Die zweite Staffel «Bild mit Ton» ist letzte Woche angelaufen. Die drei ProduzentInnen haben alte Filme mit eigener Tonspur ergänzt, das Motto der Sendung ist es, «keine SRF-Sendung zu sein».

Cyrill Oberholzer und Lara Stoll (rechts) sagen Nicole Knuth, wo's lang geht.

Die Satiresendung «Bild mit Ton» ist ein tabubrechender Querschläger. Dass es Bild und Ton gibt, ist wohl das einzige, was an der Sendung konventionell ist. Dramaturgie, Schnitt und Sprache kriegt man von den Schweizer Sendern so nicht vorgesetzt. Der Humor ist derb, die Szenen wirr und das Tempo wechselt dauernd. Wer sich vom TV einfach nur berieseln lassen will, der wird enttäuscht– abgesehen von der fünfminütigen Schlussszene der ersten Folge, die friedlich weidende Bisons zeigt.

Die zweite Staffel von «Bild mit Ton» hält, was man sich nach der ersten Staffel von den ProduzentInnen Lara Stoll, Cyrill Oberholzer und Dominik Wolfinger versprochen hat. «Leute, die `Southpark` dumm finden, werden uns wohl auch nicht mögen», erklärte Cyrill am letzten Drehtag im vergangenen Dezember dem Lappi. «Bekifft schauen hilft.»

Die drei StudentInnen der Zürcher Hochschule der Künste (ZhdK) sind für die Regie und die Produktion verantwortlich. Im Unterschied zur ersten zeigen sie in der neuen Staffel allerdings keine Zusammenschnitte aus verschiedenen Filmen, sondern zerschnippeln einen einzigen alten Streifen, an dem niemand die Rechte gesichert hat, und legen eine neue Tonspur darüber.

Die Filme stammen aus den 60er- und 70er-Jahren. Für die Staffelpremiere haben die drei vergangene Woche «Night of the Living Dead» (1968) hervorgekramt. Ihr Remake nennen sie «Das Haus in dem man LSD konsumierte», die Zombies werden zu FundraiserInnen und Billag-GebühreneintreiberInnen. Anschliessend an die verballhornten Filme folgt jeweils noch eine «Sternstunde Schweizerfilm», in der das Werk besprochen wird.

Überhaupt haben sie es nicht so mit dem Schweizer Fernsehen SRF. Lara kann sich nicht vorstellen, eine Produktion für das SRF zu machen. «Da würde es wohl drei Jahre gehen, bis das Konzept für die Sendung überhaupt abgesegnet ist», meinte Stoll. Cyrill Oberholzer setzt nach. «Das Motto der Sendung ist es, keine SRF-Sendung zu sein. Etwa so wie die Macher von `Eine schrecklich nette Familie` mit Al Bundy das Ziel hatten, das Gegenteil der `Bill-Cosby-Show` zu machen.»

Wieder sechs Folgen, aber doppelt so lang

Die einzelnen Folgen sind mit 48 Minuten doppelt so lange wie diejenigen der ersten Staffel. «Die Folgen dauern länger, damit der Film atmen kann», sagte Lara. «Wenn man einen Film mit 90 Minuten auf 10 Minuten zusammenkürzt, würde etwas wenig rauskommen.»

Mit zum fünfköpfigen Team, das im vergangenen Jahr in Winterthur im Studio des Schweizer Sport- und Szenefernsehens (SSF) die sechs Folgen gedreht hat, gehören wie schon bei der ersten Staffel Pia Meier und Benoit Barraud, die für die Ausstattung und den Ton verantwortlich sind.

Die erste Folge wurde am letzten Montag ausgestrahlt, heute folgt nun der zweite Streich. Zu sehen ist «Bild mit Ton» auf bildmitton.tv und im SSF, das erneut als Sponsor auftrat und auch Equipment für den Dreh zur Verfügung gestellt hat.

«Sponsoren zu finden, ist schwierig», erzählte Pia dem Lappi am letzten Drehtag. «Wir haben es deshalb gar nicht gross versucht, sondern eher bei Film- und Kulturförderungsinstitutionen angefragt.» Und Cyrill ergänzte: «Es ist schwierig, für eine Fernsehproduktion Geld von den Förderstellen zu erhalten.» Neben Förder- und Sponsorengeldern haben sie sich einige Tausend Franken über Crowdfunding besorgt und noch viel mehr aus der eigenen Tasche berappt.

Als SchauspielerInnen haben sie viele Laien und Kinder verpflichtet, manchmal konnten sie aber auch erfahrenere Leute gewinnen. Wie am Donnerstagnachmittag beim Lappi-Besuch, als die beiden Kabarettistinnen und Preisträgerinnen des Salzburger Stiers, Nicole Knuth und Olga Tucek, im Eso-Fummel vor der Kamera standen, oder eher sassen, und den Anweisungen der Regie folgten («Der Zuschauer muss sich von Dir bedroht fühlen, Du musst einen Blick-Fick machen», Cyrill). Als SprecherInnen haben sie unter anderem Beni Thurnheer, Patrick Frey und Frank Baumann für einen Gastauftritt motivieren können.

«90 Prozent der Leute erhalten nichts», sagte Pia und meint damit auch das fünfköpfige Team. «Wir kommen wohl gerade eben raus, vielleicht reicht es noch für ein Fest mit allen.» Der Aufwand dagegen ist riesig.

Die letzte Staffel von «Bild mit Ton»

Die Ausstrahlung der zweiten Staffel hatten sie schon für den Juni des letzten Jahres vorgesehen. Bald mussten sie allerdings feststellen, dass ihre Freizeit nicht ausreicht, um das ambitionierte Ziel zu erreichen. Erst verschoben sie den Termin in den September und schliesslich wurde es nun Januar. «Wir sind ein bisschen perfektionistisch», meinte Lara.

Der finanzielle und zeitliche Aufwand ist aber nur ein Grund, weshalb es wohl die letzte Staffel von «Bild mit Ton» sein wird. Ein anderer Grund ist ihre berufliche Entwicklung, denn Lara, Cyrill und Dominik werden bald ihr Studium abschliessen und wollen dann neue Projekte in Angriff nehmen. Ausser ein Sponsor oder ein Sender würde die nächste Staffel komplett finanzieren. «Es wäre aber sehr viel Geld, das wir dann benötigen würden», sagte Lara.

Ihnen wäre sehr zu wünschen, dass sie einen Sponsor finden, der eine weitere Staffel «Bild mit Ton» ermöglichen würde. Doch man darf auch sonst gespannt sein, was die drei in Zukunft vorlegen werden – vielleicht auch wieder mit einem gemeinsamen Projekt.

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