jürg odermatt ist Musiker, Journalist und Ex-Schaffhauser.

Odi motzt

Wohl kein Zufall: «Verfaulte Geschichten», das Blog zu Schaffhauser Politik, Kultur, Medien und dem ganzen Rest, entstand, während seine Initianten/Betreiber – Chrigi Erne und meinereiner – im Winterthurer Exil lebten. Mit etwas Distanz sieht man die Verstrickungen, Verrenkungen, Verblasenheiten in der «Haamet» immer wäng anders.

Mittlerweile lebe ich seit vier Jahren in Winterthur und komme mir, was Schaffhausen betrifft, langsam vor wie jener Onkel, den man nur an grossen Familienfesten sieht und der dann jeweils findet: Heiei, sind die Kinder aber gewachsen!

marcel montanari ist Kantonsrat der Jungfreisinnigen.

Monti optimiert

Geschlechtergerechte Sprache ist ein Anliegen, das sich verschiedene Kreise auf die Fahne geschrieben haben. Auch die SP Schweiz will gemäss ihrem Parteiprogramm (S. 60) für eine geschlechtergerechte Sprache einstehen, welche Frau und Mann gleichermassen erwähnt. Doch warum das Ganze? Das Problem ist hausgemacht! Erst als selbsternannte Feministen-/Innen anfingen, Zweifel zu streuen, wer bei welchen Formulierungen gemeint sei, ging die Verwirrung los.

Vorher war allen klar, dass jede Funktion von weiblichen und/oder männlichen Wesen wahrgenommen werden kann. Dies gilt für alle generischen Begriffe wie Lehrer, Musiker, Künstler etc. Trotzdem konnte das Pseudoproblem heraufstilisiert werden. Sogar die Schweizerische Bundeskanzlei hat nun Angst, dass, wenn nicht permanent Mann und Frau explizit genannt werden, «die Präsenz der Frauen verschleiert» werde. Die Frauen könnten erst sprachlich und schliesslich sozialkognitiv «unsichtbar werden». Deshalb müsse nun die Frau sichtbar gemacht werden.

Historique

Neuauflage der Stadtbildverordnung! Ein Plädoyer für die Ästhetikpolizei.

Ach, o weh! Schon ein erster Blick in die altstädtischen Gassen Schaffhausens schmerzt: Bereits in der Vorstadt Warenauslagen vor den Geschäften, die Vordergasse noch zusätzlich gesäumt von portablen Klappreklameschildern. Firmenschilder an Hausfassaden schliesslich ziehen sich in allen Farben und Grössenvarianten durch das ganze Siedlungsgebiet. Und erst diese unruhige, aufdringliche Schaufenstergestaltung! Dauert dieser Anblick noch länger an, so ist uns allen Augenkrebs garantiert.
«Die Erfahrungen der letzten Jahre und insbesondere der allerjüngsten Zeit haben hinlänglich dargetan, dass Vorschriften, welche das moderne Reklamewesen regeln, für die Stadt Schaffhausen unerlässlich geworden sind.» Dem Wildwuchs muss Einhalt geboten und die Regeln verschärft werden!

Filmverführung

Zurück zum Stummfilm

Inspiriert durch ein am Beizentresen aufgeschnapptes Gespräch habe ich kürzlich einmal die Suchmaschine bemüht, um herauszufinden, ob denn der gute alte Schwarz-Weiss-Film wirklich so unmodern und unzugänglich sei. Zu meinem Erstaunen spuckte der Rechner eine recht umfangreiche Liste aus – teils Low-Budget-Produktionen, aber auch bekanntere, grössere Filme, allesamt nach 1970 entstanden. Man erinnere sich z.B. an «Schindlers Liste», an «Nebraska», «Frankenstein Junior», «Ed Wood».

Bekannte Regisseure wie Tim Burton, Lars von Trier, Jim Jarmusch, Luc Besson, oder Shinya Tsukamoto haben bereits mehrfach «farblos» gedreht. Doch dieses Feld abzuhandeln stellt ein grösseres Unterfangen dar als anfänglich vermutet. Also erneut gesucht: was ist in Zeiten von 3D, Dolby Atmos, Imax und 11.1-Sound NOCH unmoderner? Natürlich der Stummfilm!

Hier also drei sehenswerte Produktionen der jüngeren Vergangenheit, deren Entstehen anfänglich belächelt wurde, die sich aber im Nachhinein als wunderbare Fenster in eine vergangene Ära der Filmproduktion und Rezeption offenbart haben.

Auslese

Hermann Burger – Tractatus Logico-Suicidalis. Über die Selbsttötung.

Man könnte sich den Freitod als literarischen Ort vorstellen, als Ort, dessen Eingang wohl durch ein Kellerloch führt, worauf alsbald durch neblige Weiten auf dunklen Flüssen trunkene Fährmänner ziehen, metallischen Geschmack meint man auf der Zunge zu spüren, ein Ort, an dem durch Stürme entblätterte Rosen wachsen und kleine Astern die Ufer zieren. Vielleicht irrlichtert so manche Schar junger Leidender umher.

