Der Erstling von Marco 3000 rockt und funkt mit starkem ­Schaffhauser Groove. Aus den Boxen dröhnt es deutlich: «Ich bin noch da!»

Was sind schon fünf Songs? Verdammt viel, wenn es um diese fünf hier geht: «Gizmos wedding», «Bar with balls», «Rosa», «City called Schaffhausen» und «Rumpelblues» – allesamt auf der allerersten Platte von Marco 3000. In diesen fünf Songs stecken fünf Jahre harte Arbeit. Aber von vorn.

Das Ein-Mann-Trash-Musik-Phänomen Marco Del Ferro (der Schaffhauser mit italienischen Wurzeln spielt die Gitarre wie ein Funk-Bassist, der zu viel Punk gehört hat, und covert derart Songs von Stahlberger oder Jovanotti) arbeitet 2009 erstmals an eigenen Songs. Und um sich den Kindheitstraum von der eigenen Platte zu erfüllen, gründet er mit Marc Zimmermann am Bass und Regi Hauser am Schlagzeug eine Band: Marco 3000.

«Bar with Balls» von Marco3000 ist in der eponymen Schäferei erhältlich. Zum Anfixen gibt's Marco 3000 veröffentlicht Album «Bar with Balls».

Bald sind fünf Songs geschrieben und geprobt, doch statt den Aufnahmen folgt eine Arbeit, die nur schwer in Worte zu fassen ist. Ein Versuch könnte etwa so lauten: Marco Del Ferro muss diese fünf Songs von Grund auf neu spielen lernen, denn noch im selben Jahr wird in seinem Kopf ein murmelgrosser Tumor entdeckt und die Operation misslingt. Er erleidet eine Hirnblutung, fällt ins Koma und kann nach dem Aufwachen weder laufen noch sprechen oder eine Gitarre bedienen. Die Jahre darauf kämpft er sich durch die Reha, immer unterstützt von Familie und Freunden, und schafft es im Spätsommer 2012 endlich, seine Songs mit der Band einzuspielen.

«Halb Schaffhausen hat mir bei der Platte geholfen»

Marco Del Ferro ahnt nicht, dass er sich bis zu ihrer Veröffentlichung zwei weitere Jahre wird gedulden müssen. Dieses Mal ist für die Verzögerung aber glücklicherweise nur eine musikalische Operation verantwortlich. Samuel Hartmann, der die Aufnahmen im Startrack Studio gemacht hat, merkt beim Abmischen im eigenen Tonstudio über dem Cardinal, dass er auf dem üblichen Weg nicht weiterkommt, wenn die Songs von Marco 3000 auf Platte funktionieren sollen. Andere Projekte kommen dazwischen (je eine EP von Cobra Death und dem Lo Fat Orchestra 2013), und das Material liegt fast eineinhalb Jahre brach, bis Hartmann mit einer radikalen Methode doch noch der Durchbruch gelingt: Er programmiert ganze Schlagzeugparts neu, spielt hier einen neuen Basslauf oder dort eine neue Gitarrenmelodie zum bereits aufgenommenen Gesang. So gehts plötzlich schnell und die Songs sind in wenigen Wochen fertig produziert.

Das Resultat kann sich hören lassen: «Rosa» (böse Gitarrenriffs über einen stampfenden Beat treiben das beiläufig bis schnoddrig vorgetragene Italienisch von Marco Del Ferro in ein kreischendes Gitarrensolo) ist ein hitverdächtiges Stück Rock geworden. Und wem der Refrain von «Gizmos wedding» nicht nachläuft, ist ein emotionsloser Klotz. Zusammen mit dem titelgebenden «Bar with balls», einer Trash-Funk-Hommage an die Stammbeiz (ganz gross: das «Sch-Sch-Sch-Schäferei» der Hintergrundstimmen), dem leicht irren «City called Schaffhausen» und dem nicht weniger betrunkenen «Rumpelblues» macht das fünf richtig gute Songs. Was sind schon fünf Songs? Ein wahr gewordener Kindheitstraum. Ein kleines Wunder angesichts ihrer Geschichte. Nach allem aber: eine wahre Freude, wenn sie erst einmal durch die Boxen gejagt werden.

Heute, da dies endlich möglich ist, sagt Marco Del Ferro: «Halb Schaffhausen hat mir bei dieser Platte geholfen.» Er sagt auch: «Mit dieser Platte wollte ich den Leuten zeigen: Ich bin noch da!» Zu unserem Glück. Und wie!

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