In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch feierten die Kadetten Schaffhausen im Cuba Club ihren achten Meistertitel. Mit dabei: der Wanderpokal der Swiss Handball League. Mitten in der Nacht war die Trophäe plötzlich verschwunden.

Am Mittwoch Morgen meldete sich der «Entführer» bei der Lappi-Redaktion. Er habe den Pokal spontan mitgenommen und wolle diesen – unter bestimmten Voraussetzungen – anonym an die Kadetten zurückgeben.

Der Lappi nahm daraufhin mit den Kadetten Kontakt auf und konnte am Donnerstag, 28. Mai – weniger als 48 Stunden nach dem Sieg der Kadetten – eine Übergabe organisieren, bei der die folgende Stellungnahme des «Entführers» verlesen wurde.


Stellungnahme
Vorneweg: Es war keineswegs meine Absicht, den Kadetten oder dem Handballsport zu schaden.
Als ich in der Nacht auf Mittwoch auf meinem Heimweg am Cuba Club vorbeiging, war dort ein rauschendes Fest im Gang. Ich ging rein um zu schauen, was los war. Ich merkte, dass die Kadetten gerade ihre Meisterschaft feierten, und als Kadetten-Sympatisant entschied ich mich, auch noch ein Bier zu trinken. Die Stimmung war super, etwa 50 Spieler und Fans feierten ausgelassen.
Dann sah ich plötzlich den Pokal. Er stand völlig unbeachtet neben der Eingangstür. Also ging ich hin, um ihn mir ein wenig genauer anzusehen. Schon von weitem sah der Pokal nicht gerade prächtig aus und schien schief zu stehen. Von nahem aber machte er den Eindruck eines Fünftliga-Wanderpokals. Er bestand nicht aus massivem Metall, sondern aus dünnem Blech, das rostig und verbeult war. Ausserdem war er nicht richtig zusammengebaut, so dass er mehr Seitenlage hatte als die Spieler selbst. Was ist denn das für eine lumpige Schüssel, dachte ich mir. Ich habe bei Grümpeltournieren schon schönere Pokale gewonnen. Den Kadetten, der erfolgreichsten Schweizer Handballmannschaft ist dieses Ding nicht würdig.
Darüber ärgerte ich mich und entschied mich spontan, den Pokal mitzunehmen. Ich dachte, sobald die Kadetten den Verlust feststellen, sorgen sie für einen besseren Ersatz. Ich nahm den Pokal in die Hand, und als ich merkte, dass sich immer noch niemand für ihn interessierte, ging ich damit aus dem Lokal und nach Hause.
Als der Pokal am nächsten morgen bei mir auf dem Stubentisch stand, war es mir nicht mehr ganz geheuer. Ich überlegte mir, das Ding in einer Tasche heimlich bei der Kadetten-Halle abzustellen. Andererseits wäre dann ja niemand auf den schlechten Zustand der wichtigsten Schweizer Handball-Trophäe aufmerksam geworden.
Ich wandte mich an den Lappi und fragte, ob das Magazin die Sache publik machen könnte. Die Redaktion schlug vor, den Pokal öffentlich und ohne meinen Namen zu nennen, zurückzugeben. Ich war einverstanden unter der Bedingung, dass dieses Schreiben verlesen wird.
Meine Bitte: Die Kadetten sollen zur Feier ihres Meistertitels einen neuen Pokal spenden, der diesen Namen auch verdient. Das ist wahrscheinlich nicht einmal sehr teuer, und die Kadetten verfügen bekanntlich dank Giorgio Behr über genügend finanzielle Mittel.
Ich gratuliere den Kadetten zu ihrem erneuten Meistertitel und wünsche weiterhin viel Erfolg. Ich würde mich sehr freuen, wenn sie beim nächsten Sieg eine schönere Trophäe gewinnen könnten.

Teamcaptain David Graubner nahm die kurzzeitig verschollene Trophäe entgegen und erzählte, er habe den Verlust des Pokals erst bemerkt, nachdem der Lappi mit den Kadetten Kontakt aufgenommen hatte, um die Übergabe zu organisieren. «Der Pokal macht jedes Jahr die Meisterfeier mit», sagte Graubner, was auch die mitgenommene Erscheinung des Kübels erkläre. Er lieferte eine kleine Anekdote von der letzten Meisterfeier der Kadetten: «Der Pokal hatte damals noch einen Steinsockel, der allerdings die Feier nicht überstand. Wir mussten deshalb den heutigen Holzsockel anfertigen lassen.»

Kadetten-Manager Gabor Vass erklärte, es handle sich nur um den Wanderpokal, der nach der Meisterfeier jeweils wieder an den Verband zurückgegeben werde. Für das Trophäenregal in der BBC-Arena würden die Kadetten Schaffhausen natürlich noch einen «richtigen» Pokal erhalten.

Deshalb sei es auch nicht Sache der Kadetten, einen neuen, schöneren Wanderpokal zu besorgen, so Vass. David Graubner räumte allerdings ein, dass sein Team wohl für einen Ersatz hätte aufkommen müssen, wenn der Pokal nicht mehr aufgetaucht wäre.

Eine Anfrage des Lappi bei einem Schaffhauser Pokalgeschäft, das am Wanderpokal der Swiss Handball League beim letzten Meistertitel der Kadetten Gravurarbeiten ausgeführt hatte, ergab: Pokale in der gleichen Grössenordnung gibt es bereits für 100 bis 200 Franken.

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