An Kanti und PH arbeiten MusiklehrerInnen, die sich nie bewerben mussten. Jobs für «Lehrbeauftragte» werden an Bekannte oder gar Verwandte vergeben.

An der Pädagogischen Hochschule gibt seit Kurzem der Sohn des Fachbereichsleiters Klavierstunden, obwohl er kein lehr­diplom hat.

Wer an der Kanti und an der Pädagogischen Hochschule Instrumentalunterricht gibt, verdient rund 90 Franken pro Stunde. Damit sind die beiden Institutionen in Schaffhausen die mit Abstand lukrativsten Arbeitgeber für Musiklehrpersonen, die ansonsten trotz langer Ausbildung und guter Qualifikationen oft nur knapp über die Runden kommen.

Esther Hermann, die Schulleiterin der Schaffhauser Musikschule, kann das bestätigen: «Viele unserer Lehrpersonen würden gerne an der Kanti oder der PH unterrichten», sagt sie. «Und zwar nicht nur wegen der wesentlich höheren Löhne, sondern auch, weil man da mit älteren und ambitionierteren Schülern arbeiten kann.»

Doch die begehrten Stellen sind rar und auf dem herkömmlichen Weg kaum zu erreichen. Ausgeschrieben werden sie nämlich nicht. Wenn für den Musikunterricht auf einem Instrument Stellenprozente frei werden, schlägt die Fachschaft eine Lehrperson vor, die sie für geeignet hält. Ein ordentliches Verfahren mit Bewerbungsmappe und kritischer Findungskommission gibt es nicht. Der Rektor – Urs Saxer an der Kanti oder Thomas Meinen an der PH – entscheidet letztlich in Eigenregie über die Anstellung. Ein klassischer Filz also?

Urs Saxer beruft sich auf einen Passus in der Kantonalen Personalverordnung. Dort steht, dass eine Stellenausschreibung nicht erforderlich ist, «wenn die Anstellung in die Kompetenz der Anstalten fällt». Bei Kanti und PH ist genau das der Fall.

Unbürokratisches Verfahren

Regierungsrat Christian Amsler, der für die Bildung im Kanton verantwortlich ist, rechtfertigt die Vergabepraxis: Kanti und PH seien «in sich geschlossene Einheiten. Warum sollen sie nicht auch selbst über die Einstellung von Lehrpersonen entscheiden können?» Ein Blankoscheck sei die Regelung aber keinesfalls, die Anstellungspraxis werde noch von diversen anderen Reglementen beeinflusst. «Höhere Chargen» müssten ganz normal ausgeschrieben werden. Doch wo liegt die Grenze?

Rebekka Argenton, die Administratorin der Kanti, erklärt, dass zwischen «LehrerInnen» und «Lehrbeauftragten» unterschieden werde. Letztere würden über das eingangs beschriebene, unbürokratische Verfahren eingestellt. Der Grund dafür sei simpel: Obligatorische Lektionen wie etwa Deutsch oder Musik, die alle Schüler belegen müssen, könne man lange im Voraus planen.

Wahlfächer wie Gitarren- oder Trompetenunterricht wählen die SchülerInnen erst kurz vor Beginn des neuen Schuljahres. Dann müsse die Schule schnell reagieren können, um die Nachfrage nach spezifischen Instrumentallehrpersonen zu decken. Ein langwieriges Bewerbungsverfahren wäre dabei hinderlich.

Abgesehen von der Einstellungspraxis unterscheiden sich LehrerInnen und Lehrbeauftragte kaum. Einzig bei der Kündigungsfrist gibt es Abweichungen, und Lehrbeauftragte haben während der ersten zwei Jahre befristete Verträge, die in der Regel aber verlängert werden. Die Saläre sind dieselben.

Lehrbeauftragte würden jedoch nur mit kleinen Pensen angestellt, sagt PH-Rektor Thomas Meinen. Und natürlich müssten Lehrbeauftragte – genau wie LehrerInnen – über ein Lehrdiplom verfügen. An der Pädagogischen Hochschule seien derzeit zwölf Personen als Lehrbeauftragte für verschiedene Instrumente beschäftigt, mit Pensen ab drei Stellenprozenten. Vier weitere als LehrerInnen, mit 20 bis 60 Stellenprozenten. «Diese Lehrer-Pensen schreiben wir immer aus. Erst kürzlich wurde so eine Stelle neu besetzt», betont er. Das entsprechende Inserat ist jedoch unauffindbar, zwei schriftliche Nachfragen des Lappi bleiben unbeantwortet.

An der Kantonsschule sind gemäss Urs Saxer sämtliche InstrumentallehrerInnen Lehrbeauftragte. Und Rebekka Argenton räumt ein, dass es durchaus möglich sei, dass Lehrbeauftragte über die Jahre immer mehr Lektionen übernehmen, so dass sie irgendwann mehr Stellenprozente haben können als herkömmliche LehrerInnen. Anfragen zur genauen Pensenverteilung der Lehrpersonen wurden abgewiesen.

75 Prozent-Job ohne Bewerbung

Kürzlich wurde jedoch der Kanti-Gitarrenlehrer Gérard Plouze pensioniert. Seine Lektionen wurden nicht ausgeschrieben, sondern intern aufgefangen, wodurch zwei Gitarrenlehrer gemäss Urs Saxer nun mit 45 beziehungsweise 65 Prozent angestellt sind. Mindestens einer davon unterrichtet zusätzlich an der PH, in einem Pensum von rund 30 Prozent. Das ergibt mindestens 75 Prozent für einen Lehrbeauftragten, der sich nie für seine Stelle bewerben und sich keiner Konkurrenz stellen musste. Das dürfte diversen höchstqualifizierten Musiklehrpersonen aus der Schweiz und dem süddeutschen Raum zu denken geben, die sich mit Freuden auf so gut bezahlte Stellen bewerben würden.

Natürlich sind bei Anstellungen nicht nur fachliche Qualifikationen ausschlaggebend. Urs Saxer sagt, die Kanti habe ein Interesse, die Pensen, wenn immer möglich, zu bündeln und nicht zahlreiche Lehrpersonen mit Kleinpensen anzustellen. In diesem Sinne ramüsieren sich arrivierte Lehrbeauftragte immer grössere Pensen zusammen, von der Schulleitung gefördert, frei nach dem Motto: «Warum in die Ferne schweifen …?»

Das mag man sich auch in der PH gesagt haben, als auf das aktuelle Schuljahr hin sechs Stellenprozente Klavierlektionen frei wurden. «Wir sind froh, können wir auf die Netzwerke unserer Fachbereichsleiter zurückgreifen», sagte Thomas Meinen noch während der Sommerferien. Die Klavierlektionen hat schliesslich der junge Schaffhauser Pianist Joscha Schraff übernommen, Sohn von Werner Schraff, Fachbereichsleiter Instrumentalunterricht an der PH. Joscha Schraff befindet sich noch im Studium, ein Lehrdiplom hat er noch keines. Thomas Meinen verzichtete darauf, diese Anstellung zu kommentieren.

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