Die der Selbsttötung gewidmete Schrift des Literaten Hermann Burger verwebt in einer Manier der Verweisstruktur auf literarische Topoi und philosophische Diskurse das Denken über den Freitod zu einem archivarisch anmutenden Ganzen – in 1046 Aphorismen nämlich, die in der Weise eines arbiträren und doch auf gewisse Art konsekutiven Strömen des Bewusstseins aneinandergeheftet sind.

Historique

Wir leben in einer Zeit, in der man im besten Falle belächelt wird, wenn man dem Brockenhaus eine funktionierende elektrische High-End-Schreibmaschine mit Display und Textspeicher anbietet. Längst hat der Kompiuter die unserer Ansicht nach vorsintflutlichen Bureauhelfer verdrängt. Doch tatsächlich hat sich in der Zeit seit der Sintflut einiges getan – auch wenn sich namhafte Akteure wie der Schaffhauser Regierungsrat aus Spargründen zwischenzeitlich gegen Entwicklungen stemmten.

So dauerte auch der Einzug der Moderne in den Alltag der Schaffhauser Kantonspolizei etwas länger. Zwar waren seit der Jahrhundertwende brauchbare Schreibmaschinen auf dem Markt, welche «die Schreibfeder […] [als] unentbehrliches Werkzeug zur Bewältigung der vielseitigen Schreibarbeiten in staatlichen und bürgerlichen Betrieben» in den Hintergrund stellten. Doch die erste Schreibmaschine – bereits damals «eine ältere Tante» – wurde dem Landjäger-Corps erst im Jahre 1919 zur Verfügung gestellt und «das ganze Landjägerkorps hat auf derselben die Kunst der Schreibmaschinenbedienung gelernt.»

marcel montanari ist Kantonsrat der Jungfreisinnigen.

Monti optimiert

Die steigenden Gesundheitskosten werden gerne mit der höheren Lebenserwartung der Menschen sowie mit dem erweiterten Angebot medizinischer Verfahren begründet. Dies ist aber nur die halbe Wahrheit. Ein wohl ebenso grosser Kostentreiber sind Fehlregulierungen ahnungsloser Politiker und/oder Lobbymarionetten. Unter dem Deckmantel der Qualitätssicherung gibt es zunehmend Vorschriften, die unserem Gesundheitssystem schaden.

An Beispielen mangelt es jedenfalls nicht: So muss gemäss neuen Richtlinien in Apotheken alles eindeutig beschriftet werden. Auf jedem Abfalleimer muss die Anschrift «Abfall» angebracht werden. Wer eine eigene Hausspezialität anbieten will, muss unzählige Nachweise und Deklarationen erbringen. Mittlerweile trauen wir den Pharmazeuten nicht mal mehr zu, selber eine Salbe abzufüllen oder eine eigene Teemischung zuzubereiten. Die Folge davon ist, dass Apotheken ihre Hausrezepturen nicht mehr anbieten. Ist diese Art von Qualitätsmanagement eine Verbesserung für unser Gesundheitssystem? Ist es besser, weniger Medikamente zu haben? Nein.

Roger Köppel, (links, aber rechts im Bild), schreibt schon wieder zum letzten Mal über das journalisitische Schaffen seines Namensvetters.

doppelt geköppelt

Eigentlich war ich mir in der letzten Kolumne ja sicher. Sicher und überzeugt, dass der Roger ausgeköppelt hat, dass er und sein scheinheiliges Manipulationsblatt langsam, aber sicher den Bach runtergehen werden. Ja, verspottet habe ich ihn. Als langweiligen Möchtegern-Populisten bezeichnet, mit Füssen getreten und bespuckt habe ich ihn. Aber nein, es musste natürlich anders kommen.

So anders, dass ich wahrlich der Lüge gestraft werde. Dieser alte Haudegen haut einen raus, als ob es kein Morgen gäbe. Roger Köppel in den Nationalrat! Ach du verdammte Kacke. In den Nationalrat! Was zum Henker soll denn das? Kann dieser Lappi nicht in Würde altern und uns endlich mal in Ruhe lassen? Muss ich denn jetzt wirklich nachziehen und ihm in die Politik folgen? Retten, einer Nemesis gleich, was es noch zu retten gibt? Der Name und die Reputation von uns Köppels soll wenigstens wieder ein bisschen neutralisiert werden.

Neuer bauernschlauer Lappi

Der Lappi-Saat ist ausgebracht. Die neue Ausgabe ist in den Kiosken an der Vorstadt, am Löwengässchen und an der Schifflände sowie im Bücherschoch, im Bücherfass, im Lieblings und im Neustadt-Lade erhältlich. Du kannst das Magazin aber auch gleich hier Abonnieren.

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