«Entschuldigung, ich muss kurz austreten», sprach Thomas Holenstein in überschäumender Inkompetinenz, und mit goldigen Prognosen markierte er den Standort als Schaffhauser Natursektland. Dieses war sein letzter Seich.

Das Fazit nach 15 Jahren Wirtschaftsförderung und Standortmarketing unter Thomas Holenstein fällt ernüchternd aus: Die Stadt Schaffhausen ist im Städteranking der «Bilanz» auf den 53. Rang von 143 Städten zurückgefallen. Für die 15.-grösste Stadt müsste der 15. Rang das Ziel sein – solange wir von Städten wie Wallisellen, Volketswil und Olten (ohne Seich!) geschlagen werden, gibt es bestimmt noch Verbesserungspotenzial.

Schaffhausen hat keine Standortförderung. Der Schwerpunkt liegt auf der Wirtschaftsförderung, daneben versucht man sich ein wenig im Wohnortmarketing. Letzteres bestand zum grössten Teil aus der Kampagne «Schaffhausen, ein kleines Paradies»: Für hunderttausende von Franken wurden in Zürcher Trams und im Hauptbahnhof Plakate mit Urinflecken aufgehängt – der sichtbarste Ausfluss der Ära Holenstein.

Die unter seiner Leitung gebrünzelte Kampagne ist dank des Sparpakets ESH4 Geschichte – wie wenig in Sachen Wohnortmarketing seither noch gemacht werden kann, lest Ihr im Interview mit Patrick Schenk und Marcus Cajacob von der Generis AG. Die beiden Wirtschaftsförderer verraten auch, mit welchen Argumenten sie internationale Konzerne dazu verleiten, ihre Headquarters nach Schaffhausen zu verlegen.

Was haben Standortmarketing und Schaffhauser Kulturberichterstattung gemeinsam? Sie beide wollen zeigen, wie gut und schön es hier ist. Für die Standortförderer gehört das zum Beruf, die KulturjournalistInnen hätten aber eigentlich eine andere Aufgabe: Nicht jedes Turnhallenkonzertli ist ein «stimmliches Feuerwerk», und nicht jedes Dorftheater erntet «frenetischen Applaus». Und das soll auch gesagt werden dürfen. Wo nur gelobt wird, kehrt Trägheit ein, findet der Lappi.

Während Wirtschaftsförderer und Kulturberichterstatter nur das Positive sehen, betonen andere, vor allem wenn sie politisch etwas verändern wollen, gerne die Schwächen der Region. Weil beide Seiten wohl ein verzerrtes Bild projizieren, hat der Lappi  Pedro Lenz für eine Aussensicht eingeladen. Und siehe da: Der Langenthaler Autor findet durchaus Gefallen am kleinstädtischen Charme von Schaffhausen.

Doch bereits lange vor Lenz und Holenstein erkannten Auswärtige die Vorzüge unserer Region. Als Vater aller Standortförderer versteht es nämlich der Rheinfall seit Jahrhunderten, massenhaft Touristen anzulocken – und hat dabei erst noch mehr Druck auf der Leitung als die Generis AG.

Zu guter Letzt kreuzen wir den Strahl mit der Wirtschaftsförderung und haben ein kleines Manifest für Euch, in dem wir unsere Ideen für eine echte Standortförderung präsentieren – zum Mitbrünzeln!

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