Beim Erfolgstest mittels Balken und Kurven rasselt das Schaffhauser ­Standortmarketing durch.

Unternehmenssteuern:  Entwicklung seit 1990

Die Schaffhauser Wirtschaftsförderung wird nicht müde, ihre Leistungen im Standortmarketing zu bejubeln. Der kürzlich erfolgte Rücktritt von Chef-Wirtschaftsförderer Thomas Holenstein bot erneut Anlass dazu. Zahlreiche internationale Firmen hätten ihren Standort nach Schaffhausen verlegt, darunter Tyco, John Deere, OBI oder Unilever. Was aber bringt das dem Kanton finanziell? Der Blick auf die Erträge aus den Unternehmenssteuern zeigt: Seit 1990 hat der Kanton konstant mehr Geld von den hier ansässigen Unternehmen erhalten. Aber: seit 2008 sind die Erträge aus den Unternehmenssteuern rückläufig. Von 48,3 Millionen Franken sind sie auf 37,8 Millionen im Jahr 2012 gesunken. Das entspricht einem Einbruch um 22 Prozent. Dieser Rückgang ist mit ein Grund für den serbelnden Kantonshaushalt. Dieser ist nach den goldenen End-Nuller-Jahren seit 2010 wieder rot, mittlerweile tiefrot. Übrigens: Für die Wirtschaftsförderung gibt der Kanton pro Jahr drei Millionen Franken aus.

Quelle: Staatsrechnung 2012 des Kantons Schaffhausen

Tourismus: Logiernächte pro Kopf nach Kanton

Rheinfall, Munot, Altstadt: Schaffhausen hat touristisch einiges zu bieten. In einem halben Tag hat aber selbst der gemächlichste Tourist alles gesehen, und zieht weiter. Übernachten in Schaffhausen? Kein Bedarf. Was die Anzahl Logiernächte pro Kopf betrifft, ist der Kanton Schaffhausen Entwicklungsland. Immerhin noch vor dem Thurgau, der mit Ausnahme des Conny-Lands gerade noch ein paar Apfelbäume vorzuweisen hat.

Nun wollen Kantons- und Regierungsrat mit einem neuen Tourismusgesetz die Logiernächte steigern. Unter anderem mit jährlich 450'000 Franken Steuergeldern aus dem tiefroten Kantonshaushalt (siehe oben). Damit soll der Tourismus-Standort Schaffhausen besser vermarktet werden. Die Frage ist: Lohnt sich das? Zweifel sind angebracht. Das touristische Angebot wird sich allein durch eine bessere Vermarktung nicht erhöhen. Es werden vielleicht ein paar Touris mehr kommen. Aber auch diese haben Schaffhausen in einem halben Tag abgehakt. Übernachten in Schaffhausen? Kein Bedarf.

Quelle: Bundesamt für Statistik

Bevölkerung: Entwicklung im Kanton Schaffhausen und in der Schweiz

Schaffhausen hat ein Überalterungsproblem. Rund 30 Prozent der Bevölkerung sind über 60 Jahre alt. Damit steht der Kanton im nationalen Vergleich an zweiter Stelle.

Auch für die Zukunft sieht es nicht rosig aus; in der Schweiz nimmt die Geburtenrate seit 2004 stetig zu, so auch in Schaffhausen, jedoch auf deutlich tieferem Niveau. Es ist also zu erwarten, dass sich das Problem der Überalterung primär durch Ansiedlung von Familien bewältigen lässt – andernfalls droht die Schaffhauser Bevölkerung sogar zu schrumpfen.

Quelle: Bundesamt für Statistik (BFS)

Raumplanung: Wohnungsbau und Raumnutzung in Schaffhausen

Die SchaffhauserInnen beanspruchen Platz. Viel Platz.  Mit rund 50 Quadratmeter Wohnfläche pro Person steht Schaffhausen hinter dem Thurgau an der Spitze der Schweizer Kantone. Dementsprechend hoch ist das Potential zur Verdichtung. Lange bestand jedoch kein Anreiz zum verdichteten Bauen; Schaffhausen hat Baulandreserven wie fast kein anderer Kanton, welche sich mehrheitlich in den ländlichen Gemeinden befinden.

Das revidierte nationale Raumplanungsgesetz, das 2013 vom Volk angenommen wurde, zwingt Schaffhausen nun zum Handeln. Das Gesetz soll die Zersiedelung eindämmen. Der Kanton Schaffhausen wird seine Baulandreserven massiv verringern müssen. Als einziger deutschschweizer Kanton überschreitet er die gesetzliche Vorgabe. Vor allem die ländlichen Gemeinden wehren sich gegen Umzonungen. Diese haben in den letzten Jahren Bauland eingezont, um auch künftig wachsen zu können und so mehr SteuerzahlerInnen zu gewinnen. Dieser Praxis wird nun zwar Einhalt geboten, die Zersiedelung schreitet aber trotzdem weiter voran – Bauland gibt es noch genug.

Quelle: Bundesamt für Statistik (BFS), Baudepartement Kanton Schaffhausen, Bauerhebung 2013/2014

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