Thomas Leuzinger und Mattias Greuter schreiben gern für die Beckenstube.

Aus Angst, falsch zu liegen, geben die Schweizer Medien selten Prognosen ab. Der Lappi hingegen wagt das immer wieder. Zuletzt im Sommer, als wir zutreffend «über die kommende Wahlniederlage der grünen Parteien» schrieben. Leider als falsch erwiesen hat sich die Einschätzung: «Der Mann mit dem ehrlichen Mittelscheitel sammelt bei Exekutivwahlen eine Niederlage nach der anderen» (gemeint war Preisig, nicht Rohner).

Neue Aktualität hat ein Kommentar erhalten, den wir vor gut einem Jahr verfassten, als die Regierung erstmals andeutete, dass sie ein weiteres Sparpaket schnüren will. «Das Sparpaket liegt auf der Strasse», verkündeten wir, und machten eine Reihe von Vorschlägen, beginnend mit: «Als Erstes gehört die Paradieskampagne ersatzlos gestrichen.»

Ein bisschen stolz sind wir schon, dass die Regierung unseren Rat in die Tat umgesetzt hat. Falls die Finanzreferentin und ihre vier Gspänli wieder einmal einen Tipp brauchen, dürfen sie sich jederzeit an uns wenden – wir helfen gerne konstruktiv mit, statt nachher die Missstände aufdecken zu müssen.

Doch man soll aufhören, wenn es gerade gut läuft. In Sachen Prognosen halten wir uns deshalb für einmal zurück. Nur soviel: Das Sparpaket ESH4 wird scheitern. Nicht nur die Hündeler, die mehr zahlen sollen, werden vor einem dampfenden Haufen stehen.

Im Kantonsrat oder spätestens vor dem Volk werden die gewichtigsten Massnahmen wie die Kürzung der Prämienverbilligung oder die Kantonalisierung der Volksschule Schiffbruch erleiden. Wir werden deshalb keine 40 Millionen sparen. Das gestutzte Paket wird die Gemeinden be- statt entlasten, weshalb sie in den Protest gegen ESH4 einstimmen werden – wenn sie dies aus Angst, die Schule im Dorf und einen ziemlichen Brocken Gemeindeautonomie zu verlieren, nicht ohnehin tun.

Regierungspräsident Christian Amsler behauptet, dass die 1000 Personen, die am 18. Oktober gegen das Sparpaket demonstriert haben, eine «Protestgruppe» aus dem Dunstkreis von AL und Juso seien, welche das Thema politisch ausschlachten wollten. Die Bevölkerung wird ihn wohl eines Besseren belehren müssen, wenn sie denn überhaupt gefragt wird.

Immerhin gibt Amsler zu, dass ein einschneidender Bildungsabbau vorgesehen ist, während Rosmarie Widmer Gysel in der Lappi-Sondernummer zur Demo behauptete: «Es ist kein Bildungsabbau, sondern wir reduzieren die Ausgaben auf ein vernünftiges Mass.» Mit Verlaub: Die Handelsmittelschule wird zugemacht, an der Kanti werden Freifächer zusammengestrichen und alle Kinder sollen künftig ein halbes Jahr weniger Schule haben. Wenn das kein Bildungsabbau ist, betreibt Glencore keinen Rohstoffabbau.

Wir wünschen der Regierung und allen anderen LeserInnen eine vergnügliche Lektüre. Bei uns wird übrigens nicht gespart, obwohl wir ebenfalls kein Geld haben: Ihr haltet den dicksten Lappi aller Zeiten in der Hand.

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