doppelt geköppelt

An dieser Stelle präsentiert Roger Köppel jeweils seine Gedanken zu Weltgeschehen und -woche. Weil der linke Roger Köppel – rechts im Bild – nach plötzlicher Vermählung und unverhofft anstehender Masterarbeit keine Zeit fand, war der Lappi bereit, sich mit dem nächstbesten zufriedenzugeben, dem rechten Roger Köppel – links im Bild.

Leider scheint unsere Mailanfrage nicht bis zu ihm vorgedrungen zu sein. Eine Mitarbeiterin schreibt uns an seiner statt: «Vielen Dank für Ihre Anfrage an Roger Köppel. Aus zeitlichen Gründen ist es ihm aber nicht möglich, einzuspringen, weshalb er leider absagen muss.» Schade eigentlich, der Lappi hätte Roger Köppel gerne die Chance geboten, sich in einem seriösen Magazin zu Wort zu melden.

Auslese

Die Journalistin Daniela Schwägler porträtierte 15 Älplerinnen.

Manchmal liegen Traum-Alp und Albtraum nahe beieinander. Das erste Kapitel des Buches «Traum Alp», welches 15 Älplerinnen zwischen 20 und 75 Jahren in der Schweiz porträtiert, stellt Katja Boschi Mühleisen und die Alp de Lagh im Val de Cama im Misox vor. Seit 2006 wurde diese Alp von ihr und ihrem Mann bewirtschaftet. Die Mutter von zwei kleinen Mädchen, Sennin und Biologin, kam Ende Juli, kurz vor Erscheinen des Buches, durch einen Felssturz ums Leben.

Gerührt betrachtete ich die Bilder dieser Frau, ihren Kindern, der Capra-Grigia- und Nera Verzasca-Ziegen, der Wollschweine, Pferde, und ihrer Arbeit mit dem Käse.

Katia Boschi Mühleisen hatte mit ihren 37 Jahren schon einiges erlebt, aber noch vieles vor: «Wer weiss, was das Leben uns noch so alles bringt. Hier weiter zu alpen wäre schön. Den ganzen Sommer daheim zu sein und unter der Woche einer geregelten Arbeit nachzugehen, um am Wochenende mit den Kindern an einen See rauszufahren, wäre definitiv nichts für mich.»

Historique

Es werden immer wieder Stimmen laut, die eine Erhöhung der Höchstgeschwindigkeit auf unseren Strassen fordern. Man kommt schneller von A nach B, kann sich an der Geschwindigkeit erquicken und erst noch die Überlegenheit des eigenen Autos demonstrieren. Doch es wird auch mehr Sprit verbraucht und die Unfälle enden öfters tödlich. Dieser Diskussion soll nun durch eine radikale Forderung endlich ein Ende gesetzt werden, indem wir – was sowieso viel zu selten geschieht – aus der Geschichte lernen.

Anfangs des 20. Jahrhunderts hatte man Zeit, man konnte sich die Langsamkeit leisten. Die Luft war frisch und die Strassen friedlich. Gerade einmal 10 Kilometer in der Stunde durfte man innerorts fahren, ausserorts 30. Das Strassenbild war in Schaffhausen noch mehrheitlich von Kutschen geprägt, es verbreiteten aber auch schon die ersten Kraftfahrzeuge ungemütliche Hektik, Lärm, Fein- und Grobstaub. Wenige Jahrzehnte später wird das Automobil die Kutsche fast vollends ersetzt haben.

Filmverführung

«Jetzt ist schon wieder was passiert …» So beginnen die bisherigen drei Filme um den abgehalfterten Ex-Polizisten Brenner auf der Reise ins Herz der Finsternis. Die Vorlagen dazu liefert der österreichische Autor Wolf Haas mit seinen Brenner-­Romanen. Und die spielen in einer ganz eigenen Liga, angefüllt mit zynischem Wortwitz, skurillen Charakteren und mit diesem ganz speziellen, leicht depressiven, österreichischen Flair.

Hinter den Filmen steht das famose Dreigestirn aus Autor Haas, Regisseur Wolfgang Murnberger und Hauptdarsteller Josef Hader, der Brenner verkörpert, als wäre das seine Berufung.

Verhältnismässig harmlos beginnt die Reihe mit «Komm, süsser Tod» (2000), einer tiefschwarzen Farce um den Konkurrenzkampf zweier Wiener Rettungssanitäter-Gesellschaften. Schnell nimmt der bitterböse Humor groteske Züge an und wir lernen, was es mit Friedhofsblond und Spenderleber auf sich hat. Mord und Totschlag lassen nicht lange auf sich warten ...

Auslese

Zeise – Gründungsmitglied und Kolumnist der Financial Times Deutschland – betrachtet den Finanzmarkt aus marxistischer Perspektive: Kapital ist sich vermehrendes Eigentum. Damit Eigentum sich selbst vermehren kann, muss es ein gesellschaftlich anerkanntes Zahlungsmittel geben. Damit ist Geld als Kern des Kapitalismus identifiziert. Für Marx war Geld eine Ware, die ihren Tauschwert durch Arbeit erhält, beispielsweise Gold, das in Minen abgebaut wird.

Papiergeld und Geldanlagen waren für ihn kein Geld, sondern fiktives Kapital. Heute sind Schuldscheine zum offiziellen Zahlungsmittel geworden. Vom einfachen Bankguthaben bis zum komplexen Finanzprodukt sind alle Geldvermögen Kredite und erheben Anspruch auf einen Anteil am Profit. Kreditgeld ist dem Wachstumsbedürfnis des Kapitals angepasst. Im Gegensatz zur Goldproduktion kann die Kreditmenge beliebig ausgeweitet werden. Mit der wachsenden Kreditmenge steigt der Anteil des gesellschaftlich geschaffenen Mehrwerts, der an das Geldkapital abfliesst und der Anteil, der für den Konsum übrig bleibt, schrumpft. Es kommt zur Wirtschaftskrise.

Auslese

In seinem ersten Buch «Radikal» (Rezension in Lappi 2/2010) war Jon Ronson auf der Spur der grossen Verschwörung. Doch diese Spur führte ihn vor allem zu Leuten, die glauben, die grosse Verschwörung enttarnt zu haben. In seinem neusten Werk ist Ronson nicht einer organisierten, sondern einer biologischen Verschwörung auf der Spur.

Er geht der These nach, dass sich unter Führungspersonen ein überdurchschnittlicher Anteil an Psychopathen befindet. Allerdings ist der Aufhänger wie in «Radikal» ein Versprechen, das nur am Rande eingelöst wird. Im grössten Teil des Buches geht es darum, wie sich die Diagnose und Behandlung psychischer Störungen verändert hat und wie Bruchstücke der psychologischen Forschung, wie der titelgebende Psychopathen-Test, zu Werkzeugen der Strafverfolgung wurden.

Historique

Man stelle sich vor: Da hat man sich eine schöne Stadt aufgebaut. Lang ging’s, mühsam war’s, doch es ist vollbracht. Man ist zusammengeschweisst, hat Arbeit und Zuständigkeiten untereinander aufgeteilt und jetzt ist’s gut.

Doch dann, plötzlich und wie aus heiterem Himmel kommen sie. Die, die nicht geholfen haben und trotzdem mitessen, mitarbeiten und mitreden wollen – die Migranten.

Ein Problem, wohl wahr. Doch wie wir langsam alle wissen, gibt es für Probleme immer ganz simple Lösungen.

Das wusste man auch schon im mittelalterlichen Schaffhausen und so entstand dort ein einfach verständlicher 3-Punkte-Plan zum artgerechten Umgang mit Migranten:

Auslese

Peter Ulrich erhielt 1987 als erster Professor für Wirtschaftsethik im deutschsprachigen Raum den Auftrag, über den Tellerrand der Ökonomie hinauszublicken. Ulrich ist kein radikaler Systemkritiker, aber er betont die gesellschaftlichen Aspekte des Liberalismus – der dominierenden Denkweise der ökonomischen Zunft.

Der Liberalismus trägt die Freiheit im Namen. Der ökonomische Mainstream meint damit die Freiheit des Marktes. Die ermögliche aber lediglich die ungestörte Ausübung der Marktmacht der Besitzenden. Das hält Ulrich für undemokratisch. In einer Marktwirtschaft, die auch eine Demokratie ist, müsse die Wirtschaftsfreiheit wie andere Freiheitsrechte so ausgestaltet sein, dass sie allen zugute komme, denn «freie Bürger kommen vor dem freien Markt». Zwar solle die Politik Rahmenbedingungen setzen, in denen ein möglichst effizientes Wirtschaften möglich ist.

Neuer bauernschlauer Lappi

Der Lappi-Saat ist ausgebracht. Die neue Ausgabe ist in den Kiosken an der Vorstadt, am Löwengässchen und an der Schifflände sowie im Bücherschoch, im Bücherfass, im Lieblings und im Neustadt-Lade erhältlich. Du kannst das Magazin aber auch gleich hier Abonnieren.

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