Die Tanztheatergruppe «Kumpane» zeigt in ihrer neusten Produktion «vom Einsetzen und Absetzen», wie Menschen in ihrer Arbeit auf- und untergehen können.

Präzise und bestimmt bewegt sich die Verlegerin zum Rhythmus eines Druckers. Das Büro auf der Bühne kommt mit wenig Mobiliar aus, doch es geht geschäftig zu und her. Ein Buch soll verlegt werden: Die Geschichte von Fritz Jordi, Drucker und Anarchist der 1920er Jahre.

Wird das aber jemand lesen wollen? Die Verlegerin beginnt zu zweifeln. Und wie Jordi sich seinerzeit im Tessin absetzte, steigt sie aus. Die Combox-Nachrichten häufen sich, ins Büro geht sie nur noch nachts und ihre Konzentration gerät aus den Fugen.

Kumpane bietet eine kaleidoskopische Sicht auf die innere Auseinandersetzung mit dem Sinn der Arbeit und stellt ein wohl bekanntes Dilemma künstlerisch dar. Die Suche nach einer gesellschaftlich relevanten Tätigkeit und die Notwendigkeit der Lohnarbeit begegnen sich, im Einklang für einen Moment, um dann wieder zu konkurrieren.

Tina Beyeler und Sebastian Krähenbühl haben sich von den Bildern der sozialistischen ArbeiterInnen inspirieren lassen. Ihr Tanz hat Charakter und fasziniert durch eine gewisse Ruckartigkeit. Sandro Corbat und Ulrich Pletscher ergänzen die Szenerie durch ihre gekonnten Musikeinlagen.

Die Texte stammen vom Autor Andri Beyeler, der sich dem Leben und Wirken von Fritz Jordi angenommen hat, und nach intensiver Recherche dieser vergessenen Figur der sozialistischen Medienlandschaft eine Stimme verleiht. Oft geschieht dies mittels Jordis eigenen Worten, denn viele der Passagen sind Auszüge aus Quellen. Das Bühnenbild ist Kulisse und Arbeitsfläche zugleich und wird klug in die Inszenierung integriert. Die Herzen der LiebhaberInnen von modernen Tanztheater werden höher schlagen.

Die Geschwister Beyeler – Kopf und Rückgrat von Kumpane – feilen derzeit mit ihren TeamkollegInnen an den letzten Details. Muss hier und da ein Satz geändert werden, oder liegt es an der Umsetzung auf der Bühne? Die kleinen Streitigkeiten zeugen von grosser Leidenschaft und gegenseitigem Respekt. Sie sind bereit für die Premiere im Stadttheater. In der Schaffhauser Kultur- und Kunstszene zu arbeiten, ist für die ganze Gruppe eine Freude. Tina Beyler meint, ihr Können werde vom Publikum geschätzt und von Stadt und Kanton gefördert. Das brauchte Ausdauer, jahrelanges Engagement als Freischaffende und auch etwas Glück.

Video von art-tv.ch

 


kumpane: «vom einsetzen und absetzen», im stadttheater schaffhausen
Sa. 15. November 2014, 17:30
Di. 18. November 2014,  19:30
Koproduktion Stadttheater Schaffhausen, Tanzhaus Zürich, Kulturbüro Friedrichshafen, Phönix Theater Steckborn
von und mit Tina Beyeler, Sebastian Krähenbühl, Sandro Corbat, Ulrich Pletscher
Text, Dramaturgie Andri Beyeler
Bühne Angelica Paz Soldan
Licht Fiona Zolg
Kostüme Diana Ammann
Endregie Manuel Bürgin

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