Die Schweizer Punk-Rock-Szene ist übersichtlich, aber vielfältig. Die Kontakte sind schnell übers ganze Land verteilt, so entstehen auch Bands wie Shitface.

Die Schweizer Punk-Rock-Szene ist in den meisten Städten verwurzelt. Sie ist klein aber fein. Genf hat die Usine, Basel das Hirscheneck, Luzern den Sedel und Winterthur die Gisi. Doch die grösste Szene gibt es in Zürich, das mit dem Dynamo, dem Klubi und der Hafenkneipe über mehrere Punk-Rock-Lokale verfügt und wo es die meisten Konzerte gibt. In diesem Jahr wird in der Limmatstadt zum ersten Mal das «Obenuse Fest» stattfinden, das mit über 20 Bands in vier Klubs stattfinden soll.

«In der Schweiz ist die Punkszene relativ überschaubar und zu klein, dass sie regional funktionieren würde», sagt Remo Furger. Das gilt auch für die Schaffhauser Band Shitface, für die Remo singt und als Bassist in die Saiten greift. Mit zur Band gehören auch der Schaffhauser Mike Saxer und Johann Waldvogel aus Sargans. «Man kennt sich sehr schnell in der Szene», sagt Remo. Mike spielte früher Schlagzeug bei der Schaffhauser Hardcore Band Fall Apart, Johann schwang die Gitarre bei der Straight-Edge-Kombo Unveil aus dem Rheintal und Remo Furger spielt noch heute bei Plain Zest.

In Schaffhausen sind wohl die meisten Leute aus der Punk- oder alternativen Musikszene miteinander bekannt, doch selbst in der Schweiz kennt man nach ein, zwei Jahren die handvoll Leute aus jeder Schweizer Stadt, die regelmässig Konzerte organisieren und in Bands spielen.

Man bucht sich gegenseitig

«Wenn eine Band mittelmässig gute Musik macht ist sie bald einmal landesweit in der Szene bekannt. Auch im süddeutschen Raum – etwa bis Freiburg – kennen sich viele Bands untereinander und buchen sich gegenseitig gerne als Vorbands für tourende Bands», erzählt Remo. «Man kennt die Veranstalter der verschiedenen Städte und man schiebt sich auch Konzerte zu, welche man selber nicht veranstalten kann.» Shitface selbst ist in der ganzen Schweiz unterwegs – und das nicht nur, weil die Proben teilweise in Sargans stattfinden, sondern auch wegen zahlreicher Konzerte.

Mit ihrem melodischen Skate-Punk ecken Shitface auch ein bisschen an: mit klarem Gesang, eingängigen Rhythmen und einem Mix aus Pop- und Punk-Elementen. Das stösst in der Szene nicht überall auf Anklang. «Punk als nonkonformistische Einstellung gemixt mit Pop? Klingt für viele gleich nach dem Versuch, Mainstream-Musik zu machen, sich zu verkaufen und reich zu werden», sagt Remo. Beim Rock City Battle in der Kammgarn etwa gaben sie statt eigenen Tracks Hip-Hop-Songs von Jay-Z und 2Pac zum Besten und schürten bei einem Konzert in Zürich mit verwursteten Pop-Songs Missmut im Publikum.


top 3 alben der band
:

1. Joyce Manor (Joyce Manor),
2. Idle Will Kill (Osker),
3. Born Dead (Body Count)

Auch bei ihren Texten greifen sie nicht politische Themen auf, sondern mehr Persönlich-Emotionales. «Das wird für viele Kommando-Vollsaufen-Punks schnell zu langweilig oder zu wenig hart», sagt er. «Denen sind wir dann zu wenig Punk für die Punkszene, was uns automatisch wieder mehr Punk macht.» Ernsthafte Konflikte gebe es deswegen aber keine.

In Schaffhausen selbst gibt es ebenfalls eine lebendige Szene. Bis vor Kurzem etwa durch die Konzerte im berüchtigten Keller-Bandraum von Plain Zest in der Schaffhauser Altstadt, wo Shitface ihr erstes Konzert spielten. «Es erstaunt mich immer wieder, wie viele Leute in Schaffhausen Musik machen», sagt Remo. «Für die kleine Stadt bilden sich recht viele Bands, die musikalisch echt top sind.» Als Beispiel nennt er Deadverse oder das Lo Fat Orchestra. «Die machen echt klasse Musik, welche locker international mithalten kann. Auch konzerttechnisch ist immer etwas los, für die Grösse der Stadt echt super.»

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