Mit Köpfchen und Schafferhänden

Alle jungen LandwirtInnen folgen einer ­Familientradition, wählen SVP, lechzen nach Subventionen und schimpfen über den Milchpreis? Falsch. Ein Besuch bei Sibil Brassel auf dem Hof Brunnmatt.

Mit dem Label DEMETER werden Produkte versehen, die nach anthroposophischen Prinzipien von Rudolf Steiner erzeugt werden. Bei der sogenannten biologisch-dynamischen Landwirtschaft wird ein Betrieb als Organismus gesehen. Je vielfältiger er produziert, desto stabiler sind er und seine Umwelt. Bilder: mr.

Erdige Kartoffeln holpern gemächlich, aber zahlreich über das Fliessband des Hofs Brunnmatt im Bernbiet. Acht flinke Hände in Gartenhandschuhen greifen sie zielsicher und sortieren sie in Holzkisten. Schlechte, Gute, Saat. Zwei der Hände, die zwei grössten, gehören Sibil Brassel. Es sind Schafferhände, die nicht so recht zum lieblichen Gesicht passen und gern darüber hinwegtäuschen, dass die 23-Jährige keine klassische Bäuerin ist, sondern nach vier Jahren Kantonsschule an die Uni wollte, bevor sie eher zufällig in die Landwirtschaft geriet.

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Die lasche Lobby der Landwirte

Keine Berufsgruppe ist im Schaffhauser Kantonsrat stärker vertreten als die LandwirtInnen, gemessen an ihrem Anteil an der Bevölkerung.

So würde der Rathausbogen aussehen, wenn die LandwirtInnen im Kantonsrat mit ihrem ARBEITSGERÄT an die Sitzungen fahren würden. Bild: mg.

Als der Nationalrat den Bauern des Landes im vergangenen April ein Steuergeschenk in der Höhe von 400 Millionen machte, ging ein Raunen durch die Schweiz. Da sah man es wieder: Niemand hat in Bern eine so starke Lobby wie die LandwirtInnen.

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Lappi sucht Bauer

Der Bauer. Er stiftet nationale Identität und ist ewiger Zankapfel, Je nach Sichtweise wird er zum Sinnbild der selbstständigen Schweiz hochstilisiert oder als staatlicher Landschaftsgärtner verunglimpft. Er jammert über den Milchpreis und bekommt Millionen von der Politik geschenkt, er hat die mächtigste Lobby in Bern und fühlt sich dennoch ständig missverstanden und untervertreten.

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Fünf Massnahmen für einen erträglicheren Zivilschutz

Militärdienstverweigerer in lächerlichen Uniformen, die von Armeefetischisten zu unnützen Arbeiten gezwungen werden – das kann nicht gut gehen. Dabei wäre es so einfach.

KORREKTE UNIFORM: Das ist jetzt imfall kein Witz. Also irgendwie schon, aber garantiert ein offizielles Zivilschutzdokument, daher auch die schlechte Bild­auflösung.

Niemand geht gerne in den Zivilschutz. Die ganze Truppe besteht aus Menschen, die nicht in die Armee wollten und es irgendwie nicht geschafft haben, sich vollständig untauglich stempeln zu lassen. Oder die zu faul waren, sich die notwendige Bürokratie anzutun, um Zivildienst leisten zu können – der notabene länger dauert als die Ausbildung zum Kanonenfutter im Tarnanzug.

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Hinterzimmerpolitik vor Gericht

Gestützt auf das Öffentlichkeitsprinzip fordern wir vor Gericht Transparenz bei der Arbeit des Parlaments.

Wir bringen die Machenschaften der Hinterzimmerpolitik vor Gericht. Im letzten Lappi haben wir darüber berichtet, dass uns die Einsicht in kantonsrätliche Kommissionsprotokolle verwehrt wurde – unserer Ansicht nach im Widerspruch zu Verfassung und Öffentlichkeitsprinzip. Ausserdem beschloss das Kantonsratsbüro: Wer ein Protokoll einsehen darf, bekommt es nicht in digitaler Form, sondern muss beim Ratssekretariat vorbeigehen und darf es dort lesen, aber nicht kopieren oder fotografieren.

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Transparenz und Most

Was der Lappi für Schaffhausen fordert, kann ausgerechnet Wil SG schon lange: Im Parlament transparent abstimmen.

Blick vom Schreibtisch eines Stimmenzählers im Stadtparlament Wil: Auf seinem Laptop und AUF EINER LEINDWAND wird das Abstimmungs­resultat ANGEZEIGT. Links im Bild ein Abstimmungsgerät und die graue Box, welche die Funksignale emfängt. Bilder: mg.

Das Parlament von Wil SG ist ganz anders, als wir es uns aus Schaffhausen gewohnt sind. Erstens steht auf den Tischen – na, was wohl bereit? Apfelmost. Zweitens findet die Debatte komplett in Schweizerdeutsch statt. Doch wir sind wegen eines ganz anderen Unterschieds an diesem Donnerstagabend nach Wil gereist: Wegen der elektronischen Abstimmungsanlage. Das System in Wil ist Vorbild für eine vom Lappi mitinitiierte Volksmotion.

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Aus Pfiff mach Pfeffer

Ein junger Unterländer streift tagelang durch Jagdreviere, Wildmetzgereien, Schlachthöfe, Drogerien und Restaurantküchen von Schaffhausen bis Savognin, um das Geheimnis eines hundertjährigen Rezepts zu lüften. Dabei erkennt er: Ein totes Tier kann mehr, als uns zu ernähren.

Bilder: Peter Pfister, Raphael Winteler, mr.

Ich sitze an einem Holztisch mit weissem Tischtuch, steche mit der Gabel in eines der dunklen Fleischstücke auf meinem Teller und führe die Gabel vorsichtig zum Mund. Doch noch bevor sich mein Gaumen zu Wort melden kann, schreit mein Gehirn: «Du Barbar, du isst gerade ein Murmeli!»

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Sitzplatzmathematik

Blutgrätsche

JÖRÔME EHRAT versteht irgendwie was von Sport.

Es geht was im Herblingertal. Wo bis im Spätsommer 2015 noch einzig eine einsame Bautafel mit der Aufschrift «FCS-Park – Fertigstellung: Herbst 2014» prangte, ragt mittlerweile eine meterhohe Beton- und Gerüstekonstruktion in den Himmel, der den tatsächlichen Bau eines Stadions schon seit längerem mehr als nur andeutet. Ein Stadion mit Mantelnutzung, notabene!

Da sich das Interesse für die Benützung dieses Mantels bisher in Grenzen hält (von insgesamt zehn verfügbaren Verkaufs- und Dienstleistungsflächen waren am 25. August 2016 gerade mal drei definitiv vermietet) und weil die öffentliche Hand eine finanzielle Beteiligung bekanntlich abgelehnt hat, wird es nun hauptsächlich in den Händen der bezahlenden Fussballfans liegen, die Investitionen in das Projekt zu amortisieren.

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Das grosse Sterben

Odi motzt

JÜRG ODERMATT ist Musiker, Journalist und Ex-Schaffhauser

Der Munot steht noch, und der Rhein, alter Buddy, lässt weiter grünes Wasser vorbeilaufen. Aber sonst war’s ein grosses Sterben und Verschwinden in Schaffhausen.

Markus Werners Abgang traf ins Herz, auch wenn dieser schreibende Skeptiker und (Ver-)Zweifler neben vielem anderen das Sich-Unsichtbar- und Kleinmachen beherrschte wie vor ihm höchstens Robert Walser. Zum Warmwerden liegt allem Anschein nach jetzt noch weniger Ursache vor – nur der gut sortierte Buchhandel reibt sich die Hände und präsentiert die Werner-Romane adrett in den Auslagen.

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Liberal war einmal

Eine Auswertung der Abstimmungs­empfehlungen zeigt: Die «Schaffhauser Nachrichten» teilen meistens ­die politischen Ansichten der SVP.

Bild: mg.

Jene, die «Weltwoche», «BaZ» und «SN» in einem Atemzug nennen, munkelten es schon lange, nun beweist der Lappi: Die einzige Schaffhauser Tageszeitung politisiert wie die Schweizerische Volkspartei. Die Analyse der Abstimmungsparolen der «SN» zu allen kantonalen Volksabstimmungen seit 2003 zeigt: Die «SN» fällten bei 73 Vorlagen 55 Mal die gleiche Parole wie die SVP. Das heisst, bei drei von vier Vorlagen sind die «SN» gleicher Meinung wie die Volkspartei. Mit keiner anderen Partei ist diese Übereinstimmung grösser, auch nicht mit der FDP.

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