Reich werden ist einfach. Sechs Strategien für die Flucht aus der Armut.

Alte Schrulle ausbeuten mittels Enkeltrick

Suche im Telefonbuch nach antiquierten Vornamen, die auf ein älteres Semester schliessen lassen (beispielsweise Namen, die auf -traut, -hilde, -hard oder -ried enden). Besonders geeignet sind WitwerInnen, sie erkennt man oft daran, dass sie einen Doppelnamen tragen, aber allein im Telefonbuch stehen. Suche gezielt in Villen- oder Einfamilienhausquartieren. Gestalte den Anruf möglichst anonym, beispielsweise aus einer Telefonkabine.

Erzähle Deinem Opfer eine gut einstudierte Geschichte: Du bist der Enkel oder Grossneffe, der sich länger nicht mehr gemeldet hat. Du brauchst «Deinen» Namen nicht zu kennen, das Opfer wird ihn Dir verraten, wenn Du das Gespräch beispielsweise mit «Rate mal, wer anruft» beginnst. Natürlich ist es von Vorteil, wenn Du beispielsweise den Namen Deiner «Tante» kennst.

Sobald Du das Vertrauen Deines Opfers gewonnen hast, erzählst Du von Deiner Notlage – mit möglichst vielen realistischen Details: Du wurdest im kongolesischen Dschungel von einer gefährlichen Gipfelspinne gebissen. Ein finsterer Buschdoktor hat Dir zwar das Leben gerettet, lässt dich aber erst gehen, wenn er bezahlt wurde – umgerechnet 6'200 Franken fordert er für Deine Rettung. Deine Zusatzversicherung würde zwar bezahlen, das dauert aber mindestens vier Wochen – so lange willst Du auf keinen Fall in der fragwürdigen medizinischen Obhut von Doktor Lungatunga bleiben.

Willigt das Opfer ein, schickst Du einen vertrauenswürdig aussehenden Komplizen vorbei, der das Geld abholt und verspricht, es per Western Union zu überweisen.

Pro

  • Geht relativ schnell, Zahltag innert weniger Stunden
  • Du wirst mit grösster Wahrscheinlichkeit nicht verhaftet, höchstens Dein Komplize.

Contra

  • Illegal
  • Kleine Gewinnsumme
  • In der Regel brauchst du mehrere Versuche bei verschiedenen Opfern, bis es klappt.

Alte Schrulle beerben mittels Heirat

Werde Stammgast im Café Rohr. Besorge dir Buntfaltenhose und Pullunder, setz Dich jeweils am Samstag Morgen an einen grossen Tisch und markiere den weltgewandten Junggesellen (NZZ, Knigge, Café Crème). Suche Dein Opfer sorgfältig aus. Du musst alles auf eine Karte setzen, die Balz der Ü70er-Generation erfordert mehr Zeit und Finesse als der U20-Aufriss in der Dicso. Halte Ausschau nach Perlenketten und teuren Seidenklamotten, Rentnerinnen in Männerbegleitung sind selbstverständlich tabu. Faustregel: Je älter die Zielperson, desto schneller kommst du an die Knete. Je seniler, desto einfacher arrangierst du die Eheschliessung. Hast du deine Wahl getroffen, komme langsam ins Gespräch, verabrede dich zum gemeinsamen Entenfüttern und sei spendabel. Du kannst dich dafür ruhig verschulden, wenn Du dafür Sympathiepunkte erspielen kannst. Stellst Du es klug an, ist das Eintrittsgeld für den Streichelzoo bestens angelegt. Nun braucht es Fingerspitzengefühl, den passenden Zeitpunkt zu finden, genügend Vertrauen und Zuneigung zu Dir aufgebaut haben. Fahre dann die klassische Schiene und gestehe der Zielperson mit Verlobungsring und roten Rosen Deine Liebe und halte um ihre gichtgeplagte Hand an. Hast du gute Vorarbeit geleistet, ist der Rest Routine: Standesamtliche Eheschliessung, warten, kassieren. Bist Du eine Frau, ist das Prozedere um einiges einfacher. Bereits subtile Interessenbekundungen werden reichen, bald ein im besten Fall lediglich finanziell potentes Opfer am Haken zu haben. Du brauchst es dann bloss noch auszunehmen.

Pro

  • Legal, solange Du nicht ungeduldig wirst und beim Ableben nachhilfst
  • Wählst Du Dein Opfer klug aus, wirst Du auf einen Schlag sehr reich.
  • Unter Umständen wird Deine Zuneigung auch im Schlafzimmer gefordert.

Contra

  • Dauert lange
  • Bei unsorgfältiger Planung recht unsicher
  • Unter Umständen wird Deine Zuneigung auch im Schlafzimmer gefordert.

Bank überfallen

Du hast genügend Filme des Genres gesehen, um zu wissen, wie es klappt (Ocean’s Eleven) und wie sicher nicht (Reservoir Dogs). Benötigt werden: Komplizen, Masken, echte oder echt aussehende Waffen, Fluchtfahrzeug mit geklautem Nummernschild und Mut. Kleinere Banken sind weniger gefährlich als UBS und Co. Überlege Dir vorher genau, was Du willst, denn schneller Zugriff ist das A und O. Wenn Du auf den grossen Safe verzichtest und nur das Geld hinter den Schaltern mitnimmst, bist Du schneller weg. Du musst laut und gefährlich wirken, aber gleichzeitig klarmachen, dass niemand verletzt wird, wenn alle brav mitmachen. Nach der Tat musst du sämtliche Spuren beseitigen. Versenke Fluchtauto und Waffen und werde deine Komplizen los.

Pro

  • Geht sehr schnell
  • Grosse Gewinnsumme
  • Action
  • Wenn es schief geht, wirst Du zumindest berühmt und kannst im Knast einen Bestseller schreiben.

Contra

  • Illegal und mit grossem Verhaftungsrisiko verbunden.

Bank gründen

Um in der Schweiz ein Finanzinstitut zu gründen, brauchst Du eine Bewilligung von der FINMA. Die Bedingungen: Rechtskonforme Organisation und Statuten (Bundesgesetz über die Banken und Sparkassen, Artikel 3, Absatz 2a) und ein Mindestkapital von zwei Millionen Franken. Der Rest ist relativ ein-­ fach: Du nimmst Geld von Kunde A auf und bezahlst einen kleinen Zins. Du verleihst das Geld an Kunde B und kassierst einen grösseren Zins. Das Ganze beschleunigt sich, weil Du das Geld mehrmals verleihen kannst. Der Grafiker Max von Block vermittelt eine detaillierte Anleitung im Kurzfilm «Wie funktioniert Geld» und fasst das grundsätzliche Funktionsprinzip so Funktionsprinzip so zusammen: Du nimmst Geld, welches Dir nicht gehört, Du erschaffst Geld, welches nicht existiert, und kassierst für alles Zinsen.

Pro

  • Diese Methode ist sehr zuverlässig.
  • Auch wenn man es kaum glaubt: Banken sind grundsätzlich nicht illegal.

Contra

  • Der Weg zum grossen Reichtum ist lang.
  • Du brauchst viel Geld, um überhaupt loszulegen.
  • Laut Bankengesetz müssen «die mit der Verwaltung und Geschäftsführung der Bank betrauten Personen einen guten Ruf geniessen und Gewähr für eine einwandfreie Geschäftstätigkeit bieten».

Drogen verticken

Drogen sind super. Vor allem, wenn Du sie nicht nur konsumierst, sondern auch verkaufst. Viele Leute sind mit dieser Methode schon reich geworden – auf jeden weltberühmten toten Drogenboss kommen zehn fast so reiche, die nie erwischt werden.

Schritt eins: Kaufe eine grössere Menge deiner Wunschdroge.

Schritt zwei: Teile den Stoff in kleine Portionen auf – und vergiss das Strecken nicht.

Schritt drei: Verkaufe an Genussmenschen, Junkies und an diejenigen, die eines von beidem werden wollen. Der erste Hit ist gratis.

Schritt vier: Beginne wieder bei Schritt eins.

Pro

  • Grosse Margen
  • Du darfst gerne auch von Deiner eigenen Ware naschen – aber nur in gesunden
  • Dosen.

Contra

  • Das mit den gesunden Dosen ist nicht ganz einfach.
  • In manchen Fällen folgt auf den rasanten Aufstieg der noch schnellere Absturz (siehe dazu das Standardwerk «Scarface»).
  • Nicht ganz legal

Medikamente verticken

Melde Dich unverzüglich nach Lesen dieses Textes für den Numerus Clausus an. Bestehe den Test und schreibe Dich an der medizinischen Fakultät einer Universität Deiner Wahl ein. Vernachlässige rund 10 Jahre lang Dein soziales Umfeld, lerne alles über Organe, Knochen, Krankheitsbilder und deren Behandlung. Du wirst die mühsam erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten zwar nie mehr brauchen, der Titel «Dr. med.» legitimiert Dich jedoch, in den lukrativen Handel mit legalen Drogen einzusteigen. Bist Du erstmal Hausärztin, verkaufst Du Deinen Patienten unter fadenscheinigen Begründungen allerhand Medikamente, die sie gesund machen oder ihr Leid zumindest nicht weiter verschlimmern.

Pro

  • Legal
  • Ist die Maschinerie erstmal angelaufen, rollt der Rubel praktisch von allein. Die Medikamente werden immer höhere Margen  abwerfen.

Contra

  • Gerade in der Anfangsphase sehr arbeits- und zeitintensiv.
  • Um Dein niederes Motiv zu kaschieren, musst Du auch nach dem Studium viel Zeit investieren und Dich mit lästigen Patienten herumschlagen.

 

 

 

 

 

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