vier Mitglieder von «Tongue Twister». «Bis im April dauert es, bis wir Genaueres wissen», sagt er. «Noch steht der Auszugstermin nicht fest.»

    Die Zukunft der Bandräume in der Karstgasse ist nicht gesichert, seit die IG Altstadt die Liegenschaften gekauft hat. Wie genau die neue Besitzerin die Liegenschaften nutzen will, ist noch nicht klar. Es ist aber gut möglich, dass «Tongue Twister» im Sommer wieder auf der Suche nach einem neuen Bandraum ist. Betroffen ist auch die Band «Pete Bamboo», die deshalb seit einem halben Jahr einen neuen Proberaum sucht – ohne Erfolg.

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  • Ein Einkommen umsonst

    Mit einem bedingungslosen Grundeinkommen für alle wären wir für die Zukunft gerüstet, behaupten die Befürworter dieser radikalen Idee.

    Im letzten Frühling haben sich zehn Leute aus der ganzen Schweiz und mit unterschiedlichem politischem Hintergrund an einen Tisch gesetzt. Ihr Ziel ist, ein bedingungsloses Grundeinkommen in der Schweiz einzuführen. Da­niel Straub ist einer von ihnen: «Immer mehr Güter und Dienstleistungen werden heute in immer weniger Arbeitsstunden hergestellt», sagt der 42-jährige Luzerner. Dies habe zur Folge, dass die Volkswirtschaft wachse, während immer weniger Arbeit nachgefragt werde.

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  • Kampf gegen Windmühlen

    Matthias Frick über die Revision der Baugesetze in der Schweiz.

    Derzeit revidieren viele Kantone ihre Baugesetze nach den Vorschlägen der Konferenz der kantonalen Energiedirektoren. Schaffhausen hat kein Energiegesetz, weshalb nur über das Baugesetz Energieeffizienz angestrebt werden kann. Gerade bei Neubauten oder Gebäudesanierungen ist die Anwendung hoher Standards von eminenter Wichtigkeit, denn die meisten Häuser bleiben uns für Generationen erhalten. Die Revision geht aber über das eigentliche Bauen hinaus: Auch um technische Einrichtungen kümmert sich das Baugesetz, sowie um eine vorausschauende Planung als Grundlage einer nachhaltigen Siedlungsentwicklung.

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  • Alles liberal, oder was?

    Liberal ist ein hübsches Schlagwort. Es bedeutet freiheitlich. Wer will nicht frei sein von Zwängen, von Druck, von Armut, von Krankheit? Liberal ist aber nicht gleich liberal.

    Schutz oder Freiheit? Die Freiheit steht klar im Vordergrund, weshalb sich die FDP «die Liberalen» nennen, sich eigentlich alle Parteien als liberal bezeichnen und sich keine Partei dazu entschliesst, «die Präventiven» auf die Flagge zu schreiben. Die Frage ist, wie viel Schutz benötigen wir, um die Freiheit gewährleisten zu können. Unterschiedlicher könnten die Meinungen der Parteien in dieser Hinsicht kaum sein.

    «Liberalismus ist eine Gesellschaftskonzeption, welche die individuelle Freiheit und Selbstverantwortung betont», lautet die Definition im Gabler Wirtschaftslexikon. Die Freiheit wird aber immer eingeschränkt, etwa durch präventive Massnahmen wie ein Kampfhundeverbot. SP-Kantonsrat Werner Bächtold meint: «Mehrheitsentscheide müssen auch dann respektiert werden, wenn die eigene Freiheit dadurch eingeschränkt wird. Die eigene Freiheit stösst an Grenzen, wenn man dadurch die Freiheit eines anderen Menschen einschränkt. Ebenso stösst man an Grenzen, wenn man sich selber massiv gefährdet.» Gemäss dieser Definition können sich wohl alle Parteien als liberal bezeichnen.

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  • Dreckschleudern zu Weihnachten

    Manuel Käppler über Abgasschleudern als Lotteriepreise und den Kampf gegen Emissionen.

    PolitikerInnen diskutieren gerne über Klimaziele. Doch ein konsequentes Umdenken hat nicht stattgefunden, denn die staatliche Lotterie verlost Dreckschleudern.

    Wenn heute diskutiert wird, wie der Klimawandel abzubremsen oder gar zu stoppen sei, kommen haufenweise PolitikerInnen, WissenschaftlerInnen und WirtschaftsvertreterInnen zusammen. Sie diskutieren über Grenzwerte, Emissionshandel und Reduktionsziele, und versuchen, eine globale Einigung zu erzielen.

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  • «Weniger sinnlose Boni»

    Die Befürworter suggerieren, dass alle Fachleute für die Senkung des Umwandlungssatzes (BVG) sind. Christoph Häberli, der Präsident der Pensionskasse des Baumeisterverbandes, widerspricht.

    Vierzig Pensionskassenfachleute kämpfen gegen die Änderung des Mindestumwandlungssatzes. Christoph Häberli, weshalb stehen Sie als Stiftungsrat der Pensionskasse des Baumeisterverbandes öffentlich gegen die Senkung ein?

    Christoph Häberli: Es gibt gute Gründe für die Annahme, dass weder die Lebenserwartung stetig und linear zunehmen wird, wie dies die Rentensenkungs-Experten behaupten, noch dass die Renditeerwartungen tatsächlich über Jahrzehnte so tief sein werden wie in den letzten Jahren. Selbst die NZZ hat kürzlich geschrieben, dass nicht alle, sondern nur «eine Mehrheit» der ExpertInnen und StiftungsrätInnen für eine Senkung sei. Eine offizielle Abstimmung gab es meines Wissens aber nie. Der Experte unserer Pensionskasse ist beispielsweise anderer Meinung.

    Wie kommen Sie zum Schluss, dass die Rendite höher ausfallen sollte?

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  • Der Spass geht weiter

    Das Treffen von gut 200 Linken aus der gesamten Schweiz in Schaffhausen vom vergangenen Herbst löste ein grosses Medienecho aus. Seither hat man in der Öffentlichkeit nicht mehr viel von dem ehrgeizigen Projekt, eine nationale Linke zu gründen, gehört. Das heisst aber noch lange nicht, dass die Anstrengungen gestoppt wurden – im Gegenteil.

    Verschiedene Arbeitsgruppen bereiten die offizielle Parteigründung der «Alternativen Linken» vor. José Krause von der Alternativen Liste Schaffhausen ist in der Gruppe, die ein Grundsatzpapier mit den wichtigsten politischen Leitgedanken und Forderungen der zukünftigen Partei ausarbeitet. Die Idee sei es, laut José Krause, ein kompaktes Papier mit sieben bis zehn generellen Zielen zu verfassen.

    Eine weitere Gruppe ist daran, einen Statutenentwurf für die Partei auszuarbeiten. Die AL Schaffhausen ist mit Flo­rian Keller in besagter Gruppe vertreten. Laut Keller habe man sich schnell gefunden und die Statuten im Wesentlichen formuliert. Dennoch gebe es noch einige wichtige Fragen zu klären. So zum Beispiel, unter welchen Bedingungen bestehende Kantonalparteien in die «Alternative Linke» integriert werden können.

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