Thomas Leuzinger über die Kommunikationsverweigerung der FCS-Verantwortlichen und unnötige Pauschalurteile.

Ein Eigentor schiessen, hinten hinein stehen, eine Blutgrätsche machen … Es gibt viele Fussball-Metaphern, die auf die Kommunikation des FC Schaffhausen zutreffen. Nach dem letzten Spiel vor der Winterpause haben sich die FCS-Verantwortlichen auf jeden Fall mit einem Steilpass an die Medien ins Abseits befördert.

Das Klischee des betrunkenen, dumm grölenden und gewalttätigen Hooligans wurde in den vergangenen Jahren oft genug gepflegt, das sollte den Verantwortlichen eines Fussballclubs bekannt sein. Diese pauschale Verurteilung mit undifferenzierten Stellungnahmen – wie sie der FC Schaffhausen im Dezember veröffentlichte – weiter zu zementieren, kann nicht im Interesse einer friedlichen Fussballszene sein.

So teilte der FCS nach dem Spiel gegen den FC Wil unter anderem mit, dass «nur dank der vorhandenen Absperrung (…) ein körperlicher Angriff verhindert» worden sei, was von den «Schaffhauser Nachrichten» und dem «Blick» unhinterfragt weiterverbreitet wurde.

Allerdings relativiert das Boulevard-Blatt «Blick», dass «der Übeltäter» dann von einer «jungen Frau» habe weggezerrt werden können. Das klingt schon nicht mehr nach unkontrollierter Rage. Auch andere Fussballfans, mit denen der Lappi nach dem Spiel sprach, konnten die zugespitzte FCS-Version so nicht bestätigen.

Der FCS gab sich nicht die Mühe, in der Pressemitteilung festzuhalten, ob nun nur einige wenige, die Mehrzahl oder alle Fans gemeint sind. Es wird pauschal von Fans gesprochen.

«Die Transparente mit üblen Beleidigungen gegenüber unserem Geschäftsführer, welche gestern Abend gegen Ende des Spiels gegen den FC Wil von ‹FCS-Fans› im Stadion Breite aufgehängt wurden, haben wir mit grossem Bedauern zur Kenntnis genommen», teilte der FCS mit. «Beleidigungen treten dann ans Tageslicht, wenn man keine Argumente mehr hat und wenn dies noch anonym gemacht wird, ist dies umso verwerflicher.»

Naja, das klingt doch etwas arg eingeschnappt. Wenn die SchiedsrichterInnen ebenso dünnhäutig wären, könnten wohl nur noch halb so viele Fussballspiele angepfiffen werden. Wo Leidenschaft ist, da nehmen manchmal auch die Emotionen Überhand.

Sind es nur wenige gewesen, die die Beleidigungen geäussert hatten, wäre es nichts als fair gewesen, dies auch zu schreiben. Ist es aber die Mehrzahl gewesen, wäre es an den FCS-Verantwortlichen gewesen, sich vielleicht auch selbst zu hinterfragen. Dass es nun zu einer Aussprache gekommen ist und sich die Fans und FCS-Verantwortlichen gegenseitig für ihr Verhalten entschuldigt haben, klingt nach einem guten Anfang.

Doch weshalb kommunizieren die Verantwortlichen beim Club diese positive Entwicklung nicht? Im Dezember dauerte es gerade mal einen Tag, um auf den Fans rumzuhacken. Man sollte kommunikativ mehr erwarten können von einem Verein, der gerade ein neues Stadion bauen will, um seinen Super-League-Ambitionen wenigsten baulich eine Form zu geben.

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