Gregor Gysi, Fraktionspräsident «Die Linke» im deutschen Bundestag, spricht im Lappi-Interview über linke Europapolitik, das Verhältnis der Schweiz zur EU und die Mobilisierung des unteren Viertels. Ausserdem freut er sich über das Ende der Überwachung seiner Person und der Linkspartei.

Bilder: Yann Aders

Gregor Gysi, in ganz Europa sind ultrakonservative bis rechtsradikale Parteien auf dem Vormarsch und vernetzen sich. Ist die Europäische Linke, die Internationale, dagegen nicht im Hintertreffen?

Eine Auswertung des Abstimmungsverhaltens des parteilosen Ständerates Thomas Minder zeigt, dass der Schaffhauser Unternehmer am häufigsten nicht mit seinen SVP-Fraktionskollegen stimmt.

Thomas Minder wurde im Herbst 2012 von der Schaffhauser Bevölkerung in den Ständerat gewählt. Im Abstimmungskampf half ihm sein Engagement für «seine» Abzocker-Initiative. Heute, eineinhalb Jahre nach der Annahme der Initiative, glauben nur noch 42 Prozent der Bevölkerung, dass die Lohnsysteme damit gerechter werden. Das zeigte jüngst eine Umfrage des Beratungsunternehmens hkp. Die Initiative löste lediglich einen Sturm im Wasserglas aus.

Carlos Abad alias Gran Purismo ist der nicht wählbare Kandidat der Alternativen Liste für den Schaffhauser Stadtrat. Der Musiker mit spanischem Pass hat den Abstimmungskampf für das Ausländerstimmrecht eröffnet.

Carlos Abad, ist deine Kandidatur wirklich nur ein «Jux», wie die «Schaffhauser Nachrichten» berichteten?

Carlos Abad: Es war mir klar, dass meine Kandidatur als Jux wahrgenommen werden könnte. Aber auch wenn die Kandidatur an sich nicht ernsthaft war, der Grund, der dahintersteckt, ist es sehr wohl. Ich wollte mit der Kandidatur einen Denkanstoss geben, eine Botschaft vermitteln, und das ist mir gelungen. In den Sozialen Medien wird viel über das Ausländerstimmrecht diskutiert.

Es ist bereits bekannt geworden, dass Du als Ausländer gar nicht wählen und stimmen darfst. Ist die Aktion für dich damit vorbei?

Seit 2003 ist die Schaffhauser Stimmbevölkerung öfter den Abstimmungsparolen der EDU gefolgt als jenen der Regierung.

Es ging um Leben und Tod – zumindest für die Äschen. Das suggerierte die Kampagne der Gegner des neuen Wasserwirtschaftsgesetzes. Und weil die Schaffhauser Stimmbevölkerung loyal hinter den Äschen steht, lehnte sie am 18. Mai mit 58,7 Prozent die Revision des Wasserwirtschaftsgesetzes ab und stimmte damit einmal mehr gegen die Empfehlung der Regierung.

Diese Niederlage ist in der laufenden Legislatur der vorläufige Tiefpunkt für den Regierungsrat. Seit den Wahlen vom Herbst 2012 entschied das Schaffhauser Stimmvolk bereits bei den beiden Sparvorlagen (Kieferorthopädie und Landeskirchen), der Prämienverbilligungsinitiative und der Stahlgiesserei-Vorlage anders als von den Regierenden gewünscht. Damit wurden fünf von acht Abstimmungen verloren.

Die Lungenembolie der 23-jährigen Schaffhauserin Céline Pfleger liegt an der hormonellen Verhütung, sagt die Familie der heute Schwerstbehinderten. Der Pharmakonzern Bayer bestreitet dies – und gewann bisher alle Gerichtsverhandlungen.

Céline Pfleger erhält Besuch von ihrer Schwester Jennifer (links). Céline bewohnt ein zimmer im lindli-huus.

Es sind immer die gleichen Bilder. Links: eine Jugendliche, dezent geschminkt und nett lächelnd. Rechts: Dieselbe junge Frau, gut sichtbar schwer behindert. «Pillen-Drama», titelt der Blick. Von «zerstörten Träumen» spricht die Schweizer Illustrierte. «Bittere Pille», kalauert der Beobachter. Fernsehsender, Gratisblätter und Magazine der ganzen Deutschschweiz berichten 2008 vom Vorfall, der sich bei der Schaffhauserin Céline Pfleger ereignet hat: Die damals 16-Jährige erleidet eine Lungenembolie und einen Herzstillstand und wird dadurch schwerstbehindert.

Die beliebteste illegale Droge in Schaffhausen ist Cannabis. Doch auch Speed und Kokain liegen im Trend.

Laut Schätzungen werden im globalen Drogenmarkt jährlich 320 Milliarden Dollar umgesetzt. Das entspricht fast einem Prozent des Weltbruttosozialprodukts. ExpertInnen sehen den Krieg gegen den weltweiten Drogenhandel vor dem Scheitern.

Der Markt wächst zwar nicht weiter an, Designerdrogen erfreuen sich aber immer grösserer Beliebtheit und lösen die «klassischen» Drogen zum Teil ab. Jedes Jahr tauchen Dutzende neue Substanzen auf dem Markt auf, eine Kontrolle scheint aussichtslos. Eine besonders gefährliche Droge, Methamphetamin, ist in den USA die beliebteste synthetische Droge. Auch in Deutschland ist diese Droge ein grosses Problem, in der Schweiz hat der Trend aber noch nicht eingeschlagen.

In Schaffhausen, wie auch in der restlichen Schweiz, ist Cannabis mit Abstand die beliebteste illegale Droge. Doch auch der Konsum von Amphetamin (Speed) und Kokain hat hier zugenommen. Kokain ist vor allem in Schweizer Grossstädten beliebt, in Schaffhausen liegt Amphetamin im Trend.

Die Liste der meistkonsumierten Drogen wird von Alkohol angeführt. Jugendliche mögen sich öfter betrinken, die ältere Bevölkerung trinkt aber regelmässiger. Der Unterschied zwischen den Geschlechtern ist gross: Doppelt so viele Männer (17,4%) wie Frauen trinken täglich. Der Vergleich der verschiedenen Sprachregionen zeigt, dass das Tessin mit 23 Prozent den höchsten Anteil an täglich Konsumierenden hat, gefolgt von der Romandie mit 17,7 Prozent. In der Deutschschweiz sind es 10,8 Prozent. Gleichzeitig gibt es bei den TessinerInnen mit 23 Prozent den höchsten Anteil an AbstinenzlerInnen. In der Romandie sind es 20 Prozent, in der Deutschschweiz 15 Prozent.

ADHS ist bei den Schaffhauser Kindern die meist diagnostizierte Verhaltens­störung. Bei dieser Diagnose lautet die Lösung oft Ritalin.

Das Medikament Ritalin wird auch im Kanton Schaffhausen regelmässig verschrieben. Viele Kinder und Jugendliche sollen damit den Alltag besser bewältigen können.

Gemäss einer internen Statistik der Schaffhauser Spitäler erfolgen etwa 30 Prozent der Anmeldungen zu einer Abklärung durch den Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienst (KJPD) aufgrund von Konzentrationsproblemen. Verschiedene Studien schätzen, dass 12 Prozent aller Kinder im Schulalter davon betroffen sind. Die Diagnose ADHS ist mittlerweile die häufigste unter den Verhaltensstörungen, Tendenz steigend.

ADHS: Ursache unklar

Die Ursachen sind nicht immer klar, allerdings spielen die Hektik und die Geschwindigkeit im Alltag eine grosse Rolle. Der Stundenplan vieler Kinder und Jugendlicher beschränkt sich nicht nur auf die Schulstunden. Vorher und nachher sind viele Aktivitäten eingeplant, die Aufmerksamkeit fordern und öfters wenig Platz lassen für die eigene Fantasie, Kreativität und Langeweile. Bereits im Kindergarten wird über die Zukunftsaussichten der Kinder diskutiert und ob sie in eine Förderklasse müssen oder die Regelschule besuchen können.

Auch in Schaffhausen gibt es die «Anonymen Alkoholiker». Sie setzen auf Spiritualität, um dem Alkohol zu entsagen.

Unbehagen liegt in der Luft. Als wären die Männer, die in der Webergasse stehen, auf frischer Tat ertappt worden. Um die Ecke kommt Ruedi und wird von allen herzlich begrüsst. Aber mit mir, der jungen Lappi-Redakteurin, wollen sie nicht richtig warm werden. Die Männer gehen rein und Ruedi bleibt bei mir. Die Fahrt mit seiner Yamaha nach Schaffhausen sei sehr schön gewesen, über die Landstrassen könne man etwas mehr Gas geben. Nach ein paar Minuten schaut einer der Männer raus und teilt mir bedauernd mit, dass ich nicht herein dürfe, einige Meetingsteilnehmer seien nicht einverstanden damit, jemanden von den Medien dabei zu haben.

Das Schild der «Anonymen Alkoholiker» (AA) steht in der Ecke des Fensters, und hinter der verschlossenen Tür sitzen Menschen, die gleich über ihre tiefsten Ängste, Niederlagen und Probleme, aber auch über ihre Erfolge sprechen werden. Jede Woche treffen sie sich und tauschen sich aus, im Kreis der Süchtigen.