Historique

Ein kurzer Blick in die Vergangenheit genügt, und wir sehen, dass sich die Konjunktur bis heute in Wellen bewegt. Dabei springen wir immer wieder hin und her zwischen Phasen des Wachstums und wirtschaftlichen Krisen. Erklärt werden solche Krisen dabei meist durch das System selbst. Als übermenschlich anmutendes Phänomen scheint die Wirtschaft gleichzeitig Ursache und Lösung unserer Probleme zu sein.

Ein genauerer Blick auf die Geschichte der Konjunktur wirft jedoch ein anderes Licht auf das vermeintliche Phänomen Wirtschaft. Konjunkturtiefs werden dabei zu Wahrnehmungskrisen und der Mythos Wirtschaft wird plötzlich ganz menschlich.

Auslese

Sprach-Sadomaso mit Georges Bataille

Georges Bataille vermochte nicht nur Michel Foucault zu plump anmutenden Superlativen hinreissen («Bataille ist einer der wichtigsten Schriftsteller seines Jahrhunderts» Punkt), sondern auch ein literarisches Werk zu konstruieren, welches die Angst vor dem und im Existieren in all ihrer Fleischlichkeit und ihrem Entsetzen zu erschreiben vermag. Batailles Erzählungen wie «Die Geschichte des Auges» oder «Madame Edwarda», wurden als «Das obszöne Werk» zusammengefasst und 1972 bei Rowohlt erstmalig publiziert.

Man stelle sich vor, es gäbe, was man Realität nennt, und nenne es fortab Topf. (Man stelle sich diesen über lodernden Ästen vor und dass Rauch aus ihm zöge.) Man stelle sich vor, es gäbe einen Schreibenden, man nenne ihn Koch und man nenne ihn Bataille. (Man stelle sich vor, es gäbe GOTT und man stelle sich vor, er lache irr.) Man stelle sich vor, dass wen man Koch nennt sich über was man Topf nennt beugte und es mittels dem füllte, was dessen Körper hergäbe. (Man stelle sich die Füllung vor und nenne sie fortab Text.)

Filmverführung

Luftige Kilts und trinkfeste Raufbolde. Auf ihre Klischees scheinen die Iren und Schotten so stolz zu sein, dass sie auch in Filmen nicht damit geizen.

Iren und Schotten wird im Allgemeinen eine gewisse Halsstarrigkeit nachgesagt. Wollen die sich doch einfach auch nach Jahrhunderten nicht damit abfi nden, von einem gewissen andern Inselvolk beherrscht zu werden. Separatistenpack, allesamt! Merkwürdig reden tun die auch. (Und nun kommt mir nur nicht mit den Walisern. Genauso schlimm, nur hab ich da keinen passenden Film.) Auf der anderen Seite aber sollen Iren und Schotten (rauf)lustige Gesellen sein, gerne feiern und sich kräftig einen auf die Lampe giessen können. Bevorzugt mit dem Lebenswasser: «uisge beatha» auf gälisch, heutzutage Whisky. Hier drei Filme, die diese Vorurteile untermauern.

doppelt geköppelt

Mein lieber Roger, was zum Henker hat Dich denn da geritten? Jetzt gewinnst Du mit deiner Partei mal wieder eine Abstimmung, und dann das. Wo bleibt Dein Selbstbewusstsein? Du veranstaltest eine Vortragsreihe, die den Volksentscheid vom 9. Februar rechtfertigt, und schleimst Dich mit einem Schreiben bei einer «exklusiven Leserschaft» ein, man solle doch bitte die «Weltwoche» abonnieren.

Am Anfang war noch alles in Ordnung. Kurz nach der Abstimmung hast Du noch dieses grossartige Titelbild mit den Galliern und den Römern veröffentlicht. Ja genau, wir Schweizer gegen die EU. Wie damals Asterix und Obelix gegen die Römer. Das hat mich gepackt, denn ich liebe Asterix und Obelix.

Historique

«Das Gefängnis ist ein Pflanzplätz, wo der Glaube an die Menschheit nicht gedeiht!» Von keinem Philosophen, keiner gewitzten Politikerin oder sonst vielbeachteten Gelehrten stammt dieser bauernschlaue Ausspruch, nein, hinter diesem Zitat steht ein verurteilter Krimineller, ein von der Gesellschaft ausgeschlossener Mensch. Gestatten: Franz Häfliger, Sträfling und Kunstverständiger, Mann der Taten, Gegner des Büro­sessels. Vorhang auf.

Am 1. April 1944, dem Tag, an dem amerikanische Flugzeuge Schaffhausen bombardierten, sollte Häftling Häfliger zum Helden der hiesigen Kunstszene avancieren. Im Trubel der ersten Bombeneinschläge, einige davon in unmittelbarer Nähe zur Schaffhauser Strafanstalt, liessen die Gefängniswärter die Insassen kurzerhand aus ihren Zellen.

doppelt geköppelt

Jo Sternäsiech … da gehst du einmal in die Ferien und suchst einen passenden Ersatz-Kolumnist und dann kommt das. Die plumpe Absage einer Vorzimmerdame. Ehrlich, nichts gegen Vorzimmerdamen, aber von einer Anfrage von Roger an Roger hätte ich mehr erwartet.

Zugegeben, wir hätten uns früher melden können … Aber komm schon, das war sozusagen eine Bitte unter Brüdern. Brüder, die sich vielleicht nicht mögen, aber immerhin noch Brüder. Zählt denn heute gar nichts mehr? Gut, ich hab verstanden, es wird kühler zwischen uns. Aber dennoch, ich würde kurzfristig einspringen, wenn er mal schnell weg muss. Das Editorial der «Weltwoche» zu schreiben, kann ja so schwer nicht sein.

Filmverführung

In von Männern dominierten Genres realisiert Kathryn Bigelow seit über 30 Jahren starke und erfolgreiche Filme.

Rosa Porten. Ida Lupino. Alice Guy. Kaum jemand erinnert sich an die Pionierinnen des Films, einzig Leni Riefenstahl ist noch im Gedächtnis, allerdings nicht zwangsweise für ihre Regiearbeiten. Noch immer sind Regisseurinnen in der Filmwelt rar und werden meist mit Kopfkino (Sophia Coppola, Jane Campion und Julie Taymor) und Schmonzetten (Nora Ephron) in Verbindung gebracht.

Seltener sind Ausflüge in den Horror- und Action-Bereich wie beispielsweise «Friedhof der Kuscheltiere» von Mary Lambert, «Deep Impact» und «Projekt Peacemaker» von Mimi Leder.

Auslese

Berthold Seliger hat einen Insiderbericht über die finanziellen Mechanismen der Musikbranche vorgelegt.

Im September 2013 ist Berthold Seligers «Das Geschäft mit der Musik – ein Insiderbericht» erschienen. Die Erstauflage war schnell vergriffen, inzwischen ist die dritte Auflage im Handel. Vom deutschen Feuilleton im Print- und Radiobereich sehr ausführlich und wohlwollend besprochen, ebenso in der einschlägigen Musikpresse wie «Spex», «Musikexpress», «Rolling Stone», obwohl letztere im Kapitel über den Musikjounalismus nicht besonders gut wegkommen – ein chart- und marketingtechnisch gelungener Release.

Muss man den Berliner Autor kennen, wenn man kein Insider ist? Eher nein. Er schreibt unter anderem für «konkret», «Der Freitag» und die «WOZ».

Neuer bauernschlauer Lappi

Der Lappi-Saat ist ausgebracht. Die neue Ausgabe ist in den Kiosken an der Vorstadt, am Löwengässchen und an der Schifflände sowie im Bücherschoch, im Bücherfass, im Lieblings und im Neustadt-Lade erhältlich. Du kannst das Magazin aber auch gleich hier Abonnieren.

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