Der Schaffhauser Mundart-Troubadour Christoph Bürgin veröffentlicht sein erstes Solo-Album. Für ihn ist Dieter Wiesmann «dä Scheff».

Trotz seiner gemütlichen Zurückhaltung: Christoph Bürgin ist ein kerniger Typ, fast zu freundlich für diese Welt, aber kernig. Er mag: urchige Schaffhauser Mundart, Folkmusik, Country, eine Prise Jazz und Blues; Anekdoten, von uralt bis nur alt, und neue Geschichten. Und er liebt es, diese Stories selbst zu erzählen – in selbigem Dialekt und umrahmt von selbiger Musik.

58 Jahre alt musste Bürgin werden, um das zu tun. Nun veröffentlicht der Musiker sein erstes Soloalbum, «Chömmer so lo» heisst es, elf Mundartlieder sind drauf, und um es gleich vorweg zu nehmen: Die Scheibe, «miini Chischte», nennt Bürgin sie, kann durchaus so belassen werden, wie sie ist.

«A de Bar umehange, suufe, Trüebsal blose und uf d Fräss übercho – da bi nid ich», erzählt Bürgin. Er gastiert nicht in billigen Motels, ist nicht dauernd on the road und lebt auch nicht am Rand der Gesellschaft. Bürgin macht Musik für die Bürger, mal nachdenklich, mal munter, doch ist er weder Rebell noch Querdenker, sondern einfach ein guter Geschichtenerzähler. Und das will er möglichst authentisch tun, was bedeutet: von Dingen erzählen, mit denen er sich identifizieren kann, regionalem Kram halt – er möchte schliesslich sagen können: «Da isch miini Gschicht.»

Authentisch zu sein bedeutet für Bürgin aber auch, im Schaffhauser Dialekt zu singen. «I dä Mundart häsch kein Filter, es isch eifach am gröbschte.» Damit lasse sich vieles exakter wiedergeben. «Hundsverlochete zum Biischpiel isch eifach ä geils Wort», findet Bürgin. Dafür gebe es kein Synonym im Schriftdeutschen.

Christoph Bürgin: «Chömmer so lo», Eigenvertrieb. Erhältlich auf seiner Webseite www.christophbuergin.ch.

«Die aalte Säck hönd verzellt», singt der Mundart-Troubadour im gleichnamigen Lied, «Die aalte Säck hönd verzellt: Sind mitm Weidling bis uf d Riichenau. Mit Rueder und Schtachel, ohni Motor – wenni gross bi, machi da au.» Daneben schaukelt ein jazziges Piano hoch und zurück, ab und an begleitet von einer E-Gitarre. Es ist ein lakonisches Zitat des Palavers der Alten, bestehend aus kleinen Anekdoten. Denn Bürgin versteht sich auch als Sammler; zuhause hat er ein umfangreiches, im Laufe der Jahre zusammengestelltes Geschichten-Archiv mit Kuriositäten aller Art. «Es git so viel Stories do», meint er, «aber niemert nimmt sich däne aa.» Genau in dieses Vakuum tritt Bürgin und greift alles auf, was sonst nirgends Platz findet – oder vergessen zu gehen droht. Zum Beispiel eine Dampfschiff-Katastrophe auf dem Untersee, anno 1869. Oder den Schaffhauser Spruch «Da da da tar», der kaum verschriftlicht wurde.

Begleitet wird Bürgin vom Berner Jazzpianisten Mark Koch, sowie von Peter Fischer (Drums) und Heidi Moll (Bass); produziert hat die Lieder Olifr «Guz» Maurmann vom Startrack-Tonstudio an der Neustadt. Musikalisch ist «Chömmer so lo» nicht besonders aufregend, meist grundsolide, manchmal sogar etwas belanglos. Im Zentrum stehen ohnehin Christoph Bürgins grübelnde Texte, die er mit seiner ruhigen Stimme vorträgt, die zwischen rhythmischem Sprechen und vorsichtigem Gesang variiert. So wirkt der Musiker am glaubhaftesten, wenn er seine Geschichten ganz alleine erzählt, nur vom eigenen Gitarrenspiel untermalt.

Nicht nur deshalb drängt sich der Vergleich mit Dieter Wiesmann auf. «Dä isch natürli dä Scheff», lacht Bürgin. Allerdings habe der einen ganz anderen, fast schon akademischen Zugang zur Musik. «Diä Studenteromantik chönnt ich nid überäbringe, da wär nid ich.» Und schliesslich wolle er auch hinter seinem Schaffen stehen können. «Dodefür heb ich jo au miini Bire ane.»

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