Florian Keller begründet,  warum man die ­diversen Stammtische in der ­Schaffhauser Beizenlandschaft ­- seit jeher soziale Treffpunkte - einmal genauer unter die Lupe nehmen sollte.

Nicht wenige glauben, dass die Familie die gesellschaftliche Urzelle darstellt. Aus ihr müsse alles wachsen, was blühen soll im Staate. Das stimmt so nicht. Es ist die Beiz, die derartiges leistet.

Was macht eine Beiz aus? Aus dem Gedächtnis und sinngemäss zitiert nach J. R. Möhringer (Tender Bar): Eine subtile Mischung aus Licht, Ausgelassenheit, Zuneigung, Streit, Liebe, Rausch und – vielleicht am wichtigsten – Grosszügigkeit.

Man geht hin, wenn man durstig ist – und auch, wenn man nicht durstig ist. Man geht hin, wenn man Leute treffen will – und auch, wenn man allein sein will. Man geht hin, wenn man Freude teilen will, wenn man Trost sucht oder Streit anzetteln will. Man geht nach der Arbeit, über Mittag, am Samstag Morgen und am Sonntag Nachmittag. Und man geht natürlich in der Nacht. In die Beiz geht man immer und jederzeit – oder man geht nicht.

Ausgabe 9: Thomas Leuzinger und Marlon Rusch über den viralen Widerstand und das Bärentöten.

Schaffhausen, 2012. Ein anonymer Freiheitskämpfer kämpft mittels Facebook und Twitter gegen die komplette Medienkontrolle. Er, der sich als Gegengift zum Verleger der «Schaffhauser Nachrichten» sieht und dem wachsenden Unmut gegenüber dem Titel des Meier-Verlags ein Ventil geben will, ist die neue Maske des Widerstandes: Jarbert Janinger. J wie Jihad, der lokale Bruder von V wie Vendetta.

Der Widerstand stösst auf Resonanz: Bereits über 100 Facebook-Freunde auf Twitter zählt Jarbert. Auch wenn die Schaffhauser Politiker Ursula Hafner (SP), Christian Heydecker (FDP) und Martin Egger (FDP) die Freundschaft aufgekündigt haben, nachdem die Medien – auch die SN selbst – nachfragten, weshalb sie mit dem ominösen Rädelsführer des viralen Widerstandes befreundet waren.

AL-Kantonsrat Matthias Frick über Umverteilungsversuche.

Es war bereits im Vorfeld der Kantonsratsdebatte zur Teil­revision des kantonalen Steuergesetzes ruchbar geworden, die Spatzen pfiffen es von den Dächern: Die SVP möchte auf die ursprünglich von ihrer Finanzdirektorin vorgeschlagene Vermögenssteuersenkung nicht verzichten. Auch nicht angesichts der prekären Finanzlage des Kantons. Eine Senkung der Vermögenssteuer müsse zwingend sein und man könne sie sich leisten. Wohl auch dank der von der Volkspartei mit Beihilfe der Freisinnigen in der vorangegangen Woche durchgesetzten massiven Kürzung bei der Krankenkassenprämienverbilligung für Kleinverdiener.

Und wirklich: In der Beratung bei der Vermögenssteuer angelangt, ergriff Kantonsrat Markus Müller, SVP Löhningen, das Wort und beantragte eine Senkung der Vermögenssteuer von 2,3 ‰ auf 1,8 ‰. Das sei notwendig, da wir eine «Verteufelung unseres Paradieses» verhindern müssten – auch im Hinblick auf die zunehmende Überalterung des Kantons Schaffhausen. Es gelte, positive Signale an potentielle Neuzuzüger zu senden. Die beantragte Senkung sei nötig, namentlich für die vielen Eigenheimbesitzer im Kanton Schaffhausen.

Mattias Greuter und Thomas Leuzinger über die fortschrittliche, liberale Schweiz, die die Minderheit der Homo­sexuellen weder rechtlich noch gesellschaftlich als gleichwertig anerkennt.

Schwule werden kastriert und therapiert. Sie treffen sich – versteckt – in der «Schweinebucht» bei Büsingen oder schlüpfen durch einen Hintereingang in eine Schwulenbar an der Hochstrasse. Das war vor weniger als fünfzig Jahren. Heute steht die Homosexuellen-­Szene nicht mehr am Rande der Legalität. Weil Homosexuelle mehr Rechte haben und weil sich die Gesellschaft weiterentwickelt hat.

Doch die Schwulen und Lesben, die mit ihrer sexuellen Ausrichtung einer Minderheit angehören, werden trotz zahlreicher Verbesserungen im rechtlichen und gesellschaftlichen Bereich noch immer nicht als vollständig gleichwertig akzeptiert. Anders ist es nicht zu erklären, dass es immer noch Schwule und Lesben gibt, die ihre Neigungen auch vor ihrem engsten Bekanntenkreis geheim halten, wie die junge Frau, die sich in dieser Ausgabe dem Lappi gegenüber geoutet hat. Oder dass sich viele Homosexuelle in ihrem Alltag durch Sprüche, Witze oder Beleidigungen diskriminiert fühlen.

Ausgabe 8: Mattias Greuter und Thomas Leuzinger über die Presse, Blocher und Ringiers Hundeshop.

«Schaffhauser Nachrichten», «Weltwoche» und «Basler Zeitung» sollen zusammen in einer Verlagsholding untergebracht werden, meinte der «Tages-Anzeiger» vor kurzem zu wissen. Eine Schockmeldung für die SchaffhauserInnen – aber für den Lappi-Leser nicht glaubwürdig. In der letzten Ausgabe sagte «SN»-Verleger Norbert Neininger schliesslich stolz, es gebe «nur noch wenige unabhängige Regionalzeitungen», und versicherte, die Schaffhauser Nachrichten würden «frohen Mutes in zehn Jahren auch das 160. feiern können».

Nun, Blocher hat sich endlich (über seine Tochter Rahel) als (indirekter) BaZ-Besitzer zu erkennen gegeben. Wohl unfreiwillig, weshalb er sich jetzt wieder aus dem Staub macht. Allerdings ist nicht auszuschliessen, dass Christoph Blocher seine Fühler nach Zeitungen ausstreckt, die er in einen SVP-Verlag einbringen könnte. In Schaffhausen wird er mit Blocher TV ja bereits hofiert.

Thomas Leuzinger über ein Monopol, das nicht nur wirtschaftlich, sondern auch inhaltlich wenig Platz für Experimente lässt. Statt kreativen Journalismus zu fördern, wird – auch hier in Schaffhausen – lediglich der Informationsfluss verwaltet. 

Wir befinden uns im Jahre 2011 n. Chr. Ganz Helvetien ist von mächtigen Medienhäusern besetzt ... Ganz Helvetien? Nein! Ein von unbeugsamen Zwiebelfressern bevölkertes Dorf hört nicht auf, den Eindringlingen Widerstand zu leisten. Und das Leben ist nicht leicht für die medialen Legionäre, die als Besatzung in den befestigten Lagern Tamedia, Ringier, NZZ und AZ-Medien liegen ...

Schaffhausen hat unabhängige Pressehäuser und vordergründig eine erstaunliche Pressevielfalt, um die wir in manchem Kanton beneidet werden. Zehn Publikationen kämpften bis vor kurzem noch um die Gunst der LeserInnen. «Konkurrenz» ist in unserm Kanton allerdings trotzdem eine Floskel, der sich Medienunternehmer nur bedienen, wenn sie von ihrer Monopolstellung ablenken möchten. Selbst der einzige ernsthafte Konkurrenzkampf in den vergangenen zehn Jahren - nämlich derjenige ums Klettgau zwischen der «Klettgauer Zeitung» der Druckerei Hallau AG und der «Schaffhauser Landzeitung» von der Stamm und Co. Druckerei - hat mit der Übernahme des «Klettgauer» durch die «Schaffhauser Nachrichten» ein Ende gefunden. Gerüchteweise soll der «Klettgauer» in einem Jahr bereits in die «SN» integriert werden. Nun heisst es verwalten und erhalten – das ist der einzige Punkt, in dem sich die Schaffhauser Presselandschaft deutlich von anderen Regionen abhebt.

Ausgabe 7: Susi Stühlinger über sinnvolle Debatten und herbeifantasierte Ereignisse.

Erst war der Sommer kalt, dann war er heiss, und langweilig war er immer. Im Sommerloch machten wir uns Gedanken über die Leitmedien, die wir fleissig konsumierten und die Leitmedien machten sich Gedanken über das Übliche: Messerstecherinnen, Flugzeugabstürze, Erich Schlatter.

Trotz unserem sehr gelungenen Migrations-Lappi vom Mai blieb die Schweiz so fremdenfeindlich wie zuvor. Nur dank den zwei Plakatanstreichern vom Staatsdienst hegen wir noch ein Fünklein Hoffnung auf bessere Zeiten. Die Helden der Stunde waren dann auch gut in Redaktions- und Leserbriefspalten vertreten, die Debatte war ins Rollen gebracht. Ob wir Ähnliches mit dieser Lappi-Ausgabe schaffen, sei dahingestellt – zu bereden gäbe es einiges, auch in Bezug auf die Schaffhauser Medienlandschaft. Ach, und dann war da noch das mit dem Eskimo.

AL-Kantonsrat Matthias Frick über die Streitereien unter den Freisinnigen.

«Als Kantonsrat – oder besser als allgemein am Polittheater beteiligter und interessierter Zeitgenosse – bekommt man derzeit einiges an Programm geboten. Mit der Keule werden die jungfreisinnigen Krokodile von den Kasperlis der Altgeneration geschlagen (bildlich gesprochen) wenn sie in ihrem Übermut mal wieder nicht nur nach der Linken, sondern auch nach Leuten aus den eigenen Reihen schnappen.

So geschehen in der letzten Kantonsratssitzung: In dieser Sitzung wollten die Jungsinnfreien die überholte staatliche Institution namens Pädagogische Hochschule (PHSH) abschaffen, weil diese mehr kostet als sie Einnahmen generiert.

Neuer bauernschlauer Lappi

Der Lappi-Saat ist ausgebracht. Die neue Ausgabe ist in den Kiosken an der Vorstadt, am Löwengässchen und an der Schifflände sowie im Bücherschoch, im Bücherfass, im Lieblings und im Neustadt-Lade erhältlich. Du kannst das Magazin aber auch gleich hier Abonnieren.

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