Mattias Greuter und Till Aders über das Potenzial der Erneuerbare Energien und die Energie­debatte, die sich dennoch fast nur um Endlager und einen AKW-Neubau dreht.

Unsere Zukunft sieht düster aus: Die Schweiz hat bald keine andere Wahl mehr, als meue Atomkraftwerke zu bauen. Schuld daran sind die verantwortlichen PolitikerInnen, die sich seit Jahren dagegen sperren, griffige Gegenmassnahmen in die Wege zu leiten. Im Vergleich mit Deutschland hinkt die Schweiz deutlich hinterher, was die Förderung alternativer Energien betrifft.

Wenn sich das nicht ändert, ist es eine Illusion, zu glauben, dass wir unseren Energiebedarf mit erneuerbaren Energien decken können, bevor 2045 mit Leibstadt das letzte Kernkraftwerk vom Netz geht.

Der grössere Teil der Medien nimmt zwar eine atomkritische Haltung ein, beschränkt sich aber zu oft darauf, die Atomenergie anhand von neuen Forschungsergebnissen und Skandalen anzugreifen oder sie aufgrund der ungelösten Entsorgungsfrage zu verunglimpfen. Das ist zwar wichtig und richtig, doch es fehlt das Interesse an den Alternativen zur veralteten Technologie. Die Schweizer Energiepolitik ist gefangen in der Debatte über neue AKW und Endlagerstandorte.

Die Axpo bringt sich mit grossem finanziellem Aufwand bereits jetzt in Stellung für nationale Abstimmungen über neue AKW, die voraussichtlich 2013 stattfinden werden. So werden die Kräfte der Gegner geschickt in eine Abwehrschlacht getrieben, in welcher für die Diskussion über die logische Alternative wenig Platz bleibt.

Das gleiche Bild zeigt sich in Schaffhausen: Ein Endlager im Südranden befürwortet nur der Jungfreisinn. Die Bewegung der Gegner ist tief in der Bevölkerung verankert und der Kampf dagegen bindet Kräfte, die beim Fordern einer regenerativen Energieversorgung fehlen.

Es fehlt auch an der staatlichen Förderung von Wind- und Solaranlagen und ökologischem Bauen. Die er­neuerbare Energiegewinnung kommt zwar aus eigener Kraft immer schneller ins Rollen, doch es könnte schon zu spät sein. Daraus schliessen radikale Marktgläubige, dass die neuen Energien nicht marktfähig sind, was wiederum die Förderung bremst: Ein Teufelskreis.

Der Staat hätte sich längst und entschlossen zum Schritt in die erneuerbare Energiezukunft bekennen und greifende Förderungsprogramme ins Leben rufen sollen. Der Kanton Schaffhausen hat mit dem «Impulsprogramm Solarenergie» endlich einen kleinen Schritt bei einer der zukunftsträchtigsten Technologien gemacht und die in Auftrag verfasste Windpotentialstudie zeigt, dass man zumindest neugierig ist, was die Möglichkeiten betrifft.

Nicht zu vergessen ist auch, dass die vollständige Autarkie in der Stromversorgung für die Schweiz gemäss Avenir Suisse selbst mit neuen AKW nicht realistisch ist. Die Angst vor der Versorgungslücke ist Stimmungsmache und hat in einer sachlichen Debatte nichts zu suchen.

Gemäss eines Beschlusses des Kantonsrats muss die Regierung den Ausstieg aus der Atomenergie bis 2040 prüfen. Soll dieses Ziel erreicht werden, reicht es nicht, dass Reto Dubach als Regierungsrat und Axpo-Verwaltungsratsmitglied halbherzig-kosmetische Massnahmen als Visionen verkauft.

Der Lappi will einen Beitrag leisten zu einer fruchtbaren Diskussion um die zukünftige Energieversorgung des Kantons und der Schweiz. Zu diesem Zweck hat er eine Auslegeordnung der gängigsten alternativen Energienutzungsformen gemacht, das Potential verschiedener Technologien untersucht und die neusten Projekte der Region unter die Lupe genommen. Das Heft in Ihrer Hand zeigt Wege auf, welche die Politik gehen würde, wenn es ihr Ernst wäre mit dem Atomausstieg und dem Umweltschutz.

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