Patrik Dörflinger vom VJPS ist der Ansicht, dass Drogen zu unserer Gesellschaft gehören.

Der vjps ist der verein für jugendfragen, prävention und suchthilfe. Er ist privat organisiert und bildet die Trägerschaft der Fachstelle für Gesundheitsförderung, der Prävention und Suchtberatung, der Gassenküche Schaffhausen sowie des TASCH.

Patrik Dörflinger, hat unsere Gesellschaft ein Suchtproblem?

Suchtmittel sind in jeder moderner Gesellschaft Thema, sie verursachen immer wieder Probleme.

Also ja?

Ja. Je moderner die Gesellschaft, desto grösser die Suchtprobleme. Früher starb man an anderen Dingen.

Muss man das nicht etwas relativieren? Die Prohibition in den USA kam auf, weil die Leute gesoffen haben wie die Löcher.

«Im Mittelalter wurde exzessiver getrunken»

Klar, im Mittelalter wurde auch viel exzessiver getrunken als heutzutage. Aber für die Allgemeinheit war Alkohol nicht so verfügbar wie heute. Für eine Gesellschaft wird Sucht erst zu einem Problem, wenn die Suchtmittel für einen Grossteil der Bevölkerung zugänglich sind. In Saudi Arabien ist Alkohol für die breite Masse einfach nicht erhältlich. Deshalb gibt es dort – gesellschaftlich gesehen – kein Alkoholproblem.

Sie sprechen jetzt von Suchtmitteln, als Suchtberater beschäftigen Sie sich aber auch mit Verhaltenssüchten. Die gab es ja früher bestimmt auch schon.

Auffällig gewordene Asylsuchende können seit einem Jahr in Containern «eingegrenzt» werden. Ob die Massnahme sinnvoll ist, bleibt umstritten.

In diesem Container werden auffällig gewordene asylsuchende «eingegrenzt». Bild: mg.

Durchgangszentrum Friedeck in Buch, anfangs Juli: Die Bewohner schauen sich im Gemeinschaftsraum ein Spiel der Fussball-WM an. Plötzlich geht ein 24-jähriger, kräftig gebauter Tunesier anscheinend ohne Grund auf einen jungen Somalier los.

Gabriel Vetter hat den Schaffhauser Güsel-Dialekt in die Schweizer Stuben ­getragen. Ein Grund zur Freude?

Güsel heisst auf Schweizerdeutsch Abfall, und als Abfall empfindet die Restschweiz unsere Mundart. Geht es um die Beliebtheit der Deutschschweizer ­Dialekte, wird sie zuverlässig auf die letzten Plätze gevotet. Wobei es noch schlimmer kommt: Das Schaffhauserische beliebt in solchen Umfragen mit dem Thurgauischen und Sanktgallerischen in ein und denselben Güselsack geworfen zu werden.

Mehrere Städte wollen die Cannabis-Legalisierung vorantreiben. Schaffhausen kann sich dem Reigen der progressiven Städte noch anschliessen – der Lappi hat das Postulat bereits im Köcher.

Die restriktive Cannabis-Politik der Schweiz bröckelt. 2008 scheiterte die «Hanfinitiative» noch deutlich, doch sie brachte eine Diskussion in Gang, die in der heute auch im Kanton Schaffhausen geltenden Ordnungsbussenregelung mündete: Erwischte Kiffer zahlen eine Busse von hundert Franken, auf Anzeige und Verfahren wird bei kleinen Mengen verzichtet (vergleiche 100 Stutz für 100 Stümpen).

Ein Bundesgerichtsentscheid von 2003 verpflichtet die Kantone dazu, Plätze für die Jenischen zur Verfügung zu stellen. Doch mit der Umsetzung hapert es gewaltig. Schaffhausen hat bis heute keine Lösung parat.

Der provisorische Durchgangsplatz beim Langriet.
Der provisorische durchgangsplatz beim Langriet.

Das Wetter ist wechselhaft an diesem Mittwoch, dem 14. Mai. Zwischendurch regnet es, eine kühle Brise weht im Neuhauser Langriet. Die Temperaturen laden nicht gerade dazu ein, im Freien unter einer Plane auf einem Plastikstuhl zu verweilen und die frische Luft zu geniessen.

Die Mindestlohninitiative trifft nicht alle Branchen gleich hart, und die Anzahl Schweizer Banker spiegelt die Weltwirtschaftslage: Ausgewählte Statistiken über Geld.

 

Angestellte in der Schweiz nach Bankentypen

 

Nach dem Zweiten Weltkrieg, den die Schweiz weitgehend unbeschadet überstanden hatte, schien der Aufschwung kein Ende zu nehmen. Nicht einmal die Ölkrise der 70er-Jahre schlug sich direkt in den Angestelltenzahlen der Banken nieder. Erst in der Immobilienkrise anfangs der 90er und der geplatzten Dot-Com-Blase Ende desselben Jahrzehnts kam es zu zahlreichen Entlassungen im Finanzsektor. Der darauffolgende Aufschwung wurde durch die Finanzkrise 2008 gestoppt.

Gratis gibt's nichts – die kapitalistische Maxime hat auch in der Schaffhauser Altstadt längst voll eingeschlagen.

umsonst ist kaum etwas zu haben – schon gar nichts, was man essen könnte.

Ein nahezu frühlingshafter Tag, ich bummle durch die Schaffhauser Idylle. Andere bummeln auch, vom Vordergässli zum Machart vielleicht oder vom Manora-Restaurant zurück zu ihrem Arbeitsplatz in der Kantonalbank. Für mich sind die Vektoren heute andere: Ohne Geld, dafür mit reichlich Zeit ausgestattet, lasse ich mich durch leere Gassen treiben, steuere irgendwann intuitiv die städtische Bibliothek an.

Heute kann man alles haben. Damit steigt der Konsumdruk, der viele in die Schuldenfalle treibt.

Über Geld reden. Das ist das Ziel des neu geschaffenen Kompetenzzentrums für Schuldenprävention der Stadt Zürich. Mit Einsätzen in Sekundarschulen will das Zentrum der zunehmenden Verschuldung von Jugendlichen entgegenwirken.

Solche Beratungszentren gibt es noch nicht lange. Wer früher Schulden machte, konnte sich von PrivatsaniererInnen helfen lassen – und geriet durch diese nur tiefer in die Schuldenspirale.

Um Schuldensanierungen ausserhalb staatlicher Institutionen zu verhindern, wurde 2001 im Sozialhilfegesetz verankert, dass alle Kantone der Schweiz Schuldenberatungsstellen anbieten müssen. In Schaffhausen übernahm 2002 die Frauenzentrale die Führung der vom Kanton finanzierten Fachstelle für Schuldenfragen.

Daniel Raschle, ausgebildeter Sozialarbeiter und Berater bei der Schaffhauser Fachstelle, erachtet es als wichtig, Jugendlichen einen verantwortungsvollen Umgang mit Geld beizubringen